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Nobelpreisträger von 1919 arbeitete als Aushilfe bei der «Thurgauer Zeitung»

Der Schriftsteller Carl Spitteler sprang 1887 auf der Redaktion der «Thurgauer Zeitung» für einen erkrankten Auslandredaktor ein. Bei seinen Leitartikeln nützte er die Kenntnisse Russlands, die er durch einen langjährigen Aufenthalt in Petersburg erworben hatte.
Thomas Wunderlin
Carl Spitteler (1845-1924) erhielt 1919 den Nobelpreis für Literatur. (Bild: Keystone/Photopress-Archiv)

Carl Spitteler (1845-1924) erhielt 1919 den Nobelpreis für Literatur. (Bild: Keystone/Photopress-Archiv)

Es gab schon Regierungsräte und Stadtpräsidenten, deren Karriere durch die Redaktion der «Thurgauer Zeitung» geführt hatte. Bisher dürfte es aber nur einen ehemaligen Redaktor der Zeitung aus dem Thurgauer Kantonshauptort geben, der einen Nobelpreis erhalten hat: Carl Spitteler (1845-1924).

Der Nobelpreis des Jahres 1919 wurde 1920 verliehen

Sein Epos «Olympischer Frühling» trug ihm den Literatur-Nobelpreis des Jahres 1919 ein. Verliehen wurde er ihm 1920, rückwirkend für das Vorjahr. Auch seine Rede «Unser Schweizer Standpunkt» hatte das Nobelpreis-Komitee für Spitteler eingenommen, wie der Website des Vereins «Carl Spitteler – 100 Jahre Literaturnobelpreis» zu entnehmen ist. Der Verein aus Spittelers Geburtsort Liestal koordiniert diverse Veranstaltungen im Jubiläumsjahr; Präsident des Patronatskomitees ist Bundesrat Alain Berset.

Seine berühmte Rede hielt Spitteler am 14. Dezember 1914 in Zürich vor der Neuen Helvetischen Gesellschaft; ihre Breitenwirkung erzielte sie, weil sie von der «Neuen Zürcher Zeitung» abgedruckt wurde. Spitteler rief dazu auf, sich gegenüber den kriegführenden Mächten des Ersten Weltkriegs neutral zu verhalten.

Huggenberger diffamierte Spitteler

Damit setzte er sich in Gegensatz zu der in der deutschen Schweiz verbreiteten Parteinahme für Deutschland. Er erwarb sich internationale Anerkennung, aber auch Anfeindungen.

Nachlass Alfred Huggenberger, Kantonsbibliothek Frauenfeld. (Bild: Ralph Ribi)

Nachlass Alfred Huggenberger, Kantonsbibliothek Frauenfeld. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Kritiker Spittelers war der deutschfreundliche Thurgauer Schriftsteller Alfred Huggenberger, wie in der 2012 vom Historischen Verein des Kantons Thurgau herausgegebenen Huggenberger-Biografie von Rea Brändle und Mario König nachzulesen ist. Huggenberger warf Spitteler vor, er nehme Partei für Frankreich und bedauerte, «dass es gerade ein Schweizer sein musste, der dem deutschen Volk in seiner schwersten Stunde in den Rücken fiel». Und weiter:

«Wer Spitteler genau kennt, weiss schon längst, dass seine Sympathien nach Westen gehen.»

Nachdem er 1879 aus Russland in die Schweiz zurückgekehrt war, schlug sich Spitteler als Lehrer und Journalist durch. In Petersburg hatte er mehrere Jahre als Hauslehrer gearbeitet. Nach zwei Jahren als Redaktor der «Schweizer Grenzpost» in Basel musste er eine neue Stelle suchen.

Von Mitte März bis Ende Mai 1887 konnte er bei der «Thurgauer Zeitung» in Frauenfeld einspringen, als Aushilfe für den erkrankten Auslandredaktor. Die Stelle vermittelte ihm sein Jugendfreund aus Liestal, Joseph Viktor Widmann, wie Spitteler studierter Theologe und angehender Schriftsteller, der in dieser Zeit vorübergehend als thurgauischer Pfarrhelfer amtierte.

Erkenntnisse aus Petersburg

Hermann Lei senior schrieb in der 1994 erschienenen «Geschichte des Kantons Thurgau»: «Die beiden Freunde Widmann und Spitteler, die als die bedeutendsten Schweizer Dichter der Jahrhundertwende gelten, erlebten ihren Aufenthalt im Thurgau als eine Prüfung im Übergang zu ihrer künftigen dichterischen Existenz.»

In seinen Leitartikeln zehrte Spitteler laut Lei von seinem langen Russlandaufenthalt. Mit besonderer Sachkenntnis habe Spitteler «in diesem entscheidenden Jahr der Bismarckschen Bündnispolitik» die Beziehungen zwischen dem Zaren- und dem Deutschen Reich geschildert.

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