Ohne Bechtelisnacht stirbt Frauenfeld aus. Oder: Wenn ein funktionierendes soziales System aufgrund der Abwesenheit von Frauen auseinanderzubrechen droht

Murgspritzer: Wenn Frauenfelds Nacht der Nächte pandemiebedingt ins Wasser fällt, lohnt es sich nicht mehr, Kinder in die Welt zu setzen, findet TZ-Redaktor Mathias Frei.

Mathias Frei
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Bechtelisnacht in Frauenfeld ist Spass pur. Eine Impression von Januar 2020.

Bechtelisnacht in Frauenfeld ist Spass pur. Eine Impression von Januar 2020.

(Bild: Donato Caspari)

Es sieht schitter aus. Dunkelschwarz. Und man weiss nicht so recht, ob man sich das noch antun will. Ist das nun der Moment für die Sinnfrage? Frauenfeld ohne Bechtelisnacht. Nein, das ist kein böser Traum. Das könnte Wirklichkeit werden. Bürgerpräsident Titus Moser redete am Montagabend bei der Bürgergemeinde Tacheles. Die Bürgergesellschaften werden wohl sitzen und essen und trinken. Aber danach? Wo sonst soll man sich den Kater des Jahres einfangen? Wo sonst kann man mit dem Altregierungsrat «tumm tue»? Wo sonst Frauenfelderinnen treffen, mit denen der letzte Zungenkuss 15 Jahre zurückliegt? Wo sonst gilt Wildpinkeln vor dem Rathaus oder Regierungsgebäude als Zeichen zivilen Ungehorsams? Ein funktionierendes soziales System, das auf Werten basiert, droht komplett auseinanderzubrechen.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

Mathias Frei, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Aber das Schlimmste: Frauenfeld wird ohne die Bechtelisnacht aussterben. Wann, wenn nicht in der Nacht der Nächte, sollen nun noch einvernehmlich Kinder gezeugt werden? Jetzt offenbart sich das Problem, dass in den meisten Bechtelisgesellschaften nur Männer mitwirken. Gopferteli, es braucht die Frauen. Lediglich die Langdorfer Schamauchen sind gemischtgeschlechtlich. Doch ob dieses Klübli körperlich in der Lage ist, für die ganze Stadt in dieser Nacht in die Bresche zu springen, ist eine gute Frage. Nicht weniger darf man sich auch fragen, ob es überhaupt noch Sinn macht, Kinder in die Welt zu setzen. In eine Welt ohne Bechtelis.