Nur noch Gast: Beat Jost übergibt den Gasthof zum Goldenen Kreuz in Frauenfeld

Nach 30 Jahren unter Beat Jost wirtet im «Goldenen Kreuz» in Frauenfeld neu Christoph Komarnicki. Dem langjährigen Küchenchef sind seine 14 Gault-Millau-Punkte nicht so wichtig. Für ihn zählt in erster Linie, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Rahel Haag
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Der Neue und der Alte: Christoph Komarnicki und Beat Jost im «Goldenen Kreuz».

Der Neue und der Alte: Christoph Komarnicki und Beat Jost im «Goldenen Kreuz».

Bild: Reto Martin

Beinahe unbemerkt ging der Wechsel vonstatten. Nach 30 Jahren übergab Beat Jost den Gasthof zum Goldenen Kreuz auf Anfang Oktober seinem Küchenchef Christoph Komarnicki. Einzig Informationsblätter lagen im Restaurant auf und machten die Gäste darauf aufmerksam. «Für mich ist es eine emotionale Sache», sagt Jost.

«1982 habe ich als Küchenchef im ‹Goldenen Kreuz› angefangen, Wurzeln zu schlagen.»

Neun Jahre später übernahm er das Restaurant als Pächter, 2006 kaufte er die Liegenschaft.

Der 44-jährige Komarnicki kam 2003 als Küchenchef ins «Goldene Kreuz». Jost sagt, er habe schon vor fünf Jahren davon gesprochen, ihm dereinst das Restaurant zu übergeben.

«Damit habe ich ihn vielleicht ein wenig vor den Kopf gestossen.»

Anfang Jahr habe er Komarnicki dann konkret gefragt, ob er sich vorstellen könnte, das «Goldene Kreuz» zu übernehmen. Die Antwort lautete Ja. Nun ist er gemeinsam mit seiner Frau Sibylle Komarnicki-Klemenz Besitzer der Gasthof zum Goldenen Kreuz AG. Die Liegenschaft gehört weiterhin Jost.

Eine schöne Auswahl, keine riesige Bibel

Für den gebürtigen Österreicher sei dies «eine riesige Verantwortung», die er gerne übernehme. Derzeit seien sie dabei, die Website zu erneuern. Anfang nächster Woche solle sie aufgeschaltet werden. Was die Speisekarte betrifft, wolle er Neues wagen. «Das Bewährte werden wir aber beibehalten», sagt er. Auch die Weinkarte soll ergänzt werden – mit ein bis zwei österreichischen Weinen.

«Wir wollen keine riesige Bibel, sondern eine schöne Auswahl bieten.»

Diese obliege Claudia Luchsinger, stellvertretende Geschäftsführerin und Leiterin Restauration. Sie arbeitet bereits seit acht Jahren im «Goldenen Kreuz» und wird Komarnicki viele Aufgaben im Büro abnehmen. «Mein Hauptaugenmerk liegt nach wie vor auf der Küche», sagt er.

Die neue Leitung: Küchenchef Wim Keller, Claudia Luchsinger, Leitung Restauration, und Geschäftsführer Christoph Komarnicki .

Die neue Leitung: Küchenchef Wim Keller, Claudia Luchsinger, Leitung Restauration, und Geschäftsführer Christoph Komarnicki .

Reto Martin

Aktuell verfügt das «Goldene Kreuz» über 14 Gault-Millau-Punkte. Auf diese angesprochen, sagt Komarnicki: «Die sind mir nicht so wichtig.» Für ihn zähle in erster Linie, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme. «Er ist eben ein echter Gourmetkoch», wirft Jost ein.

«Die Punkte sieht er zwar als Kompliment, doch die Komplimente der Gäste sind ihm wichtiger.»

Jetzt, da Komarnicki der Besitzer ist, musste der Posten des Küchenchefs neu besetzt werden. Diesen hat Wim Keller übernommen. Auch er ist kein Unbekannter: 2011 hat er die Lehre im «Goldenen Kreuz» abgeschlossen. «Im Sommer 2017 kehrte er nach einigen Wanderjahren zu uns zurück», sagt Komarnicki.

Nun kann er entspannt am Tischgespräch teilnehmen

Ganz von der Bildfläche wird auch Jost nicht verschwinden: Er übernimmt künftig in Komarnickis Ferien. «Auch sonst stehe ich ihm mit Rat und Tat zur Seite, wenn er mich braucht.» Vergangenen Donnerstag sei er im «Goldenen Kreuz» zum ersten Mal nur Gast gewesen. «Ich konnte mich entspannen und tatsächlich am Tischgespräch teilnehmen», sagt Jost und schmunzelt. Sonst habe er jeweils überall seine Augen gehabt und sich Gedanken gemacht à la:

«Das ging jetzt aber etwas lang mit dem Hauptgang bei dem Gast da drüben.»

Der 60-Jährige freut sich nun auf mehr Freizeit. In jüngster Vergangenheit sei er nicht mehr so oft zum Kochen gekommen. Das wolle er jetzt nachholen, sprich: daheim in Warth seine Frau Eva und Freunde bekochen.

«Ich freue mich jetzt schon darauf, Christoph ab und zu ein schönes Stück Fisch oder Fleisch abzukaufen.»
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«Wünsche mir mehr Konkurrenz»

Beat Jost führt seit 20 Jahren das «Goldene Kreuz» in Frauenfeld. Beim Mittagessen erzählt er, warum er nicht mehr Gault-Millau-Punkte will, was er in seiner Küche nicht toleriert und warum in seinem Haus gute Energien mitschwingen.