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1987, 30'000 Besucher und Status Quo: So ist das Open Air Frauenfeld entstanden

Status Quo, Marillion oder Third World: Unter anderem mit diesen Künstlern setzte das Open Air Frauenfeld im Juli 1987 vor rund 30'000 Besuchern den Startschuss für seine Geschichte. Heute gilt das Festival auf der Allmend als grösstes Hip-Hop-Festival Europas. Am Mittwochnachmittag öffnen sich die Tore für die 25. Ausgabe, und das unter völlig anderen Umständen als noch vor 32 Jahren.
Viola Stäheli
Die Bühne des ersten Open Airs in Frauenfeld im Jahr 1987, das zunächst «Out in the Green» hiess. (Bild: Stadtarchiv Frauenfeld)

Die Bühne des ersten Open Airs in Frauenfeld im Jahr 1987, das zunächst «Out in the Green» hiess. (Bild: Stadtarchiv Frauenfeld)

Zelte werden gepackt, Hotpants und Gummistiefel aus dem Schrank geholt und der erste Alkohol von Glas- in Plastikflaschen umgefüllt. 180'000 Personen machen sich bereit: Am Mittwochnachmittag beginnt das Open Air Frauenfeld 2019.

Laute Bässe und johlendes Publikum werden in den nächsten Tagen auf der Grossen Allmend zu hören sein. Aber bevor dieser kurzzeitige Ausnahmezustand wieder Einzug hält, ist es Zeit, zurückzublicken – auf die Anfänge des mittlerweile grössten Hip-Hop-Festivals Europas.

Längst treten die Künstler in Frauenfeld auf zwei miteinander verbundenen Bühnen auf. Die sogenannte Skyline-Stage weist eine Gesamtbreite von über 160 Metern und eine Höhe von 22 Metern auf. (Bild: Andrea Stalder (6. Juli 2018))

Längst treten die Künstler in Frauenfeld auf zwei miteinander verbundenen Bühnen auf. Die sogenannte Skyline-Stage weist eine Gesamtbreite von über 160 Metern und eine Höhe von 22 Metern auf. (Bild: Andrea Stalder (6. Juli 2018))

Man schreibt das Jahr 1987, als der FC Frauenfeld mit Ermano Conti, Inhaber eines Frauenfelder Grafikbüros, die Idee eines «grösseren Sommernachtsfestes» mit dem Namen «Out in the Green» in die Tat umsetzt. Die Absichten hinter dem Anlass sind simpel: Der FC wittert nach dessen missglückten Ausflug in die Nati B die Chance, Geld zu verdienen, und Conti will sich einer neuen Herausforderung stellen. Ernst Huber erzählt:

«In diesem Jahr war jede grössere Feier ein riesiger Erfolg. Also dachte man sich, lasst uns das hier in Frauenfeld auch probieren.»

Ernst Huber, früherer Chef Festivalbüro Open Air Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Ernst Huber, früherer Chef Festivalbüro Open Air Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Huber befand sich damals im Vorstand des FC, seine Aufgabe bestand darin, Anlässe auf die Beine zu stellen, um die finanzielle Situation des Clubs aufzubessern. «Ich habe Grümpelturniere und Kasinoabende organisiert.» Dann kam das besagte «Sommernachtsfest» – Huber erklärte man zum Chef des Festivalbüros.

Zelte stehen direkt neben der Bühne

Auch 1987 hat man sich vorbereitet – Zelte gepackt, Bier und Schnaps gekauft. Den Alkohol musste man aber noch nicht in Plastikflaschen umfüllen, auf die Idee eines Glasverbotes kam dazumal noch niemand. Rund 30'000 Besucher pilgerten nach Frauenfeld, um Status Quo, Marillion oder Third World zu sehen.

Hunderte Zuschauer drängen sich am ersten Open Air auf der Grossen Allmend im Jahr 1987 vor die einzige Bühne. Damals kauften die Besucher Tickets fürs Out in the Green. (Bild: PD/Stadtarchiv Frauenfeld)

Hunderte Zuschauer drängen sich am ersten Open Air auf der Grossen Allmend im Jahr 1987 vor die einzige Bühne. Damals kauften die Besucher Tickets fürs Out in the Green. (Bild: PD/Stadtarchiv Frauenfeld)

Dass es so viele werden würden, davon hatten die Veranstalter keine Ahnung. «Der Vorverkauf war in dieser Zeit noch kein Thema, die meisten erwarben ihr Ticket direkt vor Ort», sagt Andreas Anderegg. Der ehemalige Boxer und Inhaber einer Sicherheitsfirma war der Sicherheitschef am ersten Open Air und schrieb nebenbei noch für die Presse.

«Es herrschte Goldgräberstimmung. Das Geld wurde von den bestürmten Kassenhäuschen in Jutesäcken mit Schubkarren ins Festivalbüro gebracht.»

