Naherholungsgebiet
Heimat von Wasserdrachen und fliegenden Schachbrettern: Die Frauenfelder Allmend feiert ihren 100. Geburtstag

Seit 100 Jahren ist die Allmend ein Naturschutzgebiet. Trotz vielfältiger Nutzung durch Militär, Pächter, Grossanlässe, Vereine und Bevölkerung zeigt sich noch heute eine beeindruckende Artenvielfalt.

Viola Stäheli
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Seht ihr da, den Laubfrosch? Chefaufseher Reinhold Müller mit seinen Aufseherkollegen Urs Thoma und Tobias Bachmann sowie Stadtrat Andreas Elliker in der Allmend.

Seht ihr da, den Laubfrosch? Chefaufseher Reinhold Müller mit seinen Aufseherkollegen Urs Thoma und Tobias Bachmann sowie Stadtrat Andreas Elliker in der Allmend.

Bild: Reto Martin

«Mein Lieblingsort in der Allmend ist wegen seiner Blumen der Zielhang, der auf dem Weg liegt, wenn man von Pfyn her kommt», sagt Stadtrat Andreas Elliker. «Mir gefällt besonders der Auenwaldrand mit seinen Schilfstreifen, zu dem man gelangt, wenn man hinter dem Polygon Richtung Thur läuft. Zu den richtigen Zeiten ist die Wahrscheinlichkeit gross, dort Wild zu sehen», hakt Chefaufseher Reinhold Müller ein.

Andreas Elliker, Stadtrat für Bau und Verkehr.

Andreas Elliker, Stadtrat für Bau und Verkehr.

Bild: Mathias Frei

Sie beide sind fest mit dem Naturschutzgebiet verbunden: Müller ist seit 14 Jahren Aufseher, Elliker ist aufgrund seiner Position als Leiter des Departements für Bau und Verkehr für wichtige Entscheidungen verantwortlich, welche die Frauenfelder Allmend betreffen.

Reinhold Müller, Chefaufseher in der Frauenfelder Allmend.

Reinhold Müller, Chefaufseher in der Frauenfelder Allmend.

Bild: Donato Caspari

1921 ist das 500 Hektaren umfassende Gebiet unter Naturschutz gestellt worden. Das ist genau 100 Jahre her – dieses Jubiläum wurde am Samstag mit einem Informationsrundgang gefeiert. Entscheidend dazu beigetragen, dass die Allmend so aussieht, wie sie dies heute tut, hat das Militär. Hätte dieses den Standort 1865 nicht als Waffenplatz gewählt, wäre die Wahrscheinlichkeit gross gewesen, dass das Gebiet umgenutzt und verbaut worden wäre. Wie vor mehr als 150 Jahren befindet sich die Allmend auch heute noch im Besitz des Bundes und dient als militärisches Übungsgebiet. Aber nicht nur das Militär beansprucht die Allmend: Auch verschiedene Vereine wie der Modellflugverein Frauenfeld oder die Frauenfelder Hornussergesellschaft nutzen das Gebiet.

30. Internationales Modellflugzeug-Oldtimertreffen in der Allmend.

30. Internationales Modellflugzeug-Oldtimertreffen in der Allmend.

Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld, 18.05.2019)

Es ist auch ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Bevölkerung. Ausserdem ist ein namhafter Anteil der Allmend zur landwirtschaftlichen Nutzung verpachtet: Seit 2018 ist das Paar Lisa Beutler und Markus Bösch Hauptpächter. Sie betreiben in erster Linie einen Schafbetrieb. Nicht zu vergessen sind die derzeit wegen der Restriktionen nicht stattfindenden Grossanlässe wie das von Zehntausenden besuchte Open Air, die ACS-Autorenntage und die Pferderennen. All diesen Bedürfnissen gerecht zu werden und ausserdem erfolgreich Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern, ist eine regelrechte Meisterleistung.

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Andrea Stalder

Aufseher erinnern fast täglich an die Regeln

Um eine solche zu bewerkstelligen braucht es Regeln – wie etwa das Weggebot oder die Leinenpflicht für Hunde. Die durchaus zwischenzeitlich mühsame Aufgabe, Hundehalter oder Spaziergänger an dies zu erinnern, übernehmen die Aufseher, die fast täglich in der Allmend präsent sind. Urs Thoma ist ein solcher Aufseher. Er kennt nicht nur die Regeln, sondern weiss auch viel Wissenswertes über die Bewohner des Naturschutzgebietes zu berichten:

«Besonders beeindruckend ist der Kammmolch, der hier ein Zuhause gefunden hat. Er ist eine der grössten Molcharten, ausgewachsen kann er bis zu 20 Zentimeter erreichen. Er sieht aus wie ein kleiner Wasserdrache mit gelb-schwarzem Bauch.»
Ein Kammmolch.

Ein Kammmolch.

Bild: Christian Von Arx

Derzeit aber mehr Aufmerksamkeit erheischt sich eine andere Amphibienart: der Laubfrosch. «Der Laubfrosch ist zwar der kleinste, aber der lauteste», sagt Thoma lachend. Derzeit sind die Männchen damit beschäftigt, Weibchen für die bevorstehende Laichsaison durch Rufen anzulocken. «Besonders am Laubfrosch ist, dass sich dieser verfärben kann. Darum wird er auch als Chamäleon der Amphibien bezeichnet», ergänzt er.

Blühender Klee.

Blühender Klee.

Bild: Reto Martin

Herausforderungen bleiben bestehen

Während das Sichten des Kammmolchs und des Laubfroschs Geduld und Glück braucht, stechen andere Schönheiten direkt ins Auge: etwa der Wiesenbocksbart, der derzeit seine grossen gelben Blüten zeigt, oder die lila Flockenblume. «In der Allmend wachsen auch einige heimische Orchideen, wie das Bienen-Ragwurz», sagt Tobias Bachmann, ebenfalls Aufseher. Die vielfältige Flora ist wiederum Lebensraum für viele Insektenarten – etwa den Schachbrettfalter. Der eher selten gewordene Schmetterling ist mittlerweile sehr häufig in der Allmend anzutreffen.

Wiesenbocksbart.

Wiesenbocksbart.

Bild: Reto Martin

Die Natur in der Allmend zu schützen, ist eine Herausforderung: Die vielfältigen Nutzungen führten immer wieder zu Reibungen. Umso bemerkenswerter, wie diese in 100 Jahren immer wieder gelöst werden konnten und sich heute eine derartige Artenvielfalt zeigt. Das lässt hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, denn die Herausforderungen bleiben bestehen.

Jubiläumsbuch der Naturforschenden Gesellschaft

Im Buch «100 Jahre Naturschutzgebiet Allmend Frauenfeld», welches anlässlich des Jubiläums herausgegeben worden ist, wird unter anderem in verschiedenen Kapiteln die Geschichte der Frauenfelder Allmend erläutert. So ist etwa zu lesen, dass 1886 die Bürgergemeinde die Frauenfelder Allmend als Schussfeld für die damals über eine Distanz von 3'000 Metern schiessende Artillerie an den Bund abgetreten hat, was die Stadt aber nicht daran hinderte, 1921 den Kern des Waffenplatzes zum Naturschutzgebiet zu erklären. Zudem sind dem Buch aber auch Informationen über die Wälder der Allmend und über die heimischen Fische sowie Säugetiere zu entnehmen – und vieles Weiteres. Das Buch ist auf Initiative der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft entstanden. (vst)