Obacht, Virus! - Corona und andere heisse Themen an der Fasnacht in Mammern

Mammern feiert 40 Jahre Dorffasnacht mit einem bunten Umzug durchs Dorf.

Margrith Pfister-Kübler
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Das Mammermer Dekontaminationsteam kämpfte mit Nebel und einem Trunk gegen das Virus.

Das Mammermer Dekontaminationsteam kämpfte mit Nebel und einem Trunk gegen das Virus.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

Ein Dorf steht unter Strom: Mammern feiert 40 Jahre Fasnacht. Gestern Sonntag zeigten sie beim Jubiläumsumzug neben rassiger Musik, fetzigen Kostümen ganz besonders ihr kreatives Können. Die Mammerner Fasnachtgeister erwiesen sich einmal mehr als Fixpunkte, bei denen ganze Familien – vom Baby bis zu den Grosseltern – dabei sind. «Hier darf man alles brüllen», verkünden Besucher aus Eschenz.

Unter dem Motto «Fasnacht aus aller Welt» stand diese Jubiläumsfasnacht. Kein bisschen provinziell. Als weltoffene politische Menschen können sie gar nichts anders reagieren. Vom Corona- zum Fasnachtsvirus. «Mit Trunk und Näbel hebe mir däm Züg entgäge. Au d’Klinik Schloss Mammere het prompt reagiert und für d’Allgemeinheit sofort än Neubau avisiert.» Immer wieder: «We make Mammern great again.»

Schaurig-schöne Masken und fantasievolle Wagen

Traditionell angeführt von der Berlinger Gugge Heugümpers & Velopümpers und unterstützt von den Quastenflosser ging’s auf einer erstmals verlängerten Route durchs Dorf. Traditionell gab’s beim «Schiff» einen Apéros-Halt. Das legendäre Spektakel mit Hexenwagen, einer auffallenden Drachengruppe, Hexen, Cowboys bis zur Pippi Langstrumpf:

Alle begeisterten und lösten Jubel aus. Schaurig-schöne Masken, Kostüme und fantasievolle Wagen gab’s zu bestaunen. In einem Kinderwagen, zu einen Iglu umfunktioniert, war selbst der erst drei Monate alte Gabriel dabei, begleitet vom Schwesterchen Celina als Eisbär und den Eltern als Eskimos.

Auch ein Drache wurde an der Mammermer Fasnacht gesichtet.

Auch ein Drache wurde an der Mammermer Fasnacht gesichtet.

(Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Seit 22 Jahren organisiert Barbara Nonini die Fasnacht in Mammern, zusammen mit Jacqueline Engel, André Gonin, Guido Meier, Herbert Dörig und Andrea Schönenberger. «Ich gehörte einst zu den Gründerinnen zusammen mit Hedy Meier und Rita Hess», berichtet Besucherin Iris Rupp-Segmehl vom Frauenfelder Damenchor Kurzdorf und betont: «Es ist sensationell, wie in Mammern die Familienfasnacht gepflegt wird. Das verdient grosse Anerkennung.» Bereits am Donnerstag wurde der Narrenbaum gestellt auf dem Latschariplatz.

In der dekorierten Mehrzweckhalle stieg schon in der Samstagnacht für alle eine Riesen-Jubiläumsparty. Mit dabei: die Guggen Quastenflosser, Henauer Gugge, Schnägge Gugger, Runggle Süder und DJ Stefan. Gemeindepräsidentin Anita Engel wurde im Charleston-Stil zum Hingucker.

Fasnacht gab's in Mammern schon anno 1629

Viel Applaus bekam Doris Gassmann für ihre Song-Auftritte und noch mehr Applaus für ihr Jubiläumsbuch «40 Jahre Fasnacht und en bisschen mehr ...» Reportagen, kecke Maskenballinserate, eine Chronik, die zurückging bis zu einer Geschichte, geschrieben im Jahr 1962 von der Steckbornerin Maria Dutli-Rutishauser. «Die Fasnacht anno 1629 in Mammern.»

Sie schrieb: «In Mammern lag das Ermessen des Gerichtsherrn bei Anlass und Hochzeiten, an der Kirchweih oder zur Fasnachtszeit das Tanzen zu erlauben oder zu verbieten. Lautes Schreien und Jauchzen, Händel und Lästereien seien verboten. Auch müsse der Tanz bei Beginn des Betzeitläutens abends um 8 Uhr abgebrochen werden.»

Paradiesvögel am Untersee

Im Dschungel von Mammern trieben in der Samstagnacht und gestern beim Umzug ab 12.01 Uhr die Narren ihr fröhliches Unwesen.
Margrith Pfister-Kübler