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Nationalrat Hansjörg Brunner:
Der Mann, der aus dem Thurgauer Gewerbe kommt

Serie «Ihre Wahl» (3/5): Die TZ trifft die Thurgauer Nationalräte an ihrem Lieblingsort: heute Hansjörg Brunner (FDP).
Thomas Wunderlin
Hansjörg Brunner stellt Druckwaren für einige Tausend Kunden her. (Bild: Andrea Stalder)

Hansjörg Brunner stellt Druckwaren für einige Tausend Kunden her. (Bild: Andrea Stalder)

Hansjörg Brunners bevorzugter Ort ist eine Fabrikhalle. Sie liegt verkehrsgünstig im Sirnacher Industriequartier, ein Kilometer vom Autobahnanschluss.

Der Zugang führt über ein einstöckiges Bürogebäude mit Wellblechfassade. In der angrenzenden Halle produziert die Fairdruck AG Broschüren, Prospekte und Jahresberichte für einige Tausend Kunden. Beim Rundgang liest man auf den gestapelten Druckerzeugnissen, wer sie in Auftrag gegeben hat.

Gemeinden der Region gehören ebenso dazu wie die Christoffel-Blindenmission und der Jodelchor Sirnach. Von den Grosskunden erwähnt Brunner die Confiserie Sprüngli, die fast alle Drucksachen und selbst den Goldfaden der Pralinés von der Fairdruck bezieht.

Die Maschinen zwischen den Stapeln wirken neu, der Boden ist gewischt: Alles in der Halle erweckt den Anschein solider Schweizer Qualität. Mit einem Lächeln weist der Thurgauer FDP-Nationalrat in die Runde: «Das ist meine Gewerblerwelt.»

In den Kommissionen muss man Französisch verstehen

Fürs Interview bittet der Hausherr ins Besprechungszimmer im ersten Stock des Bürogebäudes. Auf den dort ausgelegten Werbegeschenken steht «Bereit für mehr». Brunner dementiert, dass er damit seine Bundesratskandidatur lanciert.

FDP-Nationalrat Hansjörg Brunner ist präsent in der Öffentlichkeit, zum Beispiel bei der Eröffnung der Messe am See 2019 in Arbon. (Bild: Reto Martin)

FDP-Nationalrat Hansjörg Brunner ist präsent in der Öffentlichkeit, zum Beispiel bei der Eröffnung der Messe am See 2019 in Arbon. (Bild: Reto Martin)

Auch sein Französischkurs in den Sommerferien habe nicht diesem Ziel gedient. Er wolle nur Französisch verstehen können in den Kommissionen, wo jeder in seiner Muttersprache spreche. Sein Sekundarschul-Französisch habe dafür nicht gereicht.

Nach zwei Jahren im Nationalrat sei er «in Bern angekommen», sagt Brunner. Als Neuling mache man die Erfahrung: «Kein Mensch wartet auf dich.» Er habe sich bemüht, seriöse Arbeit zu leisten, Kontakte zu knüpfen:

«Jetzt kommt die Phase, wo man anfangen kann, etwas umzusetzen.»

Mit 25 Mitarbeitern an den Standorten Sirnach und Dietikon ist Brunners Unternehmen ein typischer Kleinbetrieb, von denen es in der Schweiz Tausende gibt.

Die wichtigsten Anliegen, die er in Bern vertritt, stammen aus dieser Gewerblerwelt: möglichst geringer administrativer Aufwand, ein liberales Arbeitsgesetz, ausgeglichene Staatsfinanzen. Brunner setzt sich für ein geregeltes Verhältnis mit der EU ein; besonders die Verbindungen mit den benachbarten deutschen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern seien für den Thurgau wichtig. Beim EU-Rahmenabkommen müssten jedoch noch einige Punkte geklärt werden.

Schon in jungen Jahren Unternehmer geworden

Brunner, Jahrgang 1966, machte eine vierjährige Buch-Offsetdrucker-Lehre in Winterthur, schloss an einer höheren Fachschule als Techniker HF Polygrafie ab und absolvierte eine Weiterbildung in Unternehmensführung.

Mit 26 Jahren musste er den Betrieb des Vaters übernehmen. Seither ist die Branche geschrumpft. Von 6000 Druckereien, die es 1991 in der Schweiz gab, sind laut Brunner noch rund 1000 übrig.

Die Fairdruck hat unter anderem deshalb überlebt, weil sie die Dienstleistungen ausgebaut hat. Sie übernimmt beispielsweise die Lagerung der Druckwaren für die Kunden. Bei konstanter Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent und einer Temperatur zwischen 20 und 28 Grad verformt sich das Papier nicht.

Seit Jahren ein Gewerbepolitiker: Hansjörg Brunner leitet als Präsident die Jahresversammlung 2007 von KMU Region Hinterthurgau. (Bild: Nana do Carmo)

Seit Jahren ein Gewerbepolitiker: Hansjörg Brunner leitet als Präsident die Jahresversammlung 2007 von KMU Region Hinterthurgau. (Bild: Nana do Carmo)

Wichtig ist auch, dass der Fairdruck-Chauffeur die Ware beim Kunden nicht auf die Rampe ablädt, sondern in jenes Büro bringt, wo sie gebraucht wird.

Zwei Ausschläge im Profil

Brunners politisches Profil, wie es im Smartvote-Spinnennetz sichtbar wird, liegt nahe der Mitte, abgesehen von zwei Ausschlägen in entgegengesetzte Richtungen.

Sehr tief ist der Wert bei «Ausgebauter Sozialstaat», sehr hoch dagegen bei der «Liberalen Wirtschaftspolitik».

Beim Klimawandel hat er sich im Einklang mit seiner Partei gewandelt: «Alle haben erkannt, dass man etwas machen muss.» Das CO2-Gesetz sei jetzt im Ständerat und werde wieder in den Nationalrat zurückkommen.

Diskutiert wird die Erhöhung des Inlandanteils der CO2-Einsparung auf 60 Prozent: «Da könnte ich dahinter stehen.» Dasselbe gilt für eine Flugticketabgabe. Die Schweiz solle aber gemeinsam mit den andern Ländern handeln:

«Wir müssen aufpassen, dass nicht nur wir etwas machen.»

Eventuell sei eine befristete Lösung sinnvoll, die dereinst von einer europäischen oder weltweiten Regelung ersetzt werde.

Als die FDP Thurgau 2015 den vier Jahre zuvor verlorenen Sitz zurückgewann, landete Hansjörg Brunner auf dem zweiten Listenplatz. Der Amriswiler Hermann Hess schwang zu dessen eigener Überraschung obenauf. Nach einer Anstandsfrist von zwei Jahren, während der er kein einziges Mal ans Rednerpult im Nationalratssaal trat, räumte Hess den Sitz.

Brunner hat den Rat des Vorgängers befolgt

Seinem Nachfolger empfahl er, sich bei seinen Wählern im Thurgau fleissig zu zeigen. Den Rat habe er beherzigt, sagt Brunner: «Sie können gern meine Agenda sehen.» Im Unterschied zu Hess ergriff Brunner dagegen schon etwa zehnmal das Wort im Nationalratssaal.

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