Ökologisch und fair produzierte Lebensmittel sollen bevorzugt werden

Die Fair-Food-Initiative will Lebensmittel aus naturnaher, umwelt- und tierfreundlicher Produktion sowie faire Arbeitsbedingungen fördern. Der Markt könne das nicht alleine regeln, sagen die Befürworter.

Christian Kamm
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Machen sich für die Fair-Food-Initiative stark: Beat Schenk, Toni Kappeler, Kurt Egger, Nina Schläfli, Simon Vogel. (Bild: ck)

Machen sich für die Fair-Food-Initiative stark: Beat Schenk, Toni Kappeler, Kurt Egger, Nina Schläfli, Simon Vogel. (Bild: ck)

Die erste SRG-Umfrage bescherte den Unterstützern der eidgenössischen Fair-Food-Initiative Rückenwind. Gegenwärtig unterstützen 78 Prozent der Stimmbevölkerung das Volksbegehren, über das am 23. September abgestimmt wird. Es verlangt einen neuen Artikel 104a in der Bundesverfassung: Naturnahe, umwelt- und tierfreundliche Lebensmittelproduktion fördern, der Verschwendung von Nahrungsmitteln einen Riegel schieben und faire Arbeitsbedingungen in der Produktion schaffen − auch im Ausland. Denn: «Knapp die Hälfte aller Lebensmittel, die in der Schweiz konsumiert werden, wird von Bäuerinnen und Arbeitern in anderen Ländern produziert», sagte SP-Präsidentin Nina Schläfli an einer Medienorientierung des kantonalen Komitees. Es sei nicht tragbar, dass in der Schweiz Lebensmittel zu Tiefstpreisen in den Verkaufsregalen stünden. «Mit dieser Initiative sollen entlang der gesamten Lebensmittelkette faire Arbeitsbedingungen entstehen.»

«Stimmenthaltung ist fast schon ein Ja»

Toni Kappeler, Präsident Pro Natura, sieht als Grundgedanken hinter dem Volksbegehren: «Ökologisch, fair und tierfreundliche produzierte Lebensmittel erhalten einen Marktvorteil.» Er freue sich über die Unterstützung von Biobauern-Organisationen. Und auch die Stimmfreigabe des Schweizerischen Bauernverbandes «ist für mich schon fast ein Ja». Dass Economiesuisse behaupte, die Lebensmittelpreise würden nach einem Ja um 50 Prozent steigen, sei Fake-News. «Das verrät eher den Argumentationsnotstand.»

Simon Vogel, Präsident der Jungen Grünen, verwies darauf, dass ein Schweizer Haushalt pro Jahr rund 2000 Franken für Lebensmittel ausgebe, die dann im Abfall landeten. Deshalb fordere die Initiative auch Massnahmen gegen Food-Waste. Juso-Präsident Beat Schenk beklagte, dass Grossverteiler und Importeure immer grösseren Druck auf die Produzenten ausübten. Kurt Egger, Präsident der Grünen, rechtfertigte die geplanten Eingriffe in den Markt mit dem Umstand, dass Freiwilligkeit eben nicht ausreiche. «Wie in der Klima- und Energiepolitik auch nicht.»