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Nur Kinder müssen kaum leiden: Für alle anderen wird Stadtbusfahren in Frauenfeld immer teurer

Drei CH-Gemeinderätinnen wollen mit ihrer Kurzstreckenbillett-Motion den Stadtbus attraktiver machen. Der Stadtrat sieht das anders. Eine Geschichte der steigenden ÖV-Tarife seit dem Ostwind-Beitritt.
Mathias Frei
Stadtbusse am Frauenfelder Bahnhof. (Bild: Andrea Stalder)

Stadtbusse am Frauenfelder Bahnhof. (Bild: Andrea Stalder)

«Anpassung der Tarife»: Das ist Schönrederei, denn übersetzt ist das gleichbedeutend mit einer Preiserhöhung. Seit 2008 gab es die eine oder andere Anpassung der Stadtbustarife – in den allermeisten Fällen nicht zu Gunsten der Passagiere. Dabei ist der ÖV in Frauenfeld durchaus eine Erfolgsgeschichte. Die Fahrgastzahlen steigen jährlich, auch weil in jüngerer Vergangenheit der Busbetrieb stetig ausgebaut wurde durch Inbetriebnahme neuer Linien und Verdichtung respektive Ausweitung des Fahrplans. Seit 2010 ist die Kilometerleistung um einen Drittel gestiegen.

Die Baustelle «zu hohe Billettpreise» bleibt. Dieser Meinung sind zumindest die Chrampfe&Hirne-Gemeinderätinnen Anita Bernhard, Sandra Kern und Salome Scheiben. Ihr Anliegen ist ein attraktiver ÖV, den in Zukunft noch mehr Frauenfelderinnen und Frauenfelder nutzen.

«Mehr Menschen, die den Bus nehmen statt des Autos: Das sollte auch im Sinne des städtischen Konzepts Mobilität 2030 sein.»

Das sagt Gemeinderätin Sandra Kern. Dieses zielt darauf ab, dass 40 Prozent des Mehrverkehrs bis 2030 durch den ÖV geschluckt werden. Und um dies zu erreichen, spielen für die drei Lokalpolitikerinnen attraktive Billettpreise eine wichtige Rolle.

Senioren zahlen für Jahresabos 114 Prozent

CH-Gemeinderätin Anita Bernhard. (Bild: PD)

CH-Gemeinderätin Anita Bernhard. (Bild: PD)

Seit dem Beitritt zum Ostschweizer Tarifverbund Ostwind, der auf 14. Dezember 2008 geplant war, aber schliesslich erst auf 1. Juni 2009 in Kraft trat, liegt das Festlegen der Stadtbustarife nicht mehr in der Kompetenz der Stadt. Die Billettpreise für eine Lokalzone gibt Ostwind vor. Jedoch kann der Frauenfelder Gemeinderat diese Tarife subventionieren. Beim Ostwind-Beitritt waren noch alle Mehrfahrtenkarten, Monats- und Jahresabos sowie Kinder-Einzelbillette subventioniert. Das liess sich die Stadt knapp 90000 Franken jährlich kosten. Heute sind lediglich noch die Kindertarife subventioniert. Kostenpunkt aktuell: 100000 Franken. Erwähnt werden darf, dass Monats- und Jahreskarten für die Kleinsten fast noch gleich viel kosten wie vor gut zehn Jahren, weil 2010 eine Kinderkategorie eingeführt worden war. Demgegenüber ist der Preis für ein Einzelbillett mit dem Ostwind-Beitritt um 60 Prozent gestiegen, wobei das Ticket heute eine Stunde gilt statt wie früher 30 Minuten. Die Ermässigung für Senioren wurde abgeschafft, was dazu führt, dass die ältere Generation heute 114 Prozent mehr zahlt für ein Jahresabo verglichen mit der Zeit vor Ostwind.

CH-Gemeinderätin Sandra Kern. (Bild: PD)

CH-Gemeinderätin Sandra Kern. (Bild: PD)

Vergangenen Herbst hatten die CH-Gemeinderätinnen Bernhard, Kern und Scheiben eine Motion eingereicht, mit der sie die Einführung eines Kurzstreckentarifs für Einzelbillette forderten. Eine Fahrt von maximal fünf Stationen soll die Hälfte eines normalen Tickets kosten, aktuell also 1.60 statt 3.20 Franken. Der Stadtrat zeigte sich wenig begeistert und beantragte, die Motion für nicht erheblich zu erklären. Das Argument: Von dem neuen Tarif würden zu wenig Fahrgäste profitieren. Zudem mutmasste der Stadtrat der Minderertrag von 60000 Franken liesse sich nicht durch Mehrfahrten kompensieren.

