Neunforner Themenhefte stehen vor ungewisser Zukunft

Statt in einer Dorfchronik hält die Gemeinde ihre Geschichte seit 2003 in Themenheften fest. Nun stellt ein Rückzug im Redaktionsteam die Zukunft der Publikationsreihe in Frage.

Evi Biedermann
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Die Sammlung der acht bisher erschienenen Nüfermer Themenhefte. (Bild: Evi Biedermann)

Die Sammlung der acht bisher erschienenen Nüfermer Themenhefte. (Bild: Evi Biedermann)

Acht Hefte sind bislang erschienen, die neunte Ausgabe ist in Arbeit, ob es jedoch eine zehnte gibt, ist ungewiss. Seit 2003 erscheint alle zwei Jahre ein Heft, das sich vertieft mit einem Thema zur Geschichte Neunforns auseinandersetzt. Etwa mit dem «Läbe mit de Räbe», den «Riegelwänd und alti Strosse», mit «Spys und Trank» oder dem «Frauenwirken».

Benjamin Gentsch, Gemeindepräsident Neunforn. (Bild: Mathias Frei)

Benjamin Gentsch, Gemeindepräsident Neunforn. (Bild: Mathias Frei)

Das Redaktionsteam setzt sich – je nach Thema – immer wieder neu zusammen und besteht ausschliesslich aus Freiwilligen. Unter den Texten stehen keine Autorennamen. «Wir sind einfach wir», sagt Benjamin Gentsch.

Die Hefte seien beliebt und würden intensiv gelesen, weiss der Gemeindepräsident aus Rückmeldungen. Sie werden nicht nur an die Einwohner verteilt, sondern auch der Kantonsbibliothek zugestellt. Und vor zwei Wochen bekam sogar Ueli Maurer ein Exemplar der Sammlung. Gentsch sagte am Donnerstagabend im Gemeindesaal:

«Der Bundespräsident hat sich gefreut, als ich ihm das Heft übergab.»

Der Gemeinderat hatte zum Gedankenaustausch über die Zukunft der Themenhefte eingeladen. Doch statt der erhofften Diskussion mit Einwohnern wurde daraus ein internes Gespräch, denn alle der zehn Anwesenden hatten sich bislang in irgendeiner Form an der Erarbeitung eines Heftes beteiligt.

Gilg Stüssi zieht sich zurück

Ziel des Abends aber war es zum einen, Inputs von aussen zu erhalten. Zu Konzept, Inhalt, Form, Umfang, gedruckt oder digital. Zum andern, den Fortbestand der Redaktion zu sichern. Es geht vor allem um die Leitung, die seit Beginn dem einstigen Dorflehrer Gilg Stüssi obliegt. Nun hat er seinen Rückzug angekündigt. Nicht etwa aus Altersgründen, sondern weil er nach Frauenfeld zügelte. Die neunte, aktuell in Arbeit stehende Ausgabe ist seine letzte als Leiter. Danach stehe er nur noch als Mitarbeiter zur Verfügung.

Stüssi machte den Anwesenden sein Amt schmackhaft, indem er unterhaltend über seine Arbeit als Teamleiter, Koordinator, Rechercheur erzählte. Es brauche aber auch weitere Mitwirkende, sagte Gemeindepräsident Gentsch. Engagierte Personen, die Spass haben am Schreiben, Interviewen und Recherchieren über Geschichten und Fakten zum Lebensraum Neunforn. «Schön wäre, jüngere Leute zu gewinnen», sagte Niklaus Winterhalter, als grafischer Gestalter der zweite starke Mann im Redaktionsteam. Und mit 71 Jahren auf dem gedanklichen Weg, sein Betätigungsfeld langsam einzuschränken.

Alle sind gefordert

Zusagen gab es an diesem Abend keine, hingegen erklärten sich alle Anwesenden bereit, als Mitwirkende weiterzumachen. Einig war man sich auch darüber, mit dem Konzept auf dem richtigen Weg zu sein. «Das Format ist gut, und die Themen werden uns nicht ausgehen», fasste Gemeinderat Stefan Birchler zusammen. Priorität habe nun die Suche nach einem Leiter oder einer Leiterin.

«Da sind wir Gemeinderäte gefordert», bemerkte Gentsch. Ein Flyer in die Haushalte reiche wohl nicht mehr. «Es braucht ein persönliches Gespräch.» So wird es wohl in den nächsten Tagen und Wochen an der einen oder anderen Haustüre im Dorf läuten – mit der Hoffnung auf Erfolg.

NEUNFORN: Ein weiterer Mosaikstein

An der Bechtelisgemeinde Anfang Januar stellte das Redaktionsteam das neue «Nüfere»-Heft vor. Es beschäftigt sich mit historischen Häusern und alten Strassen.
Therese Schurter

NEUNFORN: Eine kostspielige Geschichte

Das übernächste Themenheft «nüfere» beschäftigt sich mit dem Kloster Töss. Für die Finanzierung des Projekts fehlen noch knapp 13500 Franken. Diese sollen innerhalb von 45 Tagen gesammelt werden.
Therese Schurter