Glosse

Ohne Chips und Weisswein durch die Hinterthurgauer Turnhallen

Südsicht auf das Bestreben der Gemeinderäte und Schulbehörden nach einer höheren Stimmbeteiligung. 

Olaf Kühne
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Olaf Kühne

Olaf Kühne

Bild: Peter Pfistner

Wirklich lobenswert, diese Gemeinde- und Schulbehörden. Eigentlich könnte ihnen ja die Stimmbeteiligung herzlich egal sein. Dennoch unternehmen sie alles Erdenkliche, um möglichst viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an ihre Gemeindeversammlungen zu locken.

Apéros mit ein bisschen mehr als nur magenbrennenverursachenden Chips und Weisswein gehören längst zum guten Ton einer jeden bürgerfreundlichen Gemeinde. Deswegen haben sie sich als Lockmittel wohl auch ein wenig abgenutzt.

Eschlikon hat es lange Zeit mit Adventsfenster, Nüssli und Manderindli probiert – mit mässigem Erfolg. Gemeinderat, Schulbehörde und Verwaltungsmitarbeiter gingen am Montagabend deshalb in die Vollen und spielten mit ihrer Adhoc-Band «Lady in Black» von Uriah Heep. Ob eine Ballade von 1971 geeignet ist, Jungbürger an die Gemeindeversammlung zu locken, bleibe dahingestellt. Jedenfalls konnte der teure neue Singsaal zeigen, was er so drauf hat. Und 148 Stimmbürger sind doch ein Wort.

Gut, eines, über das die Münchwiler nur müde lächeln können. Die hatten nämlich 260 Bürgerinnen und Bürger an ihrer Versammlung. Für diese eindrückliche Zahl hat der Münchwiler Schulpräsident aber auch wirklich kreativ aus dem Vollen geschöpft. Er liess sich eine empörende Sparmassnahme einfallen, welche den betroffenen Eltern ganz ohne Weisswein und Chips Magenbrennen verursachte: Wegen ein paar zehntausend Franken sollten die Holzmannshauser Kinder von Eschlikon nach Münchwilen verpflanzt werden.

Das war natürlich nicht ernst gemeint. Aber der Trick hat funktioniert. Die Turnhalle Oberhofen war am vergangenen Mittwoch proppevoll, und es wurde ein ganz geselliger Abend – wie man so hört.

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