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Wiler Architekturbüro stösst mit Bauprojekt in Wängi auf Widerstand

Ein Investor will in Anetswil in der Gemeinde Wängi drei Mehrfamilienhäuser mit 29 Wohnungen bauen. Dorfbewohner reagieren mit Empörung und Einsprachen auf das Vorhaben.
Olaf Kühne
«Dominant und überdimensioniert»: Ein Anetswiler Anwohner hat das Bauprojekt (dunkelgelbes Dach) visualisiert. (Bild: ZVG)

«Dominant und überdimensioniert»: Ein Anetswiler Anwohner hat das Bauprojekt (dunkelgelbes Dach) visualisiert. (Bild: ZVG)

Thomas GoldingerGemeindepräsident

Thomas Goldinger
Gemeindepräsident

«Schreiben Sie ‹zahlreiche›», sagt Thomas Goldinger. Die genaue Zahl darf der Wängemer Gemeindepräsident nicht nennen. Nach dem Ablauf der Einsprachefrist bestätigt er indes auf Anfrage unserer Zeitung, dass gegen das Baugesuch für eine Wohnüberbauung im Wängemer Dorf Anetswil «zahlreiche Einsprachen» eingegangen sind.

Das Bauvorhaben, das den Anetswilern sauer aufstösst, ist eigentlich nicht sonderlich spektakulär: Ein Wiler Architekturbüro plant drei Mehrfamilienhäuser mit gesamthaft 29 Wohnungen. Die messbaren gesetzlichen Vorgaben wie Grenzabstände und Bauhöhen scheinen eingehalten.

45 Parkplätze für 29 Wohnungen

Dennoch bezeichnen Anwohner das Projekt in Leserbriefen als «riesige Wohnhäuser», als «überdimensionierte Wohnblöcke» und «dominant». Zudem würde die Einwohnerzahl Anetswils mit einem Schlag verdoppelt. Und nicht zuletzt seien die angedachten 45 Parkplätze in der Tiefgarage für 29 Wohnungen viel zu wenige. Schliesslich verfüge Anetswil über keinerlei öffentlichen Verkehr, eine Familie brauche hier also zwei Autos, weshalb drohe, dass das Dorf künftig zuparkiert werde.

«Das jetzt war erst die Bauauflage, da ist noch gar nichts entschieden.»

Dazu kommen Sorgen um das Ortsbild, den Dorfcharakter sowie um den Wegfall des Restaurants Frohsinn, welches nun der Überbauung weichen soll.

«Das jetzt war erst die Bauauflage», stellt Gemeindepräsident Goldinger klar. «Da ist noch gar nichts entschieden.» Wiederholt sei er in der Gemeinde schon auf das Bauprojekt angesprochen worden und habe dabei den Eindruck erhalten, dass man meine, bei einer Bauauflage habe die Gemeinde das Vorhaben bereits abgesegnet.

Gesuchsteller zur Stellungnahme eingeladen

«Geht ein Baugesuch ein, unterzieht es unser Bauamt lediglich einer sogenannt summarischen Prüfung», erklärt Goldinger den Ablauf. Danach folgt die Bauauflage mit Einsprachefrist. Gehen Einsprachen ein, wird der Gesuchsteller zur Stellungnahme eingeladen.

«Der Gesuchsteller kann nun sein Projekt anpassen oder auch daran festhalten.»

Anschliessend seien verschiedene Abläufe möglich, sagt Goldinger weiter. «Der Gesuchsteller kann beispielsweise sein Projekt anpassen, mit den Einsprechern das Gespräch suchen oder auch einfach an der Baueingabe festhalten.» Erst danach kommt der Gemeinderat ins Spiel, der in Wängi auch die Funktion einer Baukommission innehat.

Zonenplan ist 25 Jahre alt

Nicht nur deshalb darf sich der Gemeindepräsident nicht konkret zum Bauvorhaben in Anetswil äussern. Zur allgemeinen rechtlichen Situation in der Gemeinde Wängi sagt er: «Unser Zonenplan ist zwar alt, aber er hat den üblichen demokratischen Prozess durchlaufen. Nach zwei Planauflagen hat ihn die Gemeindeversammlung im März 1994 bewilligt.» Die Krux für den Wängemer Gemeinderat dürfte dabei sein, dass sich Anetswil laut Zonenplan in einer sogenannten Dorfzone befindet. Und dort gelten für ein Bauprojekt nicht nur klar messbare Fakten wie die eingangs erwähnten Grenzabstände und Bauhöhen. Vielmehr ist in einer Dorfzone auch von – gelinde gesagt – interpretierbaren Vorgaben die Rede wie etwa Ortsbild und Dorfcharakter. Juristenfutter par excellence.

Das Anetswiler Bauprojekt dürfte die Gemeinde Wängi also noch eine Weile beschäftigen. Dabei bleibt dem Gemeinderat wenigstens der Trost, dass er einen weiteren Vorwurf der Anwohner nicht zu beurteilen braucht: Der Investor handle profitorientiert.

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