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Nichts zum Kuscheln: In Pfyn züchtet Nicole Keller Schmetterlinge – Vor allem der Schwalbenschwanz ist oft zu Gast

Diese Haustiere verfliegen irgendwann. Die Pfynerin Nicole Keller ist fasziniert von Schmetterlingen und begleitet sie von der Raupe zur Verwandlung zum Schmetterling.

Sophie Ade
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Nicole Keller und drei Schwalbenschwanzraupen auf einem Dillzweig.

Nicole Keller und drei Schwalbenschwanzraupen auf einem Dillzweig.

(Bild: Donato Caspari)

Mit einem Zipp schliesst Nicole Keller den Reissverschluss des Ärariums. «Und schon sind sie wieder versorgt. Praktisch – oder?» Viel mehr Zeit dürfen die Schmetterlinge auch nicht in Anspruch nehmen, sonst kommen die anderen Tiere im Daheim der 38-Jährigen und ihrer Eltern in Pfyn zu kurz. Nebst Hunden, Pferden und Wellensittichen schneiden die Schmetterlinge in Sachen Zeitaufwand ganz klar am besten ab: frische Pflanzen aus dem Garten, neues Wasser und ein sauberes Küchenpapier als Unterlage. Schon ist das Schmetterlingshotel, das sogenannte Ärarium, wieder blitzblank.

All diese Handgriffe haben sich innerhalb der letzten fünf Jahre zu einer Routine verdichtet. Dabei wusste die gelernte Coiffeuse bei ihren ersten Raupen gar nicht, was sie mitgenommen hat.

«Doch ich habe mir die Zeit genommen, mich einzulesen, und konnte im Internet von Tipps und Erfahrungen anderer profitieren.»

Heute kennt sie sich gut aus und weiss ganz genau, wann und wo welche Raupen zu finden sind. Im Dorf gilt sie sogar als Expertin, wenn es um die hübschen Flugtiere geht. Und auch Kunden ihres Coiffeursalons haben sie zwischen zwei Scherenschnitten schon um Rat gefragt.

Bei Kellers haben die bunten Tiere Tradition

Drei kleine Schwalbenschwanzraupen, die darauf warten, sich zu verpuppen.

Drei kleine Schwalbenschwanzraupen, die darauf warten, sich zu verpuppen.

(Bild. Donato Caspari)

Einer ihrer Lieblinge ist der Schwalbenschwanz. Seine Grösse und die Art, wie seine Flügel gemustert sind, haben es ihr besonders angetan. «Ausserdem finde ich die Raupen gleich hinten im Garten bei den Rüeblipflanzen», sagt die Pfynerin. Doch auch das kleine Landchärtli und der Distelfalter durften schon in ihr Ärarium einziehen. Die Vorliebe für diese unüblichen Haustiere hat Tradition in der Familie Keller. Schon ihre Mutter war fasziniert von Schmetterlingen, und Nicole Keller merkt auch immer mehr, dass es ihre drei Mädchen gepackt hat.

«Dass aus einem kleinen Räupchen etwas so Buntes und Schönes werden kann, ist einfach einzigartig.»

Genau deshalb sind alle fasziniert von dem Verwandlungsprozess und lieben es, mit dabei zu sein.

Weshalb Schmetterlinge nicht von mehr Leuten als Haustier gehalten werden, kann sie sich nicht erklären. «Diese Tiere sind mit sehr wenig Aufwand und Ausrüstung verbunden und nur temporäre Haustiere.» Gleichzeitig könne man viel über die Natur lernen und helfen, die Biodiversität zu erhalten, berichtet die Pfynerin.

Mit dem Aufziehen im Ärarium vermeidet sie beispielsweise, dass die Raupen von Vögeln gefressen werden und erst gar nicht schlüpfen können. Doch einen ganzen Raupenbestand würde sie niemals mitnehmen. Ihr Vater pflichtet bei:

«Die Natur hat ihren eigenen Kreislauf, und der muss mit Respekt erhalten bleiben.»

Die einzige Schwierigkeit, die Nicole Keller im Umgang sieht, ist, dass man nicht zu viel macht und den Schmetterling vermenschlicht. «Man kann sein Bestmögliches tun, doch den Rest muss das Tier übernehmen.» Der Schmetterling würde sich dann schon bemerkbar machen, wenn er raus in die Welt gelassen werden will, meint sie.

Kinder lernen den Respekt vor Lebewesen

Ihre Kinder können im Umgang mit Schmetterlingen eigentlich alles übernehmen. Es gibt keine Arbeit, die zu anspruchsvoll ist oder bei deren Ausführung den Schmetterlingen etwas zustossen könnte. «So lernen meine Kinder, Verantwortung zu übernehmen.» So würden sie verstehen, dass auch andere Lebewesen Bedürfnisse haben und dass man respektvoll mit diesen umzugehen hat. Das einzige Manko ist der fehlende Kuschelfaktor. Dazu sagt sie lachend:

«Man muss eben mit Anschauen zufrieden sein.»