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Neues Jagdgesetz kommt zu spät für Fuchsmutter in Dettighofen

Dorfbewohner vermissen einen zutraulichen Fuchs. Ein Jäger hat ihn erschossen, nachdem er in einem Hühnerhof auf frischer Tat ertappt worden ist. Der kantonale Jagdaufseher Roman Kistler ruft dazu auf, Füchse nicht zu füttern.
Thomas Wunderlin
Wenn ein Fuchs Junge aufzieht, lässt er sich auch tagsüber blicken. (Bild: PD/Ursula Waldburger)

Wenn ein Fuchs Junge aufzieht, lässt er sich auch tagsüber blicken. (Bild: PD/Ursula Waldburger)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Anfang Mai blieb er plötzlich fort. Regelmässig war er in Dettighofen bei Pfyn zu Besuch. Manchenorts durfte er sich in der Stube umschauen, wo er sich anständig verhielt und nie zu Klagen Anlass gab. Die Zitzen im roten Fell zeigten an, dass es sich um eine Fähe handelte, die Futter für ihre Jungen suchte. Am Dorffest sprach sich herum, dass der Jagdaufseher das Muttertier erschossen hatte.

Der Fuchs sei «am hellen heiteren Tag in mindestens zwei Hühnerhöfe eingebrochen», sagt Gemeindepräsidentin Jacqueline Müller. Er habe alle Hühner getötet, auch Hasen habe er erwischt. «Die Leute waren schockiert.» Beim zweiten oder dritten Hühnerhof habe die Besitzerin den Eindringling eingesperrt und den Jagdaufseher gerufen. Dieser sei ein «seriöser und überlegter Mann». Ihm sei nichts übrig geblieben, als den Fuchs zu töten. Für die Jungen werde gesorgt. «Mir ist schon klar, dass es Schonzeit ist», sagt die Gemeindepräsidentin. Dennoch gebe es immer wieder Fälle, in denen es unumgänglich sei, die Füchse zu erlegen.

Grundbesitzer haben bis jetzt ein Selbsthilferecht

Das Problem werde dadurch verstärkt, dass die Füchse angefüttert würden: «Sie haben keine Angst mehr und gehen dann halt in die Gärten.» Füchse, die sich Häusern nähern, solle man mit Lärm oder mit Wasser vertreiben, auf keinen Fall Futter bereitstellen. Der Jagdaufseher äussert sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht zum Vorfall.

Nach geltendem Recht hat er sich korrekt verhalten. Zwar dürfen Jäger in der Schonzeit, die vom 1. März bis zum 15. Juni dauert, grundsätzlich keine Füchse jagen. Doch Grundbesitzer haben ein Selbsthilferecht; gemäss kantonalem Jagdgesetz dürfen sie «Füchse oder Marder, die sie bedrohen oder schädigen, in Gebäuden, Räumen und in deren allernächster Umgebung erlegen». Der Jagdaufseher habe «im Sinne des delegierten Selbsthilferechts» gehandelt, sagt Roman Kistler, Chef der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung.

Jagdgesellschaften können im Falle von Schäden eine Spezialbewilligung beantragen, um Füchse in der Schonzeit zu schiessen. Kistler hat in den letzten Jahren immer wieder derartige Anfragen erhalten. Er habe jeweils geraten, das Tier einzufangen, etwa mit einer Kastenfalle. «Wenn es ein männliches Tier ist, kann man es schiessen. Bei einem weiblichen Tier habe ich empfohlen, es wieder rauszulassen.»

In Zukunft müssen auch bei Selbsthilfemassnahmen die Schonzeiten von Säugetieren und Vögeln beachtet werden. Die Änderung war Teil der Revision des kantonalen Jagdgesetzes, die der Grosse Rat am 17. Mai 2017 verabschiedete.

Mutterschutz für Füchse weniger umstritten als Baujagdverbot

In der Vernehmlassung war sie laut regierungsrätlicher Botschaft «fast einstimmig» gefordert worden. In der vorberatenden Kommission hatte es einen Gegenantrag gegeben, der grossmehrheitlich abgelehnt wurde. Viel umstrittener war ein anderer Teil der Vorlage: das Baujagdverbot. Für den Fuchs von Dettighofen ist die Revision dennoch zu spät gekommen. Denn der Regierungsrat hat sie noch nicht in Kraft gesetzt. Der Grund ist laut Kistler, dass das revidierte Jagdgesetz gleichzeitig in Kraft gesetzt werden sollte wie die revidierte Jagdverordnung, die erarbeitet werden musste.

«In den nächsten vierzehn Tagen» werde sich der Regierungsrat voraussichtlich mit der neuen Jagdverordnung befassen. Die Gesetzes- und Verordnungsänderungen sollen rückwirkend auf den 1. April in Kraft gesetzt werden. Schonzeiten bei Selbsthilfemassnahmen liegen im Interesse des Tierschutzes, findet Marion Theler, Kantonsrätin der Grünen aus Kreuzlingen. In der Grossratsdebatte hatte sie sich dafür eingesetzt: «Wer beispielsweise auf einen Fuchs schiessen will, der ihm die Hühner klaut, muss zuerst abklären, ob Schonzeit ist und kann also nicht eine Fähe, einen weiblichen Fuchs, erlegen, die im Bau Junge hinterlässt.» Diese Meinung vertritt Theler auch heute. Jungtiere verhungern zu lassen, sei ethisch nicht richtig. «Ich finde es positiv, dass der Mutterschutz gilt.»

Das sagt Roman Kistler, Chef der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung, zum Thema:

Roman Kistler, manche Leute freuen sich, wenn Füchse nicht gleich Reissaus nehmen und keine Angst zeigen. Soll man solche Füchse füttern?

Roman Kistler, Leiter der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Roman Kistler, Leiter der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Das ist völlig daneben, sie haben eine Fütterung absolut nicht nötig. Ein Wildtier an den Menschen zu gewöhnen, ist unerwünscht. Früher oder später gibt es Probleme. Die Wildtiere lernen nicht, dass sie Respekt vor Menschen haben müssen. Man fördert die Tendenz der Füchse, sich in Siedlungen aufzuhalten. Deshalb soll man sie keinesfalls füttern und sie im Gegenteil verscheuchen, wenn sie sich den Menschen oder Gebäuden in den Siedlungen annähern.

Welche Probleme?

Sie können unterschiedlicher Art sein. Häufig heisst es, ein Fuchs sei handzahm. Wildtiere bleiben aber Wildtiere. Früher oder später beissen sie zu. Wenn ein Wildtier erschrickt, beisst es häufig als Abwehrreaktion. Man muss davon ausgehen, dass Füchse Krankheiten in sich tragen, was bei Wildtieren normal ist. Die Mehrheit der Füchse zum Beispiel hat Bandwürmer, die von Menschen aufgelesen werden können. Deswegen muss man Waldbeeren vor dem Essen gut waschen. Das gilt grundsätzlich auch für Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Tollwut ist im Moment nicht aktuell, aber Räude und Staupe, die auf Hunde übertragen werden können.

Können junge Füchse von Menschen aufgezogen werden?

Davon rate ich ab. Es ist zwar machbar, ist aber bewilligungspflichtig. Wenn sie ganz jung sind, kann man sie aufziehen wie ein Haustier mit dem Risiko, dass sie sich bald wie ein Wildtier verhalten.

Was bedeutet das?

Füchse sind Raubtiere. Sie fressen auch Vögel, räumen Gelege aus. Sie fressen junge Hasen, auch Rehkitze und im Extremfall ausgewachsene Rehe.

Wie viele Füchse gibt es im Kanton Thurgau?

Der Bestand ist relativ hoch. Zählen kann man sie nicht, da sie scheu sind und normalerweise nachtaktiv. Nur in der Aufzuchtzeit sind sie vermehrt tags unterwegs.

Geben Sie den Jagdgesellschaften Abschusszahlen vor, die sie erfüllen müssen?

Nein. Die Jagdgesellschaften jagen sie, damit sich der Bestand nicht weiter vergrössert und sich die Füchse noch stärker in die Siedlungen vorwagen. Ende Jahr melden die Jagdgesellschaften jeweils, wie viele sie geschossen haben. Im Thurgau sind es jährlich 1500 bis 1600.

Was geschieht mit den erlegten Füchsen?

Die meisten geschossenen Tiere gehen in die Kadaververwertung. Nur vereinzelt wird der Winterpelz verwendet.

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