Motionärinnen sind vom Stadtrat enttäuscht

CH-Gemeinderätin Salome Scheiben. (Bild: PD)

CH-Gemeinderätin Salome Scheiben. (Bild: PD)

Die drei CH-Frauen sehen das anders. Anita Bernhard sagt: «Wir sind sehr enttäuscht über die Antwort des Stadtrats.» Sie ist überzeugt, dass der neue Tarif mehr Fahrten generieren würde, als der Stadtrat prognostiziert. Und:

«Wir müssen uns den Stadtbus etwas kosten lassen.»

Sie hätten mehrere Ideen, den Frauenfelder Stadtbus attraktiver zu machen und die Passagierzahlen zu steigern, sagt Salome Scheiben. «Wir haben da zum Beispiel an günstige Kurzzeitbillette gedacht. In 15 Minuten kommt man von einer Endstation an den Bahnhof.» Eine andere Möglichkeit aus Sicht der Motionärinnen wäre die Ausweitung der heutigen Gültigkeitsdauer von einer auf zwei Stunden – zum gleichbleibenden Preis. Oder eine normale Tageskarte für einen Fünfliber. Oder eben ein Kurzstreckentarif. «Wir sind mit unserer Motion bewusst nicht zu weit gegangen, damit unser Anliegen mehrheitsfähig ist. Zudem wären wir im Tarifverbund nicht die einzigen mit diesem Tarif, er wäre also umsetzbar», sagt Sandra Kern.

«Am liebsten wäre uns natürlich Gratis-ÖV in Frauenfeld.»

Wie der Gemeinderat zur Motion steht, wird sich an einer der nächsten Sitzungen zeigen.

Alt EVP-Gemeinderat Roland Wyss. (Bild: PD)

Alt EVP-Gemeinderat Roland Wyss. (Bild: PD)

Die Forderung nach Gratis-ÖV in Frauenfeld ist nicht neu. Sie kam sogar schon mal im Gemeinderat auf. Als das Stadtparlament im Juni 2008 über den Ostwind-Beitritt Frauenfelds befand, fragte der damalige EVP-Gemeinderat Roland Wyss:

«Wieso gibt es nicht die Möglichkeit, dass wir keine Automaten benötigen, weil der Stadtbus gratis wäre?»

Alt Grünen-Gemeinderat Christian Schmid. (Bild: PD)

Alt Grünen-Gemeinderat Christian Schmid. (Bild: PD)

Von einem Nulltarif hielt der damalige Stadtammann Carlo Parolari nicht viel und sprach von einem Netto-Ertragsausfall von 1,041 Millionen Franken – bei den damaligen Fahrgastzahlen. Auch zwei Anträge auf Tarifsenkungen von Wyss und dem damaligen Gemeinderat Christian Schmid (Grüne) kamen nicht durch.

Einige Monate später, im November 2008, reichte Schmid eine Motion betreffend «Reduktion Tarife Lokalzone 21» ein. Der Stadtrat hielt jedoch wenig vom Vorstoss, und auch im Gemeinderat fand Schmids Anliegen keine Mehrheit. Durch Schmids Tarifvorschlag wäre die Subvention der Billette auf jährlich 175000 Franken gestiegen.

Eine Stimme fehlte für Kienasts Antrag

EVP-Gemeinderat Samuel Kienast. (Bild: PD)

EVP-Gemeinderat Samuel Kienast. (Bild: PD)

Die aktuell letzte Tarifanpassung bewilligte der Gemeinderat im April 2016 mit Inkrafttreten auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2016. An jener Gemeinderatssitzung hatte sich EVP-Gemeinderat Samuel Kienast nebst der beantragten Subvention des Kindertarifs für die Tageskarte auch für Senkungen bei den normalen und Halbtax-Tageskarten eingesetzt. Das hätte gesamt zu Billett-Subventionen von jährlich rund 160000 Franken geführt, 20000 Franken mehr als vom Stadtrat vorgesehen. Denkbar knapp, nämlich mit einer Stimme Unterschied, scheiterte aber der Antrag der CVP-/EVP-Fraktion.

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