Nez Rouge Ostschweiz fährt Schnapsnasen seit zwanzig Jahren gratis nach Hause

Die freiwilligen Nez-Rouge-Helfer bringen Automobilisten sicher nach Hause, die nicht mehr fahrtüchtig sind. Die Geschichte der Sektion Ostschweiz begann vor 20 Jahren mit einer Enttäuschung.

Evi Biedermann
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Von Anfang an dabei: Markus Krapf, Gallus Hengartner, Maya Wegmüller, Hansueli Giezendanner. (Bild: Evi Biedermann)

Von Anfang an dabei: Markus Krapf, Gallus Hengartner, Maya Wegmüller, Hansueli Giezendanner. (Bild: Evi Biedermann)

Die Geschichte der Sektion Ostschweiz begann in einer Holzbaracke in Weinfelden und mit einer herben Enttäuschung, denn das Telefon blieb stumm in der ersten Nacht. Auch die folgenden Nächte waren ernüchternd. «Ich glaube, wir hatten drei oder vier Einsätze während der ganzen ersten Aktion», erinnert sich Markus Krapf, der Nez Rouge 1998 in den Thurgau brachte. Heute ist er im Vorstand der Sektion Ostschweiz und Mitglied des Stiftungsrats, der die Rechte über die Marke Aktion Nez Rouge besitzt.

Dank viel Werbung verbesserte sich die Statistik in den folgenden Jahren rasch. «Heute betreiben wir eine grosse Zentrale in Weinfelden mit eigenen Räumen.» Mit weiteren Räumlichkeiten in St. Gallen und in Sevelen wurde der Aktionsradius von ursprünglich 50 auf über 100 Kilometer erhöht. Zum Einzugsgebiet gehören nebst dem Thurgau beide Appenzell, ein grosser Teil des Kantons St. Gallen und Lichtenstein.

Fünf Sektionen feiern ein Jubiläum

Nebst der Sektion Ostschweiz feiern 2018 vier weitere Sektionen ein Jubiläum: Aargau, Freiburg, Zug-Innerschweiz und Zürich blicken auf eine 25-jährige Tätigkeit für die Prävention im Strassenverkehr zurück, die Sektion Ostschweiz auf 20 Jahre. Am Samstag waren Vertreter der 23 Schweizer Sektionen in der Kartause Ittingen in Warth versammelt. Zum einen, um das Jubiläum der Ostschweizer mitzufeiern, zum andern, weil diese erstmals den Kongress organisierten, der alljährlich zum Auftakt der Präventionskampagne stattfindet. Aus aktuellem Anlass mit musikalischen Intermezzi der Manser Buebe, die mit ihren lüpfigen Rhythmen und Juchzer für Begeisterung sorgten. Mit den vielen Jubiläen zeige sich Enthusiasmus und die nachhaltige Wirkung einer Idee von 1990, die bis heute ununterbrochen anhalte, sagte Gallus Hengartner, Präsident Nez Rouge Schweiz und der Sektion Ostschweiz. «Nicht Profit oder Machtanspruch sind Motivation dafür, sondern die Überzeugung, freiwillig einen Beitrag zum Wohl der Allgemeinheit zu leisten.»

Prävention im Strassenverkehr trage massgebend zur Verhütung von Unfällen bei, sagte Cornelia Komposch, Chefin des Departements für Justiz und Sicherheit. Die Regierungspräsidentin setzte zudem den Wert von freiwilliger Arbeit in Relation zum schwindenden Interesse dafür und sagte: «Freiwilligenarbeit muss in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert erlangen.» Grosse Wertschätzung von allen Anwesenden und eine Urkunde für 20 Jahre Fahrdienst erhielten indes Maya Wegmüller und Hansueli Giezendanner sowie Markus Kraft, alle Sektion Ostschweiz.

14000 Fahrgäste

Wer nicht mehr fahrtüchtig ist wegen Alkohol, Medikamenten, Drogen oder Müdigkeit, der kann den Fahr- und Begleitdienst Nez rouge gratis in Anspruch nehmen. Am häufigsten wird der Dienst während der Weihnachtsfeiertage in Anspruch genommen. Seit Beginn dieser Aktion 1990 waren das schweizweit 422000 Personen. Nez Rouge bietet auch übers Jahr hindurch Dienstleistungen an, diese sind aber kostenpflichtig. Die Sektion Thurgau verbuchte in den 20 Jahren ihrer Tätigkeit insgesamt 6773 Transporte. Dabei wurden 14066 Personen nach Hause transportiert und 309036 Kilometer gefahren. Gegründet wurde Nez Rouge 1984 im kanadischen Québec. 1990 folgte der Start in der Schweiz. (bie)

Die Nacht der roten Nasen

18 800 fahruntüchtige Nachtschwärmer brachte der Fahrdienst Nez Rouge schweizweit über die Feiertage nach Hause. Mit der Silvesternacht steht den freiwilligen Helfern der Höhepunkt der Aktion aber erst bevor – auch in der Ostschweiz.
Noemi Heule