Neue Küche, grössere Braupfannen: Das Frauenfelder Brauhaus Sternen baut in den kommenden Jahren aus und um

Das Frauenfelder Brauhaus Sternen will bis 2022 bis zu vier Millionen Franken in Umbau und Sanierung investieren. Gegen das Bauprojekt sind keine Einsprachen eingegangen. 

Stefan Hilzinger
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Betriebsleiter Stefan Mühlemann mit den Umbauplänen im alten Sudhaus. (Bild: Andrea Stalder

Betriebsleiter Stefan Mühlemann mit den Umbauplänen im alten Sudhaus. (Bild: Andrea Stalder

Martin Wartmann, der Spiritus Rector des Frauenfelder Brauhauses Sternen, sagt es gern an der Aktionärsversammlung:

«Bei uns ist schon der Gang aufs WC ein Event.»
Martin Wartmann, Ehrenpräsident Brauhaus Sternen AG. (Bild: Andrea Stalder)

Martin Wartmann, Ehrenpräsident Brauhaus Sternen AG. (Bild: Andrea Stalder)

Der Spruch bringt zum Ausdruck, woran der in den vergangenen Jahren gewachsene Gastronomiebetrieb gemäss Bekunden der Betriebsleitung leidet: verschachtelte Räume und lange, verwinkelte Wege, nicht nur für die Gäste, sondern auch fürs Personal.

Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Der an der Jahresversammlung im Juni angekündigte bauliche Befreiungsschlag namens «Brauhaus 2022» lag bis vor einer Woche öffentlich auf.

«Es sind keine Einsprachen eingegangen.»

Das sagt Geschäftsleiter Stefan Mühlemann. Jetzt ist das Umbau- und Sanierungsprojekt im Umfang von gegen vier Millionen Franken bei den kantonalen Ämtern zur weiteren Überprüfung.

Eine der grössten Brauereien unter den Kleinen

Mit einer Jahresproduktion von 1700 Hektolitern gehört das Brauhaus Sternen nach eigenen Angaben bereits zu den 50 grössten der mehr als 1000 biersteuerpflichtigen Brauereien in der Schweiz. 2018 betrug die Inlandproduktion knapp 3,7 Millionen Hektoliter (Deutschland: 93 Millionen Hektoliter). Der Hauptteil der Inlandproduktion stammt aus Grossbrauereien wie Feldschlösschen oder Calanda, die im Besitz internationaler Konzerne sind. Ein weiterer substanzieller Teil des Dursts sichern sich eigenständige, mittelständische Brauereien, in der Ostschweiz etwa Falken, Schützengarten, Locher oder Sonnenbräu. Ein zwar kleiner, aber stetig wachsender Teil fällt auf Hunderte von Mikrobrauereien im Land. Mit einem Konsum von 54 Litern pro Kopf und Jahr liegt die Schweiz im europäischen Vergleich im hinteren Mittelfeld. Europameister sind die Tschechen mit 138 Litern vor Österreich und Deutschland. (hil)

www.brauhaus.ch

Kapazität der Brauerei verdoppeln

Der Umsatz des Brauhauses stieg von 2,1 Millionen Franken auf mittlerweile 5,2 Millionen Franken im Jahr, unter anderem dank des Brauhauses Winterthur. Nun stösst der Betrieb an Kapazitätsgrenzen.

«Unsere beiden Braupfannen sind für eine Produktion von 1000 Hektolitern im Jahr ausgelegt, aktuell brauen wir schon bald doppelt so viel.»

Das sagt Mühlemann (siehe Kasten). Der Braumeister beschickt die Pfannen aktuell zweimal täglich, was mehr Zeit und Personal beansprucht. Manpower, die Mühlemann lieber dafür einsetzten würde, das Angebot an Braukursen auszuweiten oder neue Biere zu entwickeln. So ist geplant, im Zuge des Projektes die Menge pro Sud von derzeit 500 auf 1000 Liter zu verdoppeln. Doch das dürfte nicht das erste Teilprojekt sein, welche das Brauhaus anpackt. Als Erstes möchte Mühlemann die Küche erneuern und die Abläufe in der Gastronomie verbessern.

Kühl- und Lagerräume über der neuen Küche

Derzeit sei halt vieles unpraktisch, weil im Lauf der Jahre hier ein Kühlschrank hingekommen und dort ein provisorischer Lagerraum errichtet worden. Die Abläufe seien ineffizient. Die Brauhaus-Leitung plant im alten Sudhaus, derzeit als Saal genutzt, eine neue Gastroküche samt Warenlift zu neuen Kühl- und Lagerräume darüber. Die jetzige offene Küche im Eingangsbereich verschwindet. Dort gibt es zusätzliche Tische, die den Wegfall der Tische im alten Sudhaus kompensieren.

Das Projekt für eine Küche sei komplex, weil gleichzeitig auch die elektrischen und sanitären Anlagen sowie die Lüftung erneuert werden.

«Weil auch das umliegende Quartier gewachsen ist, braucht es auf dem Gelände der Brauerei eine neue Trafostation.»

Gerne würde Mühlemann diesen Teil im nächsten Sommer in Angriff nehmen. «Da wir den Betrieb nicht schliessen wollen, ist der Sommer ideal, weil da die Gäste auf die Gartenwirtschaft ausweichen können.»

Ausser von der bald erhofften Baubewilligung sind die weiteren Schritte auch von den finanziellen Möglichkeiten abhängig. «Wir gehen die Sache schrittweise an und keine finanziellen Risiken ein», sagt Mühlemann. Die Aufstockung des Aktienkapitals um 1,5 Millionen Franken ist abgeschlossen. Nun sei man im Gespräch mit den Banken.

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