Nachhaltig und ökonomisch

Scharf auf Plastik: Studentinnen aus Bern haben fürs Alterszentrum Park in Frauenfeld ein massgeschneidertes Entsorgungskonzept erarbeitet

Das Alterszentrum Park bekommt gute Noten für seine Entsorgung, sei es bei den medizinischen Abfällen oder beim Grüngut. Indem zukünftig auch sauberer Kunststoff getrennt gesammelt wird, könnte die monatliche Restmüllmenge von 7,5 Tonnen aber noch weiter reduziert werden.

Mathias Frei
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Der für Plastikabfall konzipierte Sammelsack namens Kuh-Bag.

Der für Plastikabfall konzipierte Sammelsack namens Kuh-Bag.

Bild: Andrea Stalder

Der Plastikabfall fehlt noch, aber nicht mehr lange. Das von der Stadt Frauenfeld betriebene Alterszentrum Park (AZP) unterhält bereits eine umfangreiche Wertstoffsammlung. Pro Monat kommen so 250 Kilogramm Altglas, 400 Kilo Altpapier und Karton, zehn Kilo Batterien, 70 Kilo Altmetall, acht grosse PET-Sammelsäcke, 50 Kilo Alu und Weissbleich und zehn Kilo Neonröhren zusammen.

Aber es werden monatlich auch 7,5 Tonnen Restmüll angeführt. Und genau hier liegt noch viel Potenzial verborgen. Das hat eine Gruppe von zehn Studentinnen des Studiengangs «BetriebsleiterIn in Facility Management HF» der Höheren Fachschule BFF Bern herausgefunden.

Michael Tobler, Leiter Hotellerie im Alterszentrum Park

Michael Tobler, Leiter Hotellerie im Alterszentrum Park

Bild: Reto Martin

Die Frauen, die nun im letzten Semester ihrer vierjährigen berufsbegleitenden Ausbildung stehen, haben im vergangenen halben Jahr die Entsorgung im AZP genau unter die Lupe genommen. Ziel war es, ein praxistaugliches Entsorgungskonzept zu erarbeiten, das dem AZP eine nachhaltige und wirtschaftlich sinnvolle Wertstoff- und Abfallentsorgung ermöglicht. Gewissermassen Insiderin war bei dieser Arbeit Corina Bühler, sie ist Leiterin Reinigung im Alterszentrum Park. Am Dienstagnachmittag haben die Studentinnen ihre Ergebnisse den AZP-Verantwortlichen vorgestellt.

«Ziel erfüllt.»

Das ist für Michael Tobler, Leiter Hotellerie im Alterszentrum, klar. Er war Ansprechpartner seitens AZP als Auftraggeber der Konzeptarbeit. Intern hätte man dafür keinerlei Ressourcen gehabt. Man müsse sich ständig bewegen und sich hinterfragen, wenn man besser werden wolle, sagt er. Fakt ist: Im AZP hat in jüngerer Vergangenheit hinsichtlich systematischer Aufarbeitung ein neuer Geist Einzug gehalten. Man ist in Sachen nachhaltigen Wirtschaftens auf gutem Weg.

Weniger Lebensmittelabfall ist das Ziel

Das Alterszentrum Park (AZP) nimmt seit vergangenem Sommer an einer nationalen Vergleichsstudie zur Vermeidung von Food-Waste teil. Dabei wird die Menge an Lebensmitteln erfasst, die in der Grünguttonne enden. Mit Resultaten wird diesen Frühling gerechnet. Hinter der Studie steht der Verein United Against Waste (UAW), eine nationale Branchenorganisation im Food-Service-Bereich. Bereits Ende 2019 erhob UAW während vier Wochen detailliert die Lebensmittelabfälle im AZP. Daraus resultierten Empfehlungen für Massnahmen, die in der Umsetzung schnell Wirkung zeigten. (ma)    

