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"Nicht ohne mein Kind!" - Mütter in der psychiatrischen Klinik

Oftmals fürchten psychisch erkrankte Mütter, dass ihnen bei einem Klinikaufenthalt das Kind weggenommen wird. Die Eltern-Kind-Station in Münsterlingen hält dagegen. Das Pionierprojekt hat sich nun etabliert.
Silvan Meile
Spielende Kinder in der Eltern-Kind-Station der psychiatrischen Klinik Münsterlingen. (Bild:Donato Caspari)

Spielende Kinder in der Eltern-Kind-Station der psychiatrischen Klinik Münsterlingen. (Bild:Donato Caspari)

So gross die Freude auf das Kind ist, so sehr kann die Situation nach der Geburt zur Überforderung und Belastung werden. Psychische Probleme, wie etwa postnatale Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen, können das Elternglück derart trüben, dass eine stationäre Behandlung angezeigt ist. Doch das ist nicht einfach. «Ohne mein Kind gehe ich nicht in eine Klinik.» Solche Reaktionen hat Silvia Reisch, leitende Ärztin an der psychiatrischen Klinik in Münsterlingen, schon oft gehört.

Einerseits erkennen Mütter die Notwendigkeit einer stationären psychiatrischen Behandlung. Anderseits fürchten sie teilweise, dass ihnen ihr Kind weggenommen wird. «Um diese Angst zu reduzieren und betroffenen Elternteilen eine stationäre Behandlung zu ermöglichen, ist vor zwölf Jahren das Projekt der Eltern-Kind-Abteilung entstanden», sagt Reisch. Die Kinder- und Jugendpsychiaterin war seit der ersten Stunde dieser neuen Abteilung dabei. Noch heute ist das Projekt in der Ostschweiz einmalig. «Regelmässig besuchen uns Fachstellen aus anderen Kantonen.»

«Notfälle können wir keine aufnehmen»

Nach einer zwölfjährigen Projektphase hat nun diese Abteilung im Thurgau endgültig ihren Platz im Gesundheitswesen erhalten. «Die Eltern-Kind-Station der psychiatrischen Dienste Thurgau wird als ständiges Angebot in den Leistungsauftrag der Spital Thurgau AG aufgenommen», teilte der Regierungsrat am Donnerstag mit. Die Finanzierung erfolge im Rahmen der ordentlichen Spitalfinanzierung. «Die Eltern bezahlen ihrerseits 50 Franken pro Kind und Tag», sagt Reisch. Kleinkinder bis fünf Jahre sind auf der Station zugelassen. Tagsüber besuchen sie den Kinderhort der Klinik, ab vier Jahren entspricht die Betreuung einem offiziellen Kindergarten.
Fünf Zimmer hat die Eltern-Kind-Abteilung, die trotz ihres Namens fast ausschliesslich von Müttern belegt wird. «Notfälle können wir keine aufnehmen», sagt Abteilungsleiterin Reisch. Viel zu lange ist die Warteliste der begehrten Behandlungsplätze. Viele Anfragen kommen auch aus anderen Kantonen. «Der Bedarf an zusätzlichen Plätzen ist vorhanden.» Zwischen zwei und drei Monaten dauert ein durchschnittlicher Aufenthalt. Danach finden noch Hausbesuche als Nachbetreuung statt.

Die Bindung zu den Eltern aufrechterhalten

«Aus fachlicher Sicht erweist sich das Angebot als wirksame und erfolgreiche Behandlung, die vielen Erwachsenen eine Gesundung im stationären Rahmen ermöglicht, ohne dass sie sich von ihren Kindern trennen müssen», heisst es in der Mitteilung der Regierung. Die Bindung an die Eltern werde aufrechterhalten, sagt Reisch. Das ist eines der obersten Ziele dieser Station. «Wir erleben schöne Erfolgsgeschichten und freuen uns, wenn es der Mutter wieder besser geht und sie die Beziehung zu ihrem Kind wieder mehr geniessen kann.» Das Wochenende verbringt das Kind in der Regel zu Hause bei seinem Vater.

Unter dem Dach der Eltern-Kind-Station ist auch die Kinderpsychiatrie untergebracht. «Bei den Kleinkindern können ebenfalls psychische Auffälligkeiten auftreten», erklärt Reisch. In diesen Fällen schliesst die Behandlung auch das Kind mit ein. Dieser Einbezug des kinderpsychiatrischen Teils macht die Münsterlinger Abteilung noch heute zu einer Vorreiterin in der Psychiatrie.

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