Mosttröpfli: Nachhilfe vom Juniorpartner

Der Kanton St.Gallen soll vom Thurgau lernen müssen. Also: Es gibt da ein paar Felder.  

Sebastian Keller
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Sebastian Keller, Redaktor «Thurgauer Zeitung».

Sebastian Keller, Redaktor «Thurgauer Zeitung».

(Bild: Reto Martin)

Der Kanton St.Gallen soll vom Thurgau lernen. Das fordert ein St.Galler SVP-Kantonsrat. Seine Partei ist zwar nicht unbedingt bekannt dafür, auf das Urteil fremder Richter etwas zu geben. Doch in medizinischen Notfällen gelten andere Gesetze. Die St.Galler Spitäler liegen auf der finanzpolitischen Intensivstation. Fünf Regionalspitälern droht das Aus.

Die Regionalpolitik zerreisst den Ringkanton. Anders im Thurgau: Das Gesundheitswesen bringt die Bevölkerung zusammen. Dem Einweihungsfest des neuen Kantonsspitals in Frauenfeld wohnten unlängst über 10000 Personen bei. Selbst Kerngesunde standen Schlange, um das Spital betreten zu dürfen.

Doch wenn der Thurgau den St.Gallern Nachhilfe gibt, können auch gleich weitere Defizite aufgearbeitet werden. Stichwort: Frauen in der Regierung. In St.Gallen tritt die einzige Regierungsrätin ab. Kommt es arg, trifft sich künftig in der Pfalz ein reiner Männerclub, die sogenannte Siebner-Runde.

Anders im Thurgau: Die amtierenden drei Regierungsrätinnen treten zur Wiederwahl an. Die Frauenmehrheit ist nicht in Gefahr. Im Gegenteil: Es wird bereits der Ruf nach einer Männerquote in der Regierung laut, um die Männervertretung im Gremium zu gewährleisten.

Stichwort Hügeli: Vor dem Thurgauer Bodenseeufer liegen Steine im Wasser. Das interessiert die ganze Welt. Die rund 150 Hügel aus Steinen zwischen Romanshorn und Bottighofen werden als «Bodensee-Stonehenge» vermarktet. Zu einem ZDF-Beitrag über das bislang ungeklärte Phänomen schalteten fast fünf Millionen Zuschauer ein.

Vom internationalen Scheinwerfer konnte der Bodenseeanrainer St.Gallen bislang nicht profitieren. Das könnte sich ändern. Neue Forschung offenbart, dass der irische Mönch Gallus um das Jahr 612 ein intensives Steinschiefer-Workout am Ufer abhielt. Damit ist endlich geklärt, weshalb er bei der Mühleggschlucht in einen Dornbusch stolperte. Vor lauter Erschöpfung.

Glosse

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Sebastian Keller