Andreas Anderegg, ehemaliger Sicherheitschef Open Air Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Andreas Anderegg, ehemaliger Sicherheitschef Open Air Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Auch sonst lief 1987 vieles etwas anders als heute: Die Besucher schlugen ihre Zelte in der Rennbahn auf, direkt neben der Bühne. Heute wäre das undenkbar. Und nicht nur das: Niemand würde mehr auf die Idee kommen, eine Tombola am Open Air zu betreiben. «Wie gesagt – zuvor hatte ich Grümpelturniere organisiert, bei denen auch Tombolas dazugehörten», sagt Huber.

So entstand die Idee. Kinder bekamen die Aufgabe, auf dem Gelände Lösli zu verkaufen. Und tatsächlich brachte die Aktion einigen Gewinn in die Kasse des FC Frauenfelds. Soviel, dass auch am zweiten Open Air eine Tombola stattfand – dafür die letzte.

Besucher schlendern bei der ersten Ausgabe 1987 durch die Marktgasse, wo Verkäufer ihre Waren feilbieten. (Bild: PD/Stadtarchiv Frauenfeld)

Besucher schlendern bei der ersten Ausgabe 1987 durch die Marktgasse, wo Verkäufer ihre Waren feilbieten. (Bild: PD/Stadtarchiv Frauenfeld)

Die sanitären Anlagen von damals entsprachen ebenfalls nicht ganz dem heutigen Standard. Toiletten waren vorhanden, wenn auch zu wenige, Duschen gab es keine. Im Vergleich: Dieses Jahr stehen den Festivalbesuchern 450 Toi-Tois, 30 WC-Container und 15 Duschcontainer zur Verfügung. Allerdings gab es bereits 1987 eine grosse Auswahl an Verpflegungsmöglichkeiten: Zwar waren es nicht 50 Foodstände wie heute, aber es gab etwa italienische und chinesische Spezialitäten.

Organisatoren stecken viel Herzblut rein

Von 1987 bis 2000 waren Huber und Anderegg dabei und haben bei den acht ersten Open Airs einiges erlebt. «Man musste sich immer etwas einfallen lassen, falls etwas ausserplanmässig verlief», sagt Huber. Mehr als einmal rief er mitten in der Nacht den Stadtrat an, um eine Sonderbewilligung zu erhalten, damit länger Musik gespielt werden konnte. Denn meist verzögerte sich das Programm um einige Stunden.

Für diesen Besucher ist die Auswahl an Sonnenbrillen in unterschiedlichen Formen und Farben ziemlich herausfordernd. (Bild: Reto Martin (5. Juli 2018))

Für diesen Besucher ist die Auswahl an Sonnenbrillen in unterschiedlichen Formen und Farben ziemlich herausfordernd. (Bild: Reto Martin (5. Juli 2018))

Das Open Air Frauenfeld hat sich verändert. Die Organisation ist professioneller, was morgen bereits am flüssig bleibenden Verkehr auf der Autobahn zu merken sein wird: Am ersten Open Air staute sich der Verkehr von Matzingen bis nach Winterthur.

Jedoch gleichen sich die Ängste der Veranstalter von 2019 mit jenen von 1987: Man wünscht sich ein friedliches Fest, ist sich aber durchaus des Risikos bewusst, welches bei einer solch grossen Menschenansammlung vorhanden ist. Eine Massenpanik oder Ähnliches hat sich bis dato noch an keinem Open Air verwirklicht, nicht zuletzt deshalb, weil damals und heute so viele Menschen ihr Herzblut in die Organisation stecken.

Huber, heute 60-jährig, und Anderegg, 62-jährig, werden auch dieses Jahr auf der Grossen Allmend vorbeischauen. Letzterer meint: «Es hat sich vieles verändert, aber am Open Air Frauenfeld feiert es sich immer noch gut.»

25 Open Airs – diverse Genres

Im Jahr 1987 organisierte Ermano Conti, Inhaber eines Frauenfelder Grafikbüros, mit dem FC Frauenfeld das erste Open Air in Frauenfeld mit dem Namen «Out in the Green». Bis 2000 gastierten am «Out in the Green» nebst den Rolling Stones (1998) viele Rock- und Popstars. Nach finanziellen Schwierigkeiten wurde auf der Grossen Allmend während zweier Jahre das musikalisch härtere «Ministry of Rock» betrieben. Seit 2006 präsentiert sich das Festival mit dem Namen Open Air Frauenfeld und hat sich auf Hip-Hop-Musik spezialisiert. Mittlerweile gilt es als grösstes Hip-Hop-Festival Europas. Die diesjährige 25. Ausgabe mit total 61 Acts ist erneut ausverkauft, über alle vier Tage werden 180'000 Gäste erwartet. (vst)

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