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Nicht Erbsen, nicht Bohnen, auch keine Melonen in Frauenfeld

Karibik im Kreisel: Die Frauenfelder Stadtgärtnerei hat auf dem Zeughausbrücke-Kreisel Bananenbäume angepflanzt.
Stefan Hilzinger
Fünf Bananenstauden wachsen im Kreisel an der Zeughausbrücke. (Bild: Andrea Stalder)

Fünf Bananenstauden wachsen im Kreisel an der Zeughausbrücke. (Bild: Andrea Stalder)

Seit Jahr und Tag fliesst im Hintergrund die Murg vorbei. Trüb und heftig nach einem Gewitter wie am Dienstagvormittag, klar und sanft ansonsten. Manchmal steht sie fast, und man meint, sie fliesse gar rückwärts. Bei der Zeughausbrücke fliesst der Verkehr unaufhörlich, um den Kreisel Richtung Langdorf und zur Autobahn oder in die Innenstadt. Doch seit kurzem ist man dort, unweit der Musikschule, in eine andere Welt versetzt. Auf dem Kreisel hat die Stadtgärtnerei in die Spirale aus Blocksteinen fünf Bananenstauden gepflanzt. «Nicht Erbsen, nicht Bohnen, auch keine Melonen, ausgerechnet Bananen», wie es im Text des österreichischen Librettisten und Schlagertexters Fritz Löhner aus dem Jahr 1923 heisst.

Die Julihitze hat uns schon Anfang Juni eingeholt. Wer jetzt aufmerksam beim Kreisel steht, der hört im Hintegrund nicht die Murg, sondern den ruhigen Wellenschlag der Karibischen See und dazu, langsam lauter werdend, Harry Belafonte: «Day-o, Day-o-o-o.» Allein der Gedanke an den Calypso-Hit des Weltstars von 1950 verbreitet pures Feriengefühl, angesichts der aufragenden violett-grünen Blätter. Man möchte die für Juli gebuchte Reise nach Jamaica glatt stornieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadtgärtnerei die Stauden in den Kreisel gepflanzt hat. Vor zwei Jahren wagten die Männer von Markus Marghitola einen ersten Versuch. Doch damals machten sich Vandalen an den noch zarten Pflanzen zu schaffen. «Sie haben Blätter abgerissen», sagt Marghitola. Doch nun, nach zwei Jahren in der Städtischen Orangerie, also dem Gewächshaus in Oberkirch, scheinen die Stauden von Musa x paradisiaca robust genug, um den Sommer im Kreisel zu überdauern. Das Wetter tut derzeit sicher das seinige für das Gedeihen der Pflanzen. Wirklich deplatziert wirken die tropischen Exoten in Frauenfeld nicht. Mit Bananen hat eine Gruppe von Frauen um Ursula Brunner vor gut vierzig Jahren den fairen Handel in die Schweiz gebracht. Die Frauenfelder Bananenfrauen haben nachhaltige Spuren hinterlassen.

Doch die Stauden mitten im Stadtverkehr lassen auch das Thema Klimawandel laut werden, trotz karibischer Leichtigkeit. Ist es nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, wenn Bananenstauden im Land der Äpfel so gut gedeihen? Sollen wir uns auf eine Ernte freuen oder müssen wir uns davor fürchten? Die Dessertbananen haben sich aus Südostasien über Afrika und die Kanaren in die Karibik verbreitet. Sind sie nun nördlich der Alpen angekommen?

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