Zu jeder Abfallart ein Merkblatt

Allzu viel lasse sich im AZP nicht mehr verbessern, ist die Meinung der Studentinnen. «Wir haben uns im Alterszentrum Park umgeschaut und uns gefragt, was hier nicht schon optimal gelöst sein soll.» Das sagt Sarah Krebs, die im Spital und Altersheim Belp bei Bern stellvertretende Leiterin Reinigung und Restaurant ist. Sie habe schon Einblick in viele Heiminstitutionen gehabt und ist der Meinung:

«Das Alterszentrum ist in dieser Hinsicht sehr fortschrittlich.»
Haupteingang des städtischen Alterszentrums Park in Frauenfeld.

Haupteingang des städtischen Alterszentrums Park in Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Die Studentinnen gaben sich vor, für die praktische Anwendung eine Übersicht aller Abfallarten zu erstellen. Zu jeder Abfallart sollte es ein entsprechendes Merkblatt geben. Zudem wurde auch auf eine Vereinheitlichung der Entsorgungsstellen abgezielt. Nach Istzustand, gesetzlicher Grundlage, Verbesserungspotenzial und dem gewünschten Sollzustand wurden die Abfallarten analysiert.

Einheitliche Kennzeichnung ist das A und O

Mit Ausnahme der medizinischen Abfälle lässt sich bei allen Abfallarten im AZP die sichtbare und einheitliche Kennzeichnung noch verbessern. Das Konzept schlägt dafür eine Kennzeichnung mit Farben, Piktogrammen und Beschriftungen vor. «Das ist sinnvoll, damit alle Entsorgungsstellen für alle Berufs- und Altersgruppen klar erkenn- und verortbar sind.» Das sagt Michael Tobler. Eine weitere Massnahme ist ein Wertstoffsammler, der überall eingesetzt werden soll, angefangen in den Wohngruppen. Die Studentinnen haben hierfür im Rahmen einer Nutzwertanalyse auch schon ein geeignetes Sammelsystem evaluiert. Diese Sammler werde man mittelfristig auch einführen, erklärt Tobler.

«Trennen der sauberen Kunststoffe zur Reduzierung der Restmüllmenge.»

Das ist eine wichtige Massnahme, die vorgeschlagen wird. Sie werde baldmöglichst eingeführt, sagt Michael Tobler. Nur schon die täglich eingesetzten Einweg-Tablettenbecher stellten eine nicht unwesentliche Menge dar. Familie Tobler sammelt daheim auch Plastikabfall. So lässt sich die Abfallmenge um einen Drittel reduzieren, sagt er. Sammelsäcke gibt es bereits, die sogenannten Kuh-Bags, und entsprechend auch Annahmestellen, in Frauenfeld die Firma Hugelshofer.

Richtiger Umgang mit heiklem Medizinabfall

Spritzenaufsätze werden im AZP richtig entsorgt.

Spritzenaufsätze werden im AZP richtig entsorgt.

Bild: Michel Canonica

Positiv aufgefallen ist den Studentinnen der Umstand, dass das AZP-Grüngut zur Verwertung einer Biogasanlage zugeführt wird. Was die medizinischen Abfälle betrifft, arbeitet man im AZP schon auf hohem Niveau. Spitze oder scharfe Gegenstände wie Spritzenaufsätze werden in sogenannten Sharp-safe-Boxen entsorgt. Und diese wiederum werden in Sicherheitsbehältnissen gelagert. Neu für Tobler war, dass diese Spritzenabfälle mittlerweile auch von Hugelshofer abgeholt werden. Das wurde von den Studentinnen abgeklärt.

«Der Mehrwert dieses Entsorgungskonzepts ist viel grösser als nur die zukünftige Kunststoffsammlung.»

Das steht für den Leiter der AZP-Hotellerie fest. Mit dem Konzept, das man nun erstmals zur Hand habe, sei zudem auch eine sehr grosse Vorarbeit geleistet worden für etwaige Zertifizierungen im Bereich des Qualitätsmanagements.