Nach Unwetterschäden: Die Länta-Hütte des Schweizer Alpenclubs ist gerettet

Die SAC-Sektion Bodan hat es geschafft: Ihr Berghaus im Valsertal kann 2020 wieder öffnen.

Silvan Meile
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Die Südfassade der Länta-Hütte musste neu erstellt werden.

Die Südfassade der Länta-Hütte musste neu erstellt werden.

Bild: SAC Bodan/PD

Jörg Sinniger fällt ein Stein vom Herzen. «Wir können den Betrieb unserer Hütte wieder aufnehmen», sagt der Präsident der Sektion Bodan des Schweizerischen Alpenclubs (SAC). Seit mehr als hundert Jahren besitzt diese im obersten Valsertal auf 2090 Meter über Meer die Länta-Hütte. Doch vergangenen Sommer blieb das Berghaus geschlossen. Ein Kraftakt war nötig, damit die Hütte und somit auch die Sektion Bodan überhaupt noch eine Zukunft haben.

Noch vor einem halben Jahr standen die Thurgauer Alpinisten am Abgrund. Im Juni beschädigte ein Unwetter ihre Hütte am Fuss des Reinwaldhorns. 150 Kubikmeter Fels stürzten ins Tal. Zwei Felsbrocken krachten dabei auf die Hütte, zogen Dach und Fassade stark in Mitleidenschaft (diese Zeitung berichtete).

Ein Felssturz im Juni 2019 beschädigte die Hütte stark.

Ein Felssturz im Juni 2019 beschädigte die Hütte stark.

SAC Bodan / PD

Die Hütte ist nun sicherer als zuvor

Seither ist viel passiert beim SAC-Bodan. «Der Hosenlupf ist geschafft», sagt Sinniger. Falls sich am Berg erneut Gesteinsbrocken lösen sollten, fängt nun ein Schutzdamm diese auf. Ein erster Härtetest ist auch schon bestanden. Denn durch die Felssprengungen oberhalb der Hütte donnerten bereits weitere 4000 Kubikmeter Gestein ins Tal. Sinnger sagt:

«Bei dieser Sprengung zeigte sich, dass der neue Schutzdamm die Hütte optimal schützt.»

Erst als Geologen danach den Berg als sicher einstuften, konnte grünes Licht für die Reparatur der Hütte gegeben werden.

Bauarbeiten an der Hütte im Herbst 2019.

Bauarbeiten an der Hütte im Herbst 2019.

SAC Bodan / PD

«Zimmerleute, Dachdecker, Maurer, Fensterbauer und Elektriker, die meisten aus dem Oberthurgau, haben die Hütte wieder instandgesetzt», sagt Patrick Maly, verantwortlicher Hüttenchef der Sektion Bodan. Auch viele Freiwillige hätten angepackt. Um das Material zur Hütte zu bringen, brauchte es einige Helikopterflüge. Im Wettlauf gegen die Zeit mussten das Dach und die Fassade repariert werden.

«Mit dem Wintereinbruch konnten die massgeblichen Arbeiten abgeschlossen werden.»

Die letzten Arbeiter hätten dann aber Schneeschuhe anziehen müssen, um nach dem mehrtägigen Aufenthalt in der Hütte zurück ins Tal zu gelangen. «Mit der Instandsetzung wurden zugleich einige Verbesserungen an der Hütte realisiert und zusätzliche Solarmodule installiert», sagt Sinniger. Ab Mitte März können wieder Tourenskifahrer in ihr übernachten. Am 5. Juli gibt es ein grosses Wiedereröffnungsfest.

Auf der Rückbau stand im Raum

Die Sektion Bodan ist neben dem SAC Thurgau ein zweiter Verein im Kanton mit einer eigenen Berghütte. Nach dem Felssturz musste eine ausserordentliche Versammlung einberufen werden. Dort stand auch die Aufgabe der Hütte zur Diskussion. Mit überwältigendem Mehr haben sich die Mitglieder für die Reparatur der Hütte ausgesprochen. Sie hiessen einen Kredit von 434'500 Franken gut.

Zur Sicherheit: Sprengungen oberhalb der Länta-Hütte nach dem Felssturz.

Zur Sicherheit: Sprengungen oberhalb der Länta-Hütte nach dem Felssturz.

SAC Bodan / PD

Die Schäden an der Hütte selber sind zwar versichert, nicht aber die Sicherheitsmassnahmen, die aufgrund der von den Bündner Behörden aktualisierten Gefahrenkarte nötig wurden. Als besonders teuer stellte sich die Felssprengung heraus. «Ein Spendenaufruf brachte bisher 180'000 Franken ein», sagt Sinniger. Ausserdem hätte der Zentralverband des SAC zusätzliche 120'000 Franken zugesagt.

Thurgauer Bergfreunde feiern

Die Länta-Hütte der Sektion Bodan des Schweizerischen Alpenclubs wurde vor 100 Jahren eingeweiht. Sie steht im Valsertal im Kanton Graubünden. 1968 musste die Hütte nach einem Lawinenniedergang neu gebaut werden.
Martin Knoepfel