Noch scheint finanziell die Sonne über dem Unterseestädtchen Steckborn

Im Budget 2020 steht für Steckborn bei gleichbleibendem Steuerfuss ein Gewinn zu Buche. Für die nächsten Jahre aber drohen trübe Aussichten. Die Gemeindeversammlung befindet am 5. Dezember über das Budget.

Samuel Koch
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Vom Seerücken lohnt sich ein Blick auf das Unterseestädtchen Steckborn. (Bild: Andrea Stalder)

Vom Seerücken lohnt sich ein Blick auf das Unterseestädtchen Steckborn. (Bild: Andrea Stalder)

itel Sonnenschein statt herbstlicher Nebelsuppe. Am Untersee lässt der Blick in die Buchhaltung das Gemüt erhellen. So legt der Steckborner Stadtrat der Gemeindeversammlung fürs Budget 2020 einen Gewinn von 20'000 Franken vor, bei prognostizierten Gesamtausgaben in Höhe von 16,22 Millionen Franken. Stadtpräsident Roman Pulfer sagt:

«Wir dürfen den Stimmbürgern ein ausgeglichenes Budget bei gleichbleibendem Steuerfuss unterbreiten.»
Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn. (Bild: Andrea Stalder)

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn. (Bild: Andrea Stalder)

Der Steuerfuss machte am Untersee auch in den Vorjahren von sich reden, zumal er innert sieben Jahren um insgesamt zwölf Prozentpunkte auf 60 Prozent gesenkt wurde. «Klar streben wir moderate Steuern an», sagt Pulfer. Im kantonalen Vergleich jedoch stünde Steckborn damit höchstens im Mittelfeld.

Nicht beeinflussbare Kosten in Pflege und Sozialem

Grosso modo beinhaltet das Budget 2020 dieselben Auslagen wie noch im Budget fürs laufende Jahr. «Wir haben versucht, möglichst realistisch zu budgetieren», meint Pulfer. Auf der Einnahmenseite rechnet Steckborn mit höheren Fiskalerträgen in Höhe von 124'000 Franken. Zudem enthält das Budget wiederum den Ertrag von 324'000 Franken des Staatssekretariats für Migration für die Miete der temporären Asylunterkunft in der Zivilschutzanlage an der Talstrasse.

Hingegen höhere Kosten entstehen bei den Abschreibungen in Höhe von knapp 147'000 Franken. Bei den Pflegekosten rechnet Steckborn mit 77'000 Franken mehr. Zusätzliche Kosten in Höhe von 70'000 Franken prognostiziert der Stadtrat in der Sozialhilfe. Dabei spricht Pulfer eine weitere Schwierigkeit an:

«Gerade bei den Kosten in der Pflege oder im Sozialen sind die Kosten oft nicht beeinflussbar.»

Luft sei im Budget keine enthalten, meint Pulfer.

Umbau Schützenhaus und Sanierung Mühlhofstrasse

Gleichzeitig mit dem Budget befindet die Gemeindeversammlung am Donnerstag, 5. Dezember, über die Investitionsrechnung, die Bruttoausgaben in Höhe von 2,43 Millionen Franken vorsieht (Vorjahr 3,39 Millionen Franken). Davon entfallen 1,26 Millionen auf Bereiche, die aus Steuermitteln mitfinanziert sind, der Rest auf die gebührenfinanzierten Werkbetriebe.

«Die grössten Projekte sind der Umbau des Schützenhauses sowie die Sanierung Mühlhofstrasse Süd mit je knapp 700'000 Franken», sagt Stadtpräsident Pulfer. Ebenso beantragt die Stadt den Stimmbürgern einen Planungskredit in Höhe von 50'000 Franken für den Ausbau der Druckzonen der Wasserversorgung für die Gemeinden auf dem Seerücken.

Am Himmel über dem Unterseestädtchen ziehen trotz derzeitigem Sonnenschein langsam dunkle Wolken auf. So weist im Finanzplan jeder Abschluss von 2021 bis 2025 rote Zahlen aus. Pulfer meint:

«Das Ziel ist sicher immer eine schwarze Null, was aber in den nächsten Jahren zu grossen Herausforderungen wird.»

Gründe dafür seien die Folgen der letzten Steuersenkung sowie steigende Abschreibungen wegen HRM2. Zudem habe der Bund in Aussicht gestellt, dass er den Vertrag für die temporäre Asylunterkunft wohl nicht über 2020 verlängern werden wird, was weniger Geld in die Stadtkasse spült.