Nach sechs Jahren Wartezeit: Jürg Truninger aus Hörhausen hat den ersten Trüffel