Neue Ausstellung im Naturmuseum Thurgau zeigt tierische Überwinterungsstrategien

Die neue Sonderausstellung «Überwintern – 31 grossartige Strategien» im Naturmuseum Thurgau in Frauenfeld zeigt anschaulich, wie Tiere und Pflanzen den Schweizer Winter überleben.

Sebastian Keller
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Im Naturmuseum Thurgau: Das Eichhörnchen legt im Herbst einen Vorrat für den Winter an. (Bild: Reto Martin)

Im Naturmuseum Thurgau: Das Eichhörnchen legt im Herbst einen Vorrat für den Winter an. (Bild: Reto Martin)

Der Winter ist schon da. Zumindest im dritten Stock des Naturmuseums Thurgau. Schneehuhn, Steinbock und Eichhörnchen präsentieren sich auf einer musealen Schneelandschaft aus Styropor. Anhand dieser und weiterer Tiere und Pflanzen zeigt das Museum die unterschiedlichen Überwinterungsstrategien.

«Der Winter ist eine grosse Herausforderung in unseren Breitengraden», sagt Museumsdirektor Hannes Geisser. Während es sich Menschen in geheizten Wohnungen bequem machen, sind Tiere und Pflanzen der unbarmherzigen Natur ausgesetzt. Aus drei Gründen ist der Winter für sie eine Herausforderung: Wenig Licht, ein knappes Nahrungsangebot sowie durch die Kälte ein erhöhter Nahrungsbedarf.

Museumsdirektor Hannes Geisser erläutert, wie Siebenschläfer durch den Winter kommen. (Bild: Reto Martin)

Museumsdirektor Hannes Geisser erläutert, wie Siebenschläfer durch den Winter kommen. (Bild: Reto Martin)

Die Strategien, um zu überwintern, sind vielfältig. Entwickelt und verfeinert im Laufe der Evolution. Der Steinbock beispielsweise rüstet sich bereits während der üppigen Jahreszeit für die Kälte. «Er frisst sich einen Speckgürtel an», sagt Geisser. Zudem bewege er sich – wie auch andere Huftiere – weniger. Das Ziel: Den Energieverbrauch möglichst gering halten. Damit nicht genug, die Huftiere senken auch den Puls und die Körpertemperatur. Das führt sogar dazu, dass Schnee auf ihrem Rücken nicht mehr schmilzt.

Bodensee ist eine beliebte Winterdestination

Zahlreiche Vögel verfolgen eine andere Strategie: Sie verreisen in den Süden. «Für die skandinavische Reiherente ist der Thurgau das Tessin», illustriert Hannes Geisser. So gefriert der Bodensee im Gegensatz zu ihren heimischen Gewässern höchst selten. Das macht ihn zur beliebten Winterdestination : Zu Spitzenzeiten finden sich bis zu 300000 Wasservögel auf dem See.

Der Steinbock ist auch Teil der neuen Ausstellung. (Bild: Reto Martin)

Der Steinbock ist auch Teil der neuen Ausstellung. (Bild: Reto Martin)

Die vermeintlich einfachste Strategie ist der Winterschlaf. Doch das ist ein Irrglaube. Der Museumsdirektor sagt: «Der Winterschlaf ist die anspruchsvollste Variante des Überwinterns.» Herr des Winterschlafs ist der Siebenschläfer. Er zieht sich meist im Oktober kugelrund in eine Erdhöhle zurück. Im Winterschlafmodus reduziert er die Vitalfunktionen: Die Körpertemperatur wird gesenkt, ebenso der Herzschlag. «Auf vielleicht fünf bis sechs Herzschläge pro Minute», sagt Geisser.

Störungen mit Folgen

Störung des Winterschlafes – etwa durch den Menschen– seien für viele Tiere ein Problem. Denn: «Das Aufwachen frisst viel Energie.» Und wenn Siebenschläfer und andere zu oft aufgeweckt werden, erschwert sich deren Start im Frühling. «Dann sind sie beispielsweise allfälliger für Krankheiten.»

Die Ausstellung im Naturmuseum bietet einen Ausweg. Sie erlaubt es, viel über die Tiere zu erfahren, ohne sie dabei zu stören. Zudem ist es in den Museumsräumen auch im Winter warm. Wenn er dann auch ausserhalb des Museums Einzug hält.

Ausstellung dauert bis Februar 2019

«Überwintern – 31 grosse Strategien»: Die Ausstellung ist vom 7. September bis zum 17. Februar im Naturmuseum Thurgau, Frauenfeld, zu sehen. Der Eintritt ist frei. Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 6.September, 18 Uhr. www.naturmuseum.tg.ch.