Ökologie
«Mit Grauen erinnere ich mich daran, wie es früher in einem Plastik-Toi-Toi war»: In Diessenhofen stehen neuerdings drei Öko-Tois, die drei Thurgauer erfunden haben

Wer durch Diessenhofen spaziert und unterwegs ein natürliches Bedürfnis nach Erleichterung verspürt, kann sein Geschäft neuerdings in einer von drei Öko-Tois erledigen.

Thomas Brack
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In einem Öko-Toi wird mit Holzspänen «gespült».

In einem Öko-Toi wird mit Holzspänen «gespült».

Bild: Thomas Brack

Die Nähe zur Natur spüren. Das passiert mit den Nutzerinnen und Nutzern der neuen Öko-Tois, die seit diesem Sommer an drei Standorten in Diessenhofen aufgestellt sind. Statt mit Wasser zu spülen, werden die Exkremente mit Holzspänen in einen Kessel überdeckt. Für die Hygiene stehen Toilettenpapier und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Der Duft nach Holz dominiert im Innern, im Gegensatz zu den Plastik-Toi-Tois herrscht eine angenehme Atmosphäre im Toilettenhäuschen.

Neuerdings stehen also drei hölzerne Toiletten im äussersten westlichen Zipfel des Kantons Thurgau, für Herstellungskosten von 1200 Franken pro Stück. Die Idee dafür hatte Lukas Kaiser, Standortleiter der technischen Dienste St.Katharinental. Auf offene Ohren mit seiner Initiative stiess er bei Stadtpräsident Markus Birk und Bauamtschef Werner Schellenberg. So kamen noch die weiteren Standorte in Diessenhofen hinzu. «Ich habe bisher nur positive Rückmeldungen erhalten», schwärmt Kaiser von den Öko-Tois.

«Als ehemaliger Bauarbeiter kann ich mich nur mit Grauen daran erinnern, wie es früher in einem Plastik-Toi-toi war.»
Lukas Kaiser, Standortleiter technische Dienste St.Katharinental.

Lukas Kaiser, Standortleiter technische Dienste St.Katharinental.

Bild: Thomas Brack

Der Mehrwert an Komfort und Naturnähe mache den Mehrpreis bei weitem wett. Auch der Support und Service – die Kessel würden von der Firma einmal wöchentlich geleert – klappe ausgezeichnet.

Von drei pfiffigen Handwerkern aus dem Gögelland

Die Öko-Tois stammen aus dem «Gögelland». So heisst das Stück Thurgau zwischen dem Bodensee und Bürglen. Nach althochdeutscher Sprache übersetzt würde es die Gegend des «Tollpatsch» heissen. Freilich wäre dies die verkehrteste Bezeichnung für die drei pfiffigen Handwerker aus dem thurgauischen Andwil, welche die Idee hatten, ein ökologisches und mobiles Toilettenhäuschen zu bauen.

Schreiner Roman Seiz und Zimmermann Mathias Walser wussten über Holz bestens Bescheid, Polymechaniker Patrick Oettli konnte sein Wissen über Metall einbringen. Also starteten sie mit der Planung und der Entwicklung eines Prototyps. Es folgte eine Phase des Tüftelns, Bauens, Testens und so weiter. So entstand nach einer zweimonatigen Entwicklungsphase das erste Öko-Toi. Dabei achteten die drei Firmengünder und -inhaber stets darauf, dass alles möglichst regional und ökologisch gebaut wird. Sie arbeiten weiterhin in ihren angestammten Berufen, das Öko-Toi ist ihr erstes gemeinsames Projekt.

Initiant Lukas Kaiser vor dem Öko-Toi bei der Badi unterhalb des St.Katharinental.

Initiant Lukas Kaiser vor dem Öko-Toi bei der Badi unterhalb des St.Katharinental.

Bild: Thomas Brack

Momentan seien alle 33 Öko-Toi-Hüsli in Betrieb, wie Patrick Oettli mitteilt. 22 davon sind fest vermietet, der Rest für grössere Anlässe wie Pfadilager reserviert. Es sei ihr Credo, so günstig wie möglich anzubieten, um konkurrenzfähig zu bleiben. «Das Öko steht nicht nur für Ökologie, sondern auch Ökonomie», sagt der Jungunternehmer. Kurze Wege und eine hohe Abdeckung werden beiden Kriterien gerecht.

«Auch Diessenhofen mit seinen drei Öko-Tois ist zwar abgelegen, doch kann ein künftiges Absatzgebiet im Seebachtal mit den drei Seen für uns spannend werden», meint Oettli. Handwerkliches Können paart sich mit Geschäftssinn, was sowohl für die Jungunternehmer als auch für alle, die unterwegs ihr «Geschäft» verrichten müssen, erfreuliche Aussichten sind.

Weiteres Öko-Toi beim Spielplatz Stadtgraben.

Weiteres Öko-Toi beim Spielplatz Stadtgraben.

Bild: Thomas Brack