Nubia schnüffelt Trüffel auf dem Seerücken

Jürg Truninger braucht mit seiner Trüffelplantage in Hörhausen weiterhin viel Geduld. Dafür verspeist er oft wilden Trüffel, den er mit seiner Braque-du-Bourbonnais-Hündin an geheimen Orten findet. 

Samuel Koch
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Jürg Truninger kniet inmitten der Trüffelplantage zu seiner Braque-du-Bourbonnais-Hündin Nubia.

Jürg Truninger kniet inmitten der Trüffelplantage zu seiner Braque-du-Bourbonnais-Hündin Nubia.

(Bild: Samuel Koch)

So gross wie Baumnüsse, ja gar wie Eier. So gross sind die Trüffel, die Jürg Truninger zuletzt wild entdeckt hat. Dabei ist der Landwirt aus Hörhausen besser bekannt für seine Erdbeer- und Kirschenkulturen. In Wahrheit hat den kostbaren Knollenpilz, der gerne als «Schwarzer Diamant der Küche» bezeichnet wird, Truningers zweijährige Hündin Nubia gefunden. Er sagt:

«Wenn sie den Trüffel riecht, beginnt sie zu scharren und gräbt ihn aus.»

Hunde der Rasse Braque-du-Bourbonnais zeichneten sich grundsätzlich als Jagdhunde aus und seien nicht auf die Trüffelsuche spezialisiert wie etwa Lagotto-Hunde. «Nubia ist aber gut ausgebildet, seit sie als Welpe zu mir kam», sagt der 39-Jährige.

Der Erfolg gibt Nubia recht. Alleine im vergangenen Herbst hat sie in den Gemeinden Homburg und Steckborn oft und viel Trüffel gefunden. Der nächste Fundort liegt nur gerade ein paar Hundert Meter von Truningers Hof entfernt. Orte würden so lange wie möglich geheim gehalten. «Das ist wie beim Pilzeln», sagt er und lacht, «gute Orte gibt niemand gerne preis.»

Erstklassige Pilze landen geraffelt auf dem Teller

Erst in dieser Woche entdeckte das Duo vom Neuhof einen weiteren Herbsttrüffel ganz in der Nähe, wohl auch dank des bisher überwiegend milden Winters. Nubia grub den Trüffel aus. Truninger wusch ihn und prüfte die Beschaffenheit.

«Wenn die Qualität stimmt, raffle ich den Trüffel über ein warmes Gericht.»

Zweitklassige Trüffel verarbeitet er zu Produkten und möglichen Ausschuss wiederum nutzt er für seinen Anbau. Denn Truninger betreibt als einer von nur zwei Thurgauern seit sechs Jahren eine hofeigene Trüffelplantage, überwiegend mit Burgundertrüffel. Die andere befinde sich beim Schloss Hagenwil in Amriswil.

Nebst viel Pflege erfordert eine Trüffelplantage viel Geduld. Truninger jedenfalls hat sie bisher noch nicht verloren. «Ich wusste ja, dass es lange dauert», sagt er und lacht. Bis zu zehn Jahre muss er warten, bis zwischen den 700 angepflanzten Eichen, Buchen und Haselbäumen möglicherweise Trüffel vergraben liegen.

«Langsam bin ich gespannt, ob es geben wird.»

Erst kürzlich habe er eine Wurzelprobe genommen. Das aus Sporen herangewachsene Myzel sei noch vorhanden und nicht von anderen Pilzen verdrängt worden. «Das ist die Voraussetzung, dass überhaupt Fruchtkörper wachsen können», sagt er.

Warteliste für Trüffelpaten

Nubia rennt vorbei, schnüffelt und scharrt hie und da – vorerst vergebens. «Wir suchen die Baumwurzeln im Zweiwochen-Rhythmus ab, wurden bisher aber noch nicht fündig», sagt Truninger. Um das finanzielle Risiko für die grossen, bisher noch erfolglosen Investitionen und die investierte Arbeit zu minimieren, verkaufte er 100 Bäume an sogenannte Trüffelpaten. Sie dürfen ihren Baum gegen eine Jahresgebühr von 200 Franken anschreiben, die dereinstigen Trüffel ernten und an jährlichen Trüffelevents auf Truningers Hof teilnehmen. Einige Trüffelpaten seien geduldig, andere weniger. «Pro Jahr hört zirka eine Handvoll Paten auf», erzählt er. Für seine Patenschaften muss er aber wegen des hohen Zulaufs mittlerweile eine Warteliste führen.

Geht alles nach Plan, braucht Jürg Truninger mit seiner Hündin Nubia nicht mehr lange nach wildem Trüffel zu suchen. Geht es nach ihnen, können sie auf der Plantage bald Trüffel ernten. «Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es gibt», sagt Truninger. Aber es sei noch etwas zu früh dafür. Er und Nubia müssen sich also noch etwas in Geduld üben.

www.erdbeerenundmehr.ch

«Ich habe schon Steine für Trüffel gehalten»

Seit zwei Jahren betreibt Landwirt Jürg Truninger auf seinem Hof eine Trüffelplantage. Dereinst will der Hörhauser eigene «schwarze Diamanten der Küche» ernten. Morgen Samstag lädt er seine Paten zu einem Trüffelevent ein. Jürg Truninger, wachsen noch keine Trüffel bei Ihnen?
Samuel Koch

Sam sucht vergebens

Seit drei Jahren betreibt Landwirt Jürg Truninger auf seinem Hof eine Trüffelplantage. Am Samstag hatte er die Baumpaten zum dritten Trüffelevent eingeladen.
Manuela Olgiati

Der Trüffel-Pate

Jürg Truninger betreibt auf seinem Land seit 2014 eine Trüffelplantage. Der Anbau des «Schwarzen Diamanten der Küche» erweist sich aber als echte Wissenschaft. Spenden über eine Crowdfunding-Plattform sollen sein Projekt vorantreiben, welches auch von Glück abhängig ist.
Samuel Koch