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Thurgauer Medienpädagoge zu Hitler-Tweet: «Zu glauben, alles im Griff zu haben, ist eine Illusion»

Soziale Medien sind ein dankbares Instrument für Politiker, um Bekanntheit zu erlangen. Noch viel schneller können sie sich damit ihren Ruf ruinieren. Es gilt, die Balance zwischen pointiert und besonnen zu finden.
Silvan Meile
Twitter birgt für Politiker Chancen und Gefahren. (AP/Matt Rourke)

Twitter birgt für Politiker Chancen und Gefahren. (AP/Matt Rourke)

Vergleiche mit Hitler und Nazis gehen nie. «Wer sich auf Sozialen Medien bewegt, muss sich einfach bewusst sein, dass dies besonders heikle Themen sind», sagt Thomas Merz. Er doziert an der Pädagogischen Hochschule in Kreuzlingen unter anderem zum Fachbereich Medien. Merz empfiehlt den Nutzern, erstmals eine Weile das Innenleben der Sozialen Medien zu verfolgen, bevor sie sich mit brisanten Aussagen in Diskussionen einmischen und damit Gefahr laufen, sich auf Glatteis zu begeben.

Mit aktiver Beteiligung Mechanismen verstehen

Trotz der Gefahr, sich massiver Kritik auszusetzen, rät Merz Politikern, sich beim Nachrichtendienst Twitter einzubringen. Denn die Plattform bietet Chancen, sich politisch zu positionieren und die Bekanntheit zu vergrössern. Politiker könnten dort auch gut ausloten, welche Themen auf Interesse stossen. «Nur wer sich aktiv beteiligt, kann die Mechanismen der Sozialen Medien verstehen und nachvollziehen.» Wenn es aber brisant wird, sei es hilfreich, jemanden einen Tweet lesen zu lassen, bevor er gepostet und damit faktisch für jedermann lesbar wird. «So kann man erfahren, wie eine Aussage auf andere wirken könnte», sagt Merz. Mit welchem Tempo sich ein Reizthema verbreiten kann, hat schon viele Nutzer überrascht, zuletzt das unbekannte BDP-Mitglied Thomas Keller. Sein Hitler-Tweet schlug am Dienstag hohe Wellen.
Doch bei aller Vorsicht: die absolute Sicherheit gibt es nie. «Es ist eine Illusion zu glauben, auf Sozialen Medien jederzeit alles im Griff zu haben», sagt Merz.

Thomas Merz, Medienpädagoge und Prorektor der Pädagogischen Hochschule Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Thomas Merz, Medienpädagoge und Prorektor der Pädagogischen Hochschule Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Pointiert formulieren, aber mit Haltung

«Nicht eine Sekunde würde ich nachdenken, etwas über Hitler zu posten», sagt Ueli Fisch. «Da kannst du nur verlieren.» Der GLP-Kantonsrat nutzt Twitter seit 2011 regelmässig.

Viel schneller als sich ein Politiker über Soziale Medien einen Namen macht, kann er seinen Ruf ruinieren. Vor allem Politiker müssen deshalb auf Twitter die Balance finden. Einerseits gilt es, einen Sachverhalt kurz und pointiert auf den Punkt zu bringen. Anderseits müssen sie dabei Haltung bewahren. «Man darf niemanden beleidigen», sagt Fisch. Ärgere ihn ein Tweet, haue er nicht sofort in die Tasten, sondern lasse das Thema eine Stunde ruhen. So nimmt Fisch die Emotionen aus dem Spiel, schützt sich selber vor überhasteten Aussagen, die ihm Ärger einbringen.

Ist ein Politiker aber plötzlich einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt, fällt dies immer auch auf seine Partei zurück. Schulungen für den richtigen Umgang mit Sozialen Medien werden zunehmen, ist sich Nina Schläfli, Präsidentin der SP Thurgau sicher. Bei der SP Schweiz seien für Kandidierende gewisse Verhaltensregeln bereits vermittelt worden. Grundsätzlich sind aber die Parteien auf den gesunden Menschenverstand ihrer Mitglieder angewiesen. «Auch uns könnte es passieren, dass sich jemand unbesonnen äussert», sagt EVP-Präsident Wolfgang Ackerknecht. In der offenen und liberalen Welt würden gerade die Sozialen Medien kein Pardon kennen. Der Hitler-Tweet sensibilisiere einmal mehr. Ob seine Partei deswegen Regeln aufstellen müsse, bezweifelt Ackerknecht. «Dass Hitler tabu ist, muss man auch so wissen.»

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