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Thurgau: Volksinitiative fordert mehr Geld für Biodiversität im Kanton

Am Samstag, 4. Mai, startet ein breit abgestütztes Komitee mit der Unterschriftensammlung für die kantonale Volksinitiative «Biodiversität Thurgau». Um die Artenvielfalt stehe es schlecht, sagen die Initianten.
Sebastian Keller
Vertreter des Initiativkomitees Biodiversität Thurgau posieren anlässlich einer Medienkonferenz im Frauenfelder Klösterligarten. (Bild: Reto Martin)

Vertreter des Initiativkomitees Biodiversität Thurgau posieren anlässlich einer Medienkonferenz im Frauenfelder Klösterligarten. (Bild: Reto Martin)

Die zwei Zwergziegen im Frauenfelder Klösterligarten sind drollig. Aber ihr Auftrag ist weiter gefasst. «Wir haben den Rasenmäher durch Geissen ersetzt», sagt Markus Beerli von der Kirchenvorsteherschaft. Die Pfarrei habe auf ihren Grünflächen Biodiversitätsflächen ausgeschieden. Auf diesen können Blumen spriessen, was Bienen, Hummeln und Schmetterlinge anlockt.

«Es wird nicht gedüngt und es kommen keine Pestizide zum Einsatz.»

Dieses «gute Beispiel» leitet die Medienorientierung im Pfarreizentrum Klösterli ein. An dieser stellt ein breit abgestütztes Komitee (siehe Kasten) die Volksinitiative «Biodiversität Thurgau» vor. Toni Kappeler, Präsident von Pro Natura Thurgau, findet für solche «Aktivitäten» wie jene der Kirche lobende Worte. Dennoch: «Die Biodiversität ist in einem enorm schlechten Zustand.» Eine deutsche Studie habe zutage gefördert, dass die Insektenwelt selbst in Naturschutzgebieten um 75 Prozent eingebrochen sei. Im Thurgau dürfte es kaum besser sein.

Begriff Biodiversität im Gesetz verankern

Wieso ein gesundes Ökosystem von Bedeutung ist, illustriert Kappeler mit diesen Beispielen: Sauerstoffproduktion, CO2-Speicherung in Holz und Moorböden, Bodenfruchtbarkeit. «Gründe gibt es genügend, damit wir mehr machen müssen», sagt Kurt Egger, Präsident der Grünen Thurgau. So verlangt die Volksinitiative einerseits, dass der Begriff Biodiversität im kantonalen Natur- und Heimatschutzgesetz aufgenommen wird. Verbunden mit dem Auftrag, die biologische Vielfalt gezielt und wirkungsvoll zu fördern.

Kirche, Parteien, Naturschutzverbände: Die Träger der Initiative

Die kantonale Volksinitiative «Biodiversität Thurgau» wird von neun Organisationen getragen: Birdlife Thurgau, CVP Thurgau, EVP Thurgau, Fischereiverband Thurgau, GLP Thurgau, Grüne Thurgau, Kommission Kirche und Umwelt der katholischen Landeskirche Thurgau, Pro Natura Thurgau, WWF Thurgau. 14 Personen aus diesen Organisationen bilden das Initiativkomitee an. (seb.)

Hierzu soll eine kantonale Biodiversitätsstrategie erarbeitet werden – diese kennen andere Kantone wie Aargau und St. Gallen bereits. Für die Umsetzung sollen jährlich zwischen drei und fünf Millionen zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. «Einerseits für personelle Ressourcen, andererseits für Projekte», sagt Egger. Die Initianten haben einen Strauss von Beispielen, wo das Geld eingesetzt werden könnte: Für die Verbesserung der Wasserqualität der Bommer Weiher oder den Erhalt des Bodensee-Vergissmeinnicht oder für eine Wildtierbrücke über die A1 zwischen Matzingen und Wil. Oder gäbe es noch viele mehr.

Am Geld soll es nicht liegen

Für das Argument, das Geld sei knapp, ist Toni Kappeler gewappnet. «Trotz aller Sparprogramme hat der Kanton ein Nettovermögen von 428 Millionen Franken.» Dennoch können sich die Initianten vorstellen, die finanzielle Aufstockung auf zwölf Jahre zu begrenzen.

Sie argumentieren weiter damit, dass der Bund für 26 Massnahmen Geld bereitstelle – für jeden Franken, den der Thurgau im Rahmen der Massnahmen in die Biodiversität investiert, legt der Bund einen drauf.

Das Ansinnen fällt auf fruchtbaren Boden. Das Komitee ist breit aufgestellt. Wolfgang Ackerknecht, EVP Thurgau, sagt:

«Es geht letztlich um die Lebensgrundlagen der Menschen auf der Erde.»

Für die EVP passe die Förderung der Biodiversität gut, sie hat sich «enkeltaugliche Politik» auf die Fahne geschrieben.

Auch die CVP Thurgau setzt auf den Schutz der Ressourcen. Kantonsrat Dominik Diezi sieht vor allem «Potenzial im urbanen Raum». Er spricht von sterilen Rasen, von Steingärten und von nicht begrünten Flachdächern. Die Förderung für mehr Natur im Siedlungsraum unterstützt auch der WWF Thurgau. Präsidentin Gabriela Aebli sagt:

«Heute lässt man die Natur noch zu selten zu.»

Beat Leuch von Birdlife Thurgau, dem Thurgauer Vogelschutz, sagt: «Ein Vogelschützer muss sich heute auch um das Umfeld kümmern.» Denn der Vogel reagiere rasch auf die Veränderung des Ökosystems.

Ein Mittun ist auch für die GLP Thurgau logisch. Kantonsrat Stefan Leuthold sagt: «Biodiversität ist ein Schwerpunkt unserer Politik.» Hilfe benötigen auch die Fische. Christoph Maurer, Präsident des Fischereiverbandes Thurgau, verweist auf eine Untersuchung der Sitter. «Von den 14 Arten sind nur noch zwei in der Lage, sich selber zu erhalten.»

www.biodiversitaet-thurgau.ch

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