ÖFFENTLICHER VERKEHR
«Wir sehen, in welche Richtung es geht»: Stadt Frauenfeld setzt frühestens ab 2026 auf Elektrobusse für den Stadtbusbetrieb

Rollend in eine grünere Zukunft: Mit einer Studie hat der Stadtrat die Zukunft des Stadtbusbetriebs aufgegleist. Für den Ersatz der Flotte gibt es zwei Szenarien. Zudem verkündet die Stadt Neuigkeiten zum Umzug des Stadtbusdepots in den Osten der Stadt.

Samuel Koch
Merken
Drucken
Teilen
Ein Stadtbus biegt von der Rheinstrasse auf den Bahnhofplatz ein.

Ein Stadtbus biegt von der Rheinstrasse auf den Bahnhofplatz ein.

Bild: Kevin Roth

Pünktlich zum 40-jährigen Bestehen des städtischen Stadtbusbetriebs schlägt der Stadtrat erste Pflöcke für eine erfolgreiche Zukunft ein. Er hat in seiner letzten Sitzung den Schlussbericht «Ersatz Stadtbusflotte Frauenfeld» und damit den etappenweisen Umstieg der derzeitigen Flotte mit insgesamt 13 Fahrzeugen von Diesel- respektive Dieselhybrid- zu Elektrofahrzeugen zur Kenntnis genommen sowie die neue Ausschreibung des Transportauftrags ins Rollen gebracht.

Für das neue Rollmaterial – sechs oder sieben Stadtbusse sind per Ende 2023 und sechs bis Ende 2026 zu ersetzen – stützt der Stadtrat den Inhalt der sogenannten Traktionsstudie des Beratungsunternehmens Infras. Demnach prüft der Stadtrat zwei Szenarien:

  • Bei der ersten Tranche werden per Ende 2023 nochmals sechs Dieselbusse modernster Technologie beschafft (beziehungsweise sieben, wenn die Linie ins Walzmühle-Gebiet vom Versuchsbetrieb ins Definitivum überführt wird), die dann zwölf Jahre beziehungsweise bis 2035 im Einsatz stehen. Erst die per Ende 2026 zu ersetzende zweite Tranche soll dann durch sechs Elektrobusse ersetzt werden.
  • Per 2023 werden ebenfalls nochmals sechs beziehungsweise sieben Dieselbusse beschafft, «idealerweise über ein Leasing-Modell, die dann per Ende 2026 zusammen mit der dann fälligen Ersatzbeschaffung ebenfalls durch Elektrobusse ersetzt werden».

Das heisst es in den aktuellsten Stadtratsmitteilungen. Robert Scherzinger, Leiter der Stadtbusverwaltung, sagt:

«Die Studie zeigt Tendenzen auf, in welche Richtung es geht.»
Robert Scherzinger, Leiter Stadtbusverwaltung Frauenfeld.

Robert Scherzinger, Leiter Stadtbusverwaltung Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

In den nächsten Wochen und Monaten will der Stadtrat die Organisationsform festlegen, wie es mit dem Transportauftrag weitergehen soll, der bisher im Zehn-Jahres-Rhythmus ausgeschrieben worden ist und Ende 2021 hätte erneuert werden müssen. Nun aber zieht die Stadt die Option, den bestehenden Betriebsvertrag mit der Postauto AG um lediglich zwei Jahre per Fahrplanwechsel im Dezember 2023 zu verlängern.

Das hat mehrere Gründe, wie Scherzinger erklärt: die Investitionen in die Bordelektronik, die anstehenden Ersatzbeschaffungen, den laufenden Versuchsbetrieb zur Walzmühle sowie den allfälligen Umzug in ein neues Stadtbusdepot nördlich A7 bei der Autobahnausfahrt Ost. Sowohl über die Organisationsform als auch über die Ausschreibungsunterlagen will der Stadtrat noch in diesem Jahr abschliessend entscheiden. Der Vergabeentscheid soll dann im Frühling 2022 erfolgen.

Termin- und Sitzungsplan Submission 2023 Stadtbus Frauenfeld:

Umzug in neues Stadtbusdepot frühestens 2026/27

Bereits heute kommt das derzeitige Stadtbusdepot an der Gaswerkstrasse an seine Grenzen. Betrug die Leistung der Stadtbusbetriebe 2012 noch rund 580'000 Kilometern pro Jahr, liegt sie mittlerweile bei knapp 800'000. Mit dem Flottenausbau ist ein Umzug in ein neues Depot an den Stadtrand unausweichlich, das frühestens bis in die Jahre 2026/27 möglich sein soll. Die vorgesehene Parzelle befindet sich in der passenden Zone für öffentliche Bauten und Anlagen, gehört aber erst zu Teilen der Stadt. «Dafür stehen noch klärende Aufgaben an, weshalb auch der vorgegebene Zeithorizont sportlich ist», sagt Scherzinger.

Zu tun hat der Umzug mit alsdann grösseren Platzverhältnissen direkt mit der Ersatzbeschaffung der Flotte, zumal für die neue E-Fahrzeuge auch neue Ladestationen benötigt werden. Die prognostizierten Fahrzeugkosten für die Beschaffung im Jahr 2023 liegen bei einem neuen Dieselfahrzeug bei 340'000 Franken, bei einem E-Bus inklusive Batterie bei 730'000 Franken, rechnet Scherzinger vor. Dafür weist ein E-Bus wiederum tiefere Betriebs- und Unterhaltskosten auf. Scherzinger sagt:

«Wie sich die Preise entwickeln, hängt auch von möglichen gesetzlichen Änderungen zusammen.»

Stichwort: Energiegesetz. Unabhängig der Ersatzbeschaffung der Flotte soll 2024 dank einer Zusammenarbeit mit der Abteilung öffentlicher Verkehr des Kantons ein Pilot eines E-Busses eingeführt werden. «So kann die Stadt mit Blick auf die eigene Flotte wichtige Erkenntnisse gewinnen», sagt Scherzinger. Denn mit der derzeitigen Technologie und dem aktuellen Fahrplannetz seien einzelne Tagesumläufe nicht mit der bisherigen Anzahl Fahrzeuge abdeckbar.

Mögliche Massnahme, welche die GLP-Interpellation forderte

Zudem betont der Stadtrat, dass er mit der Einführung eines E-Busses ab 2024 eine Massnahme der «Modellregion Elektromobilität Frauenfeld» umsetzen könne, die alt Gemeinderätin Irina Meyer (GLP) in ihrer Interpellation 2019 forderte.

In welcher Form die nun um zwei Jahre verzögerte Ausschreibung geschieht, will Scherzinger dem Stadtrat nicht vorwegnehmen. Dazu seien noch zu viele Fragen offen, etwa zu möglichen Eingaben von Dienstleistern, zu Verhandlungen, zu Organisationen oder zu den Finanzen. Denn je nach Entscheid des Stadtrates wirkt sich das auch auf die Rolle zwischen der Stadt und Auftragnehmern oder auf die Aufgaben respektive Stellenprozente bei der Stadtbusverwaltung aus. Scherzinger sagt: «Die harten Fakten kommen erst mit den Offerten auf den Tisch.»