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Thurgauer Erdbeeren aus dem Gewächshaus belasten die Umwelt mehr als Mangos aus Brasilien

Mangos werden im Thurgau immer beliebter. Doch sie haben einen weiten Weg hinter sich. Je nachdem, wie die Frucht transportiert wird, weist sie dennoch eine umweltfreundlichere Bilanz als die Thurgauer Erdbeere auf.
Ines Biedenkapp
Erdbeeren aus dem Gewächshaus haben eine schlechte Ökobilanz. (Bild: Reto Martin)

Erdbeeren aus dem Gewächshaus haben eine schlechte Ökobilanz. (Bild: Reto Martin)

Erdbeeren aus einem beheizten Gewächshaus der Region verursachen höhere Umweltbelastungen als Mangos, die mit dem Schiff in die Schweiz importiert wurden. Das zeigt eine für die SRF-Sendung «Kassensturz» durchgeführte Ökobilanz-Rechnung. Darin wird aufgezeigt, wie gross die Unterschiede bei der Ökobilanz von Mangos und Erdbeeren sind. Denn, je nachdem, wie die Früchte produziert und transportiert werden, haben sie eine höhere Umweltbelastung wie gedacht. «Nahrungsmittel-Importe in die Schweiz lassen sich nicht vermeiden», erklärt der Schaffhauser Umweltingenieur und Ökobilanzspezialist Niels Jungbluth, der die entsprechende Rechnung durchführte. «Die Konsumenten möchten auch Abwechslung und die Produktion in der Schweiz reicht nicht aus.»

Gerade der Thurgau ist auch über die Grenzen hinaus als Obst- und Beerenregion bekannt. Letztes Jahr wurden hier rund 1310 Tonnen Erdbeeren produziert, das sind etwas mehr als 22 Prozent der gesamtschweizerischen Produktion (5867 Tonnen). Für Urs Müller, Gruppenleiter für Obst, Gemüse und Beeren beim landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg ist die Rechnung nicht ganz nachvollziehbar: «Bei Erdbeeren in Gewächshäusern ist es klar, da ist sehr schnell viel Energie im Spiel», sagt er. Doch die angeblich schlechte Ökobilanz der Schweizer Freilanderdbeeren kann er sich nicht erklären. «Hier spielen die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen eine Rolle», sagt Ökobilanzspezialist Niels Jungbluth. «Zum einen sind die Mangobäume sehr ertragreich und zum anderen kommen bei den Erdbeeren mehr Traktoren, Pestizide oder Düngemittel zum Einsatz.»

Der Transportweg ist ausschlaggebend

«Schiffe sind als Transportmittel sehr effizient», erklärt Niels Jungbluth. «Was nicht heissen soll, dass Schiffe insgesamt umweltfreundlich sind.» Ein weiterer Unterschied lässt sich damit erklären, dass eine Mangoplantage auf derselben Fläche mehr Ertrag abwirft als Erdbeerfelder.

«Früchte aus dem Freiland sind auf jeden Fall umweltfreundlicher», sagt Niels Jungbluth.

«Die Ökobilanz ist auch eine Frage der Jahreszeit.» Daher seien die jetzigen saisonalen Erdbeeren ökologisch unbedenklich. Für seine Berechnungen bezieht der Umweltingenieur und Geschäftsführer der ESU-Services GmbH verschiedene Faktoren des gesamten Lebenswegs der Frucht mit ein - also vom Anbau bis zum Supermarkt. So analysierte er unter anderem den Anbau der Früchte, den Einsatz von Düngemittel, Pestizide, die Art des Transports oder auch die Kühlung. All diese Einflussfaktoren werden in Umweltbelastungspunkte umgewandelt und zusammengefasst. Mehr Punkte bedeuten dabei eine schlechtere Ökobilanz.

Flugzeuge haben sehr negative Bilanz

Herausgestellt hat sich dabei, dass vor allem der Anbau und der Transport entscheidend für die Ökobilanz sind. So haben Mangos, die mit dem Flugzeug aus Brasilien importiert werden, eine zehn Mal höhere Umweltbelastung wie Früchte, die per Schiff kommen. Das liegt daran, dass Flugzeuge wesentlich mehr Energie pro zurückgelegten Kilometer verbrauchen als ein Schiff. Vor allem die Treibhausgase und andere Schadstoffe, die etwa bei der Herstellung des Kerosins frei- gesetzt werden, fallen ins Gewicht. Das führe zu einer extrem hohen Belastung der Umwelt. Bei Manor, Coop und Migros werden Flug-Mangos mit einer Kennzeichnung verkauft. Aldi, Lidl, Spar, Denner und Volg verzichten gemäss «Kassensturz» ganz auf Flug-Mangos. Die einzige Ausnahme bildet Globus.

Die Mango

Der Mangobaum kann eine Grösse von 35-40 Meter erreichen und bis zu 300 Jahre Früchte tragen. Die Erntezeit dauert rund drei Monate. Durch den weltweiten Anbau ist die Mango mittlerweile das gesamte Jahr in den Supermärkten verfügbar. Anbauer der Mango sind etwa Indien, Brasilien, Mexiko oder Südafrika. (ibi)

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