Religion
An der Frauenfelder Nacht der Lichter muss niemand perfekt singen

Am Samstagabend erstrahlte die evangelische Stadtkirche Frauenfeld in Hunderten von Lichtern.

Manuela Olgiati
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Vor der evangelischen Kirche in Frauenfeld wurde auch 2021 wieder ein Lichtlabyrinth aufgestellt.

Vor der evangelischen Kirche in Frauenfeld wurde auch 2021 wieder ein Lichtlabyrinth aufgestellt.

Bild: Reto Martin

Bekannt ist Taizé besonders durch die einfachen, meditativen Wiederholgesänge, die sich in Gottesdiensten abspielen. Das Bedürfnis, sich aus dem hektischen Alltag zurückzuziehen, wächst bei vielen Menschen. Die Nacht der Lichter lädt zu einem ruhigen Kontrast.

In der Tradition von Taizé, einem ökumenischen, weltoffenen Kloster in Frankreich, in dem sich wöchentlich Tausende von jungen Menschen treffen, werden an der Nacht der Lichter «Taizé Lieder» gesungen. Hansruedi Vetsch, der evangelische Pfarrer von Frauenfeld, erzählt von Taizé, wo fremde Menschen in der Kirche ganz nah sind, zusammen singen und beten.

Zum Einsingen am Samstagabend gehen die Besucher still durch die Kirche. Orchester und Sänger spielen und singen unter der Leitung von Kantor Christoph Lewis im vorderen Teil der Kirche. Das Publikum stimmt ein. Lewis gibt die Einsätze. Es kommen immer mehr Menschen in die Kirche, die Kirchbänke füllen sich. Junge Frauen und Männer, Familien mit Kindern, Jugendliche und viele ältere Menschen rücken in der Kirche näher. Es gilt Zertifikatspflicht.

Cevi-Mitglieder zünden Kerzen an

Lewis sagt: «Kommen Sie näher in die vorderen Reihen.» Menschen rücken zusammen. Taizélieder singen heisst, sich führen lassen von der Melodie und dem Gesang aller. Niemand muss perfekt singen. Die Liedtexte sind an der Kirchenwand eingeblendet. Während des Einsingens zünden Cevi-Mitglieder Hunderte von Kerzen an. «Es ist ein Miteinander, ein stimmiger Anlass, der gern von jungen Menschen besucht wird», sagt «Indigo», so lautet der Cevi-Name von Layla Peter. Taizélieder sind in verschiedenen Sprachen, in Deutsch, Französisch, Lateinisch, Mundart zu hören. In Frieden mit sich selber sein, ist Gedanken ordnen, Sorgen und Freuden platzieren. Den Gesang beschreiben manche als meditativ. Pfarrer Vetsch erwähnte die Idee des Einsingens mit Notenblatt – zum üben. Im Gesang in der Mitte sein, sei dann auswendig singen.

Die entzündeten Kerzen inspirieren die Teilnehmenden.

Die entzündeten Kerzen inspirieren die Teilnehmenden.

Bild: Reto Martin

Bei der offiziellen Feier halten manche das Dokument noch in einer Hand. In der anderen Hand brennt eine Kerze. Traditionell wird das Licht geteilt. Vetsch sagt:

«Taizé wirkt im Getragensein aller Stimmen. Im Gefühl von Wärme und Geborgenheit.»

Breit zusammengesetztes Vorbereitungsteam

Alles sei richtig, auch wer ein Lied nicht kennt, singt mit. Das Beten ist Teil der Feier. Mit Gesängen beten unterstreiche zusätzlich die Form auf der Suche nach Gott. Das sagt das Vorbereitungsteam, welches sich aus der katholischen Kirche, dem «Pastoralraum FrauenfeldPlus», der evangelischen Kirche, der Cevi, der katholischen Juseso und der evangelischen Fachstelle Jugendarbeit Tecum zusammensetzt.

Kurze, stets wiederholte Gesänge hallen nach. Von der Güte Gottes handelt das «Ubi Caritas». «Ich singe dieses Lied gern», sagt eine Frau zu ihrem Sitznachbarn. Am Schluss der Feier legen Jugendliche der Cevi das Kreuz vorne im Kirchenraum in die Mitte. Dorthin kommen die Menschen, die sich noch näher im Gebet Gott zuwenden wollen. Im hinteren Teil der Kirche haben die Seelsorger zu Gesprächen eingeladen.

Draussen beim Brunnen lockt der Apéro. Beim Kerzenlabyrinth wacht die Juseso über 300 brennende Kerzen. Langsam bahnen sich die Besucher ihre Wege. Auch die Kinder freut es.

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