Reportage
«Nicht alle begreifen, wie wichtig der Abstand ist»: Betreiber des Entsorgungshofs in Aadorf appellieren an die Bevölkerung

Der Entsorgungshof in Aadorf will alles daran setzen, seine Türen für die Bevölkerung auch zu Coronazeiten stets offen zu halten. Dafür benötige es jedoch die Unterstützung jedes einzelnen.

Kurt Lichtensteiger
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Luca Maffeo wischt im Sammelhof Kägi die Haltestangen der Transportwägelchen ab.

Luca Maffeo wischt im Sammelhof Kägi die Haltestangen der Transportwägelchen ab.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)

Am frühen Samstagmorgen bildet sich auf der Heidelbergstrasse eine Autoschlange. Quarantäne, Homeoffice und Versammlungsverbot locken manche Haushalte zum Entsorgen. Unmittelbar vor der Annahmestelle werden die Entsorger mit einer Handbewegung zum Anhalten bewogen. Durch das heruntergelassene Seitenfenster grüsst eine freundliche Stimme die Ankömmlinge.

Marlies Kägi weist – mit einer Maske vor Mund und Nase – die Fahrzeuglenker auf die nun geltenden Verhaltensweisen hin. «Zum Schutz der Kundschaft und der Mitarbeitenden», wie sie erklärt. Nur tröpfchenweise wird deshalb die Einfahrt erlaubt, denn nur fünf Fahrzeuge werden maximal im Areal zugelassen. Zudem darf lediglich eine Person pro Fahrzeug aussteigen, der Abstand ist einzuhalten.

«Ein Grossteil der Angesprochenen hat Verständnis für die zeitliche Verzögerung als Folge der Sicherheitsmassnahmen.»

Dennoch hapere es noch bei vielen bezüglich der Einhaltung des Sicherheitsabstandes. «Viele haben noch nicht begriffen, was wirklich abgeht, weil die Gefahr unsichtbar ist», ergänzt Marlies Kägi. Man gefährde nicht nur Personen, sondern auch die Offenhaltung der Sammelstelle.

Geschlossen, weil die Leute rücksichtslos waren

Soeben hat ein Entsorgungshof die Türen schliessen müssen, weil sich Leute respektlos gegenüber den Massnahmen verhalten haben. Aber auch Drängeleien, unbedachte oder gleichgültig begangene Fehlwürfe und Diskussionen über Sinn und Unsinn all der Vorkehrungen seien nicht dazu angetan, die Abwicklung reibungslos vonstatten gehen zu lassen. Im Vorfeld sortiertes Material, Geduld und rücksichtsvolles Verhalten würden dazu beitragen, die ungewohnte Situation zu meistern.

Im Sammelhof bieten zwei bis drei aufmerksame Mitarbeitende ihre Hilfe an. Immer wieder desinfizieren sie Handläufe und die Handgriffe der Schubkarren. Auch bei der Bezahlung wird darauf geachtet, dass kein direkter Kontakt zum Kunden entstehen kann. «Wir trafen all diese Vorkehrungen trotz grösserem Aufwand zum Schutz der Nutzer und unserer Mitarbeitenden», sagt die Wittenwilerin.

890'000 Kilo Material abgeliefert

Letztes Jahr seien 890'000 Kilo Material entgegen genommen worden. Vieles kostenlos, anderes kostenpflichtig. Ausgenommen sind Hauskehricht und Grüngut. Die Firma Kägi AG beschäftige im Betrieb 20 Mitarbeitende für Muldenservice, Transport, Tiefbau, Bauschutt-Recycling und den Sammelhof.

Die Bevölkerung aus Aadorf und Umgebung weiss diese Dienstleistungen zu schätzen. In dieser Ausnahmesituation werden die Freundlichkeit des Personals und die vorbildliche Umsetzung aller Massnahmen oft gelobt.
Kurt Lichtensteiger