Nebst billigeren ÖV-Billetten gibt's für Frauenfelder Stadtangestellte auch vergünstigte Massagen: Privilegien bewegen sich laut Stadtrat «im üblichen Rahmen»

Die Vergünstigungen für Mitarbeitende der Stadt Frauenfeld liegen jährlich im sechsstelligen Bereich. Darunter fallen unter anderem auch Massagen, die notabene als Arbeitszeit gelten.

Samuel Koch
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Eine Dame bekommt eine Hot-Stone-Massage.

Eine Dame bekommt eine Hot-Stone-Massage.

(Bild: PD/fotolia)

Kommen die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung und ihrer Betriebe zu günstig weg? Dieser zentralen Frage musste sich der Stadtrat bei der Einfachen Anfrage von SVP-Gemeinderat Christoph Tschanen widmen. Im Namen der Fraktion SVP/EDU verlangte er Transparenz zu Art und Kosten von Privilegien für Stadtangestellte und pensionierte Mitarbeitende.

Schon bei der Debatte im Gemeinderat zur Rechnung 2016 monierten Mitglieder der Fraktion SVP/EDU Beiträge der Stadt an ÖV-Jahresabonnements und die Abgabe von vergünstigten Reka-Checks.

Ähnlich wie in Kreuzlingen, Amriswil und beim Kanton

Christoph Tschanen Gemeinderat SVP (noch bis 30. Juni) und Vorstösser

Christoph Tschanen Gemeinderat SVP (noch bis 30. Juni) und Vorstösser

(Bild: PD)

Der Stadtrat kommt seiner Verpflichtung mit der jetzigen Beantwortung nach. Gleichzeitig legimitiert er die jährlichen Kosten oder Einnahmeausfälle in Höhe von rund 176500 Franken für Mitarbeitende, deren Anpassungen der Gemeinderat jeweils im Rahmen der Budgetdebatten prüft. Er schreibt in seiner Beantwortung:

«Der Stadtrat ist der Meinung, dass Vergünstigungen im für die öffentliche Verwaltung üblichen Rahmen angeboten werden.»

Als Begründung dafür dient dem Stadtrat ein Vergleich der städtischen Privilegien mit jenen der Städte Kreuzlingen und Amriswil sowie des Kantons Thurgau. Angepasst auf die jeweilige Grösse der Organisation werden «ähnliche Vergünstigungen in ähnlichem Umfang angeboten, insbesondere im Bereich Reka und ÖV». Zusätzliche Angebote kenne der Kanton als «wesentlich grösserer Arbeitgeber».

Auflistung mit Vergünstigungen und jährlichen Kosten

Nebst den Vergünstigungen der Stadt, die der Stadtrat als Fördergedanke im Hintergrund bezeichnet, erhalten Stadtangestellte teils vergünstigte Konditionen von Privatunternehmen, etwa von zwei örtlichen Fitnesscentern oder einer Krankenkasse für Zusatzversicherungen gemäss dem Verband Thurgauer Gemeinden. «Die Stadt Frauenfeld gibt selbstverständlich keine Mitarbeiterdaten weiter und versendet kein Werbematerial an die Mitarbeitenden», schreibt der Stadtrat. Zudem profitieren Stadtangestellte von folgenden Begünstigungen, die zu Lasten der Stadtkasse erfolgen:

  • Vergünstigte Mahlzeiten im Alterszentrum Park: Kosten von jährlich 75'000 Franken.
  • Reka-Checks (20 Prozent pro Jahr mit Bezugslimiten je nach Alter und Beschäftigungsgrad): rund 76'000 Franken.
  • ÖV (70 Prozent, höchstens jedoch 400 Franken auf ein Jahresabonnement 2.Klasse zwischen Wohn- und Arbeitsort): rund 23'000 Franken.
  • Mobile Massage (Vergünstigung für 20 Minuten im Rathaus, gilt als Arbeitszeit): rund 6000 Franken.
  • Hallen- und Freibad (halber Preis für Jahresabonnement): rund 5000 Franken.
  • Dienstleistungen der Einwohnerdienste: rund 500 Franken.