Naturschutz
«Gebiet ist ökologisch nicht der Brüller»: Die Fettwiesen des Auenschutzgebiets Hau Äuli sollen Gräsern und Sträuchern weichen

Ist das Baugesuch bewilligt, sollen im Auenschutzgebiet nahe der Allmend Frauenfeld Flutmulden, Brutwände und Sandbänke entstehen. Alles Massnahmen, welche ökologisch wertvoll sind und weitere Tiere anlocken sollen. Es handelt sich dabei um die dritte von vier Etappen zur Aufwertung des Gebiets.

Janine Bollhalder
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Ruedi Lengweiler und sein Hund Jaro im Auenschutzgebiet Hau Äuli.

Ruedi Lengweiler und sein Hund Jaro im Auenschutzgebiet Hau Äuli.

Bild: Andrea Stalder

Zwei sind schon fertig, zwei stehen noch aus: Das kantonale Forstamt will das nationale Auenschutzgebiet Hau Äuli bei der Allmend Frauenfeld in vier Etappen aufwerten. Bis Ende April lag ein Baugesuch auf. Die definitive Bewilligung steht noch aus.

Obwohl für die Pächter des Landes diverse Vorschriften gelten, hat sich die Situation im Auenschutzgebiet im Laufe der Zeit verschlechtert. Luftbilder von 1970 zeigen, dass sich auf dem Gebiet einst viel Gebüsch und Wald befand. Die Beweidung durch Schafe in den letzten Jahren sowie das frühe Mähen der Wiesen hat die Artenvielfalt gemindert. Dass nicht früher eingegriffen wurde, habe mit den Projekten der Thurkorrektion zu tun, erklärt Ruedi Lengweiler, Spezialist für Biodiversität vom Forstamt Thurgau:

Ruedi Lengweiler, Spezialist für Biodiverstät vom Forstamt Thurgau.

Ruedi Lengweiler, Spezialist für Biodiverstät vom Forstamt Thurgau.

Bild: Andrea Stalder
«Diese Vorhaben stockt seit Jahren. Als wir das Auenschutzgebiet Hau Äuli vor fast 20 Jahren einrichteten, war uns bewusst, dass es ökologisch nicht der Brüller ist.»

Die Aufwertung sei daher grundsätzlich schon länger geplant, allerdings stand die Annahme im Raum, dass die Thurkorrektion bald durchgeführt wird. Mehr Platz für die Thur zu schaffen, wäre ein bedeutender Eingriff in das Auenschutzgebiet. Da dieses Vorhaben jedoch seit über 15 Jahren geplant, aber nicht umgesetzt ist, entschied das Forstamt, die Aufwertung nun anzugehen.

Massnahmen sollen weitere Tiere anlocken

Die nährstoffreiche Fettwiese, die das Gebiet derzeit dominiert, soll einer artenreichen Wiese weichen. Denn eine Fettwiese ist sehr eintönig, viele Blumen und Gräser fehlen. Ausserdem sind Flutmulden, Brutwände und Sandbänke geplant. Flutmulden sind insofern ökologisch interessant, da sie einen Übergang zwischen Wasser und Land bieten und damit wechselhafte Bedingungen für Pflanzen. Lengweiler hofft, dass die Brutwände Vogelarten anlocken, die gerne ihre Nester in Erdhöhlen graben. Dazu gehört beispielsweise der Eisvogel, die Uferschwalbe oder der Bienenfresser. «Und über die Sandbänke freuen sich die Wildbienen», erzählt der Biodiversitätsspezialist.

Drei Uferschwalben auf einer Kette. Auch diese Vogelart soll im aufgewerteten Auenschutzgebiet ihren Platz finden.

Drei Uferschwalben auf einer Kette. Auch diese Vogelart soll im aufgewerteten Auenschutzgebiet ihren Platz finden.

Bild: Fotolia /Ines Pérez Navarro
Das Auenschutzgebiet Hau Äuli soll aufgewertet werden.

Das Auenschutzgebiet Hau Äuli soll aufgewertet werden.

Bild: Andrea Stalder

Auch der Biber soll seinen Lebensraum nach der Aufwertung ausbauen können. Er ist eines der Tiere, das im noch nicht aufgewerteten Auenschutzgebiet lebt. Er sei oft nachts unterwegs und hinterlasse seine Spuren auf dem Wanderweg, der erhöht auf einem Damm der Thur entlangführt, erzählt Lengweiler aus eigener Beobachtung. Das Gebiet darf von Spaziergängern oder Wanderern besucht werden, allerdings gelten auch für sie strenge Vorschriften wie etwa die Wegpflicht. Neben dem Biber können die Fussgänger auch Rehe, Hasen, diverse Vogelarten oder den Fuchs sehen sowie in den Gewässern Amphibien und Frösche.

Wird das Baugesuch bewilligt, beginnen die Bauarbeiten im Juli und dauern schätzungsweise bis September. «Die Tiere werden durch die erforderlichen Maschinen gestört, doch die Zeitplanung ist so eingerichtet, dass sich diese Störungen ausserhalb der Laichzeit der Fische befinden und schnell vonstattengehen», sagt Lengweiler. Für die Bauarbeiten werde kein Gramm Sand extern bezogen, alles stammt aus dem Auenschutzgebiet selbst.

«Das Material, das wir für die Flutmulden ausheben, verwenden wir für die Brutwände und Sandbänke.»

Durch welches Unternehmen die Bauarbeiten durchgeführt werden, ist derzeit noch unklar.

Die Bauarbeiten im Auenschutzgebiet dauern etwa zwei Monate.

Die Bauarbeiten im Auenschutzgebiet dauern etwa zwei Monate.

Bild: Andrea Stalder

Die Aufwertungsarbeiten im Auenschutzgebiet Hau Äuli gehören der dritten von vier Bauetappen an. Als Nächstes ist dann das Gebiet nahe Warth-Weiningen dran, berichtet Lengweiler. Auch dort sind Flutmulden und Brutwände vorgesehen. «Wir legen den Fokus auf den Rütibach, der sich vom Wald in Richtung Thur schlängelt. Diesen Weg möchten wir mehrere 100 Meter verlängern», sagt Lengweiler. So werden weitere ökologisch wertvolle Übergangsstellen zwischen Wasser und Wiese sowie Wasser und Wald geschaffen.

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