Neues Zeugnis für Thurgauer Schulen – mit Noten und mehr

Ab nächstem Schuljahr gelten zwischen Bodensee und Hörnli neue Beurteilungsgrundlagen. Damit wird ein langjähriger Prozess abgeschlossen.

Sebastian Keller
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Die Thurgauer Zeugnismappe fassen bereits die Kindergärtler.

Die Thurgauer Zeugnismappe fassen bereits die Kindergärtler.

Bilder: Sebastian Keller

Es sind bange Momente, wenn die Lehrerin dem Schüler das Zeugnis aushändigt. Die Thurgauer Erziehungsdirektorin Monika Knill sprich von «einem hochemotionalen Produkt, das man in den Händen hält». Und die Montageanleitung für dieses Produkt, das Beurteilungsreglement, hat sie am 27. August verabschiedet. Am Mittwoch stellte sie es in Frauenfeld den Medien vor, flankiert von Sandra Bachmann und Beat Brüllmann, beide vom Amt für Volksschule.

Monika Knill, Regierungsrätin des Kantons Thurgau.

Monika Knill, Regierungsrätin des Kantons Thurgau.

Bild: Andrea Stalder

Bei der Entwicklung des neuen Zeugnisses konnten sich auch Lehrpersonen, die Wirtschaft wie auch die Politik einbringen. Monika Knill nennt neben weiteren zwei Ziele, die es zu erreichen galt: Ein gut lesbares und einfach verständliches Volksschulzeugnis sowie eine Balance zwischen pädagogischer Vielfalt und Einheitlichkeit.

Noten und Wortprädikate finden sich im Zeugnis

Sandra Bachmann warf einen Blick in den Rückspiegel. So wurde in der Vernehmlassung beispielsweise gefordert, auf die Noten 1 und 2 zu verzichten; so auch auf eine Beurteilung in der ersten und zweiten Klasse. Doch beides wird beibehalten. Beat Brüllmann sagt:

«Auch um einen kantonalen Alleingang zu verhindern.»

Dennoch werden in den ersten beiden Schuljahren keine Noten verteilt. Beurteilt wird dennoch: In der Form von Wortprädikaten. So werden etwa die Leistungen in den Fächern Mathematik oder Deutsch mit «nicht genügen» bis «sehr gut» bewertet. Dazu gesellen sich zwei Zwischenstufen. Ab dem Schuljahr 2021/22 gilt das für alle Schulgemeinden im Kanton. Zuvor gab es offenbar grosse Unterschiede – zum Teil wurde eine dreistufige Skala angewendet.

Beat Brüllmann, Chef des Amtes für Volksschule.

Beat Brüllmann, Chef des Amtes für Volksschule.

Bild: Reto Martin

Der Chef des Amtes für Volksschule betont: «Für Wortprädikate und Noten werden nicht nur Noten gesammelt und dann der Durchschnitt ausgerechnet.» Bei beidem handle es sich um das Resultat einer Gesamtbeurteilung, in die auch Beobachtungen und Erfahrungen der Lehrperson einfliessen.

Bei der Beurteilung der einzelnen Schulfächer finden sich Unterschiede. Beispiel: Deutsch. So gibt es ab der dritten Klasse eine Gesamtnote; diese wird ergänzt um ein Wortprädikat in den vier Kompetenzbereichen Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben. «Das ist auch ein Schritt in Richtung Lehrplankompatibilität», sagt Brüllmann.

Das Beispiel eines Zeugnisblattes der fünften Klasse.

Das Beispiel eines Zeugnisblattes der fünften Klasse.

Der neue Lehrplan Volksschule Thurgau – die kantonale Version des Lehrplans 21 – gilt seit dem Schuljahr 2017/18. Dieser Lehrplan fokussiert stark auf die Kompetenzen.

In den Fremsprachen je eine Note

In den Fremdsprachen Englisch und Französisch gibt es jeweils eine Note, ab dem Jahr, in dem sie unterrichtet werden. In der Mathematik erfolgt die Benotung ab der dritten Klasse, in der Sekundarschule werden Mathematik und Geometrie separat im Zeugnis benotet.

Was ältere Semester noch als nackte Note in der Spalte Arbeitshaltung bekannt sein dürfte, ist heute ein Katalog. So schätzt die Lehrperson auf einem Blatt das Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten jedes Schülers ein.

Einschätzungen zum Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten: Auch Bestandteil des Zeugnisses.

Einschätzungen zum Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten: Auch Bestandteil des Zeugnisses.

Auch dieses ist Bestandteil des Zeugnisses. So kann etwa die Aussage «beteiligt sich aktiv am Unterricht» mit «genügend» oder «begegnet Mitmenschen respektvoll» mit «sehr gut» beurteilt werden. Auch hier stehen den Pädagogen die vier bekannten Wortprädikate zur Verfügung.

Die Zeugnismappe fassen bereits die Kindergartenkinder. Im Verlauf ihrer Volksschulkarriere wächst sie zu einem stattlichen Dossier an, zu einer Chronik des Lernerfolgs. Geregelt ist im Beurteilungsreglement, welche Blätter Eingang ins Dossier finden und welche nicht. Im Kindergarten gibt es freilich noch keine Noten, aber eine Bestätigung des Besuchs.