Neue Regelung wegen des Corona-Virus: Im Thurgau sind bereits über 1000 Anfragen für die Bewilligung einer Veranstaltung eingegangen

Für Anlässe bis 150 Teilnehmer entfällt die Bewilligungspflicht. Die Drähte beim Kanton Thurgau laufen wegen des Corona-Virus immer noch heiss.

David Grob und Sebastian Keller
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Regierungsrätin Carmen Haag trägt vor dem Podium der «Thurgauer Zeitung» in Frauenfeld ihre Personalien in die Teilnehmerliste ein.

Regierungsrätin Carmen Haag trägt vor dem Podium der «Thurgauer Zeitung» in Frauenfeld ihre Personalien in die Teilnehmerliste ein.

Bild: Andrea Stalder

«Das Telefon läutet nicht gerade im Minutentakt, aber sehr oft», sagt Bettina Kunz vom Informationsdienst des Kantons Thurgau. Die Organisatoren von Veranstaltungen im Thurgau wollen wissen, ob sie ihre Abendunterhaltung, ihre Chorprobe, ihr Handballspiel, ihre Ausstellung durchführen können.

Vergangenen Freitag hat der Bund alle Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abgesagt. Seit Mittwochabend gilt eine neue Regelung vom Bund und allen Kantonen: Anlässe bis 150 Personen benötigen keine Bewilligung mehr.

Die neue Regelung schafft damit auch Klarheit. Denn bislang meldeten sich auch viele Organisatoren kleinerer Anlässe beim kantonalen Amt für Gesundheit, das die Veranstaltungen bewilligt. Solche Anfragen fallen nun weitgehend weg, was eine kleine Erleichterung für die Mitarbeitenden bedeutet.

«Organisatoren kleinerer Anlässe melden sich nur noch vereinzelt mit spezifischen Fragen», sagt Kunz. Dennoch sei der Aufwand immer noch riesig. In Zahlen: Über 1000 Anfragen für eine Veranstaltungsbewilligung sind bereits eingegangen. Kunz sagt:

«Nur eine Handvoll von Veranstaltungen konnten wir nicht bewilligen.»

Sie nennt ein Beispiel: Eine Abendunterhaltung mit rund 300 Personen fällt ins Wasser. «Etwa 80 Prozent der Gäste wären ältere Menschen und gehören damit zur Risikogruppe.»

Einen bestätigten Corona-Virus-Fall gibt es bislang im Thurgau nicht. Bis Donnerstagnachmittag, 16 Uhr, wurden 103 Verdachtsfälle registriert. Zwei seien noch ausstehend. 13 Personen befinden sich in Quarantäne.

Bislang noch keine «illegalen» Veranstaltungen durchgeführt

Doch was passiert, wenn ein grösser Anlass ohne Bewilligung trotzdem durchgeführt wird? Der Kantonspolizei Thurgau sind bislang keine Organisatoren bekannt, die gegen das Bewilligungsverbot verstossen haben. Das sagt Polizeisprecher Michael Roth auf Anfrage.

«Unsere Wahrnehmung ist, dass Veranstalter vernünftig auf die behördlichen Anordnungen reagieren.»

Sollte bei der Polizei allerdings eine Meldung eingehen, dass eine grosse Veranstaltung stattfinde, die möglicherweise nicht über eine Bewilligung verfügt, würde sie vor Ort die Sachlage abklären. «Dann würden wir prüfen, ob eine Bewilligung vorliegt», sagt Roth. Notfalls müsste die Veranstaltung beendet werden.

«Allenfalls könnten Veranstalter wegen eines Verstosses gegen das Epidemiengesetz belangt werden», sagt Bettina Kunz vom kantonalen Informationsdienst. Verstösse seien ihr bislang nicht zu Ohren gekommen.

Gottesdienste finden statt – dank leerer Kirchen

Die Regelung trifft die regulären Gottesdienste der evangelischen und katholischen Landeskirchen Thurgau nicht. «Die Grenze von 150 Personen wird in der Regel nicht erreicht», sagt Manuel Bilgeri, Kommunikationsverantwortlicher der katholischen Landeskirche Thurgau. Betroffen seien allenfalls besondere Gottesdienste wie Beerdigungen oder Trauungen.

«Für Gottesdienste, bei denen deutlich über 150 Personen erwartet werden, ist vorgängig beim Gesundheitsamt des Kantons eine Bewilligung einzuholen», heisst es in einer gemeinsamen Empfehlung der Landeskirchen an ihre Pfarreien und Kirchgemeinden. Trotzdem: Besteht kein Risiko, da Gottesdienste mehrheitlich von älteren Menschen besucht werden? Bilgeri:

«Wir empfehlen, den Raum zu nutzen und nicht zu nahe nebeneinander zu sitzen.»

Bereits seit vergangener Woche wird auf die Mundkommunion verzichtet, die Hostie erhalten nun alle Katholiken in die Hand.

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