Normaler als man denkt: Multitalent Lara Stoll im Interview

Sie ist eine der erfolgreichsten Slam-Poetinnen der Schweiz: Lara Stoll mag Pudding, Judy Garland und Unterwasserenten. Zu Weihnachten wünscht sie sich gutes Essen und ein ausuferndes Monopoly.

Interview: Maria Keller
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Die Künstlerin Lara Stoll auf der Tribüne des Stadions Schützenwiese; sie ist ein grosser Fan vom FC Winterthur. (Bild: Andrea Stalder)

Die Künstlerin Lara Stoll auf der Tribüne des Stadions Schützenwiese; sie ist ein grosser Fan vom FC Winterthur. (Bild: Andrea Stalder)

Lara Stoll, wie werden Sie Weihnachten feiern?

Bei meiner Familie im Thurgau. Ich weiss nicht, ob wir schon geklärt haben, was es zu essen gibt. Ich könnte mir irgendein Fondue vorstellen.

Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?

Ein bisschen Ruhe, gutes Essen, guten Wein natürlich, vielleicht ein ausuferndes Monopoly.

Haben Sie schon alle Geschenke besorgt?

Bei uns gibt’s die Regel, dass wir uns nichts schenken. Einerseits entspannt das die Vorweihnachtszeit, andererseits ist es meiner Meinung nach auch ein bisschen schade. Ich mache eigentlich ganz gerne Geschenke.

Mit welchem Vornamen würden Sie neu ins Leben starten wollen?

Ich könnte mir nicht vorstellen, was mir egaler wäre, daher sage ich jetzt mal Rumpelstilzchen.

Was würde Ihre Mutter über Sie sagen?

Dass ich ein Huhn bin. Glücklicherweise mag sie Hühner sehr.

Warum wollen Sie unbedingt in Zürich wohnen und nirgendwo anders?

Zürich hat eine sehr angenehme Grösse und hat sich als überraschend hübsch herausgestellt. Als Künstlerin macht es Sinn, sich in urbaneren Gefilden aufzuhalten. Ich habe mir hier ein sehr interessantes Netzwerk aufgebaut und es wäre schwierig, meine unterschiedlichen Projekte zu betreuen, wenn der Arbeitsweg länger wäre. Hier habe ich alles, was ich brauche.

Was machen Sie, um gesund zu bleiben?

Ich esse eigentlich viel gesünder als selbst mein enges Umfeld denkt, das wäre es dann aber auch. Ich sollte unbedingt eine Form der körperlichen Betätigung für mich finden. Ich probiere vieles aus, bisher war mir aber alles irgendwie zu mühsam. Ich schätze, das hat das Ganze wohl so an sich.

Können Sie kochen? Was wäre ihr aufwendigstes Gericht, das Sie zubereiten können?

Ich überlasse das Kochen lieber meinem Freund. Woran ich mich so alle Jahre wage ist Lasagne. Die wird meistens ganz gut.

Welches ist ihre liebste Glace-Sorte?

Ich habe diesen Sommer kein einziges Eis gegessen. Ich bin eher der Pudding-Typ.

Was hören Sie im Auto?

Ich fahre Zug und höre alles Mögliche. Manchmal Jazz, manchmal Doom, manchmal Ambient und oft höre ich auch die eigenen Lieder, damit ich den Text auswendig lerne.

Zur Person

Sie ist in Rheinklingen aufgewachsen, heute wohnt Lara Stoll in Zürich. Ursprünglich absolvierte die 31-Jährige ein Filmstudium an der Zürcher Hochschule der Künste. Seit 11 Jahren tritt sie als Slam Poetin im deutschsprachigen Raum auf und wurde 2010 zur Europameisterin im Poetry Slam gekürt. 2011 erhielt sie den Thurgauer Kulturpreis, 2013 den Förderpreis der Internationalen Bodenseekonferenz. Im Juli dieses Jahres feierte ihr erster Langspielfilm «Das Höllentor von Zürich» Premiere. Nächsten März darf Lara Stoll den Förderpreis des Deutschen Kleinkunstpreises entgegennehmen. (ke)

Was ist Ihr gefühltes Alter?

Ich fühle mich schon noch nicht wie 31, kann jetzt aber auch nicht sagen, was besser passen würde.

Haben Sie ein Lieblingstier und was bewundern Sie daran?

Pferde und Ponys und Bären und Kühe und Hunde und Unterwasser-Enten. Ich mag wirklich alle Tiere, ausser solche die krabbeln.

Was nehmen Sie immer mit, wenn Sie aus dem Haus gehen?

So gut wie alles. Meist laufe ich mit einem sehr grossen Rucksack herum, weil ich das Gefühl habe, auf alles vorbereitet sein zu müssen. Falls ich mich irgendwann in einer Apokalypse wiederfinde, werde ich denken: Ha! Ich hab’s gewusst! Gut habe ich mehrere Unterhosen dabei.

Worauf freuen Sie sich an einem freien Wochenende?

Darauf, dass es tatsächlich «frei» ist.

Lügen Sie manchmal?

Notlügen ja. Ansonsten bin ich zu pragmatisch, um zu lügen. Lügen ist doch sehr viel anstrengender, als einfach ehrlich zu sein.

Wonach schmeckt Glück?

Heu?

Mit welchem Menschen würden Sie für einen Tag tauschen?

Mit einem Menschen, der im Jahr 3000 lebt.

Ihr erster Traumberuf war?

Ich weiss noch, dass ich einmal Fallschirmspringerin werden wollte.

Warum ist daraus nichts geworden?

Das mit der Lehre war schwierig und mittlerweile leide ich etwas unter Höhenangst.

In welchem Job wären Sie eine Fehlbesetzung?

Ich fürchte in allen anderen.

Haben Sie ein Vorbild? Was bewundern Sie an ihm?

Nein, keine Vorbilder. Aber ich mag Judy Garland sehr, ausserdem Patti Smith, Hildegard Knef und Nina Hagen bevor sie exorbitant ins Christentum abgedriftet ist.

Was schätzen Sie an Ihrem Partner besonders?

Dass er so eine Ruhe ausstrahlt.

Mit wem würden Sie gerne einmal eine Flasche Wein trinken?

Mit meinem Bruder würde ich das gerne wieder mal machen. Wir sehen uns leider etwas selten.

Was finden Sie an sich gut?

Meine Zuverlässigkeit. Es macht mein Leben sehr viel einfacher, dass ich gut organisiert bin.

Ruhig einschlafen können Sie, wenn …

…alles stimmt. Was nie der Fall ist. Ich leide schon unter Schlafproblemen, aber das ist auch kein Wunder, wenn ich zum Teil im Bett arbeite.

Wie lautet der Filmtitel Ihres Lebens?

«Stoll hat einen Antwort-Roboter für Interviews erfunden»

Wer soll Ihre Rolle spielen?

Eddie Murphy.

Haben Sie ein heimliches Hobby?

Ich mag Zeichentrickfilme aller Art.

Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

Ist das die letzte Frage? Das ist aber eine sehr traurige letzte Frage. Jetzt bin ich gerade ein bisschen deprimiert. «Kam, antwortete und liegt jetzt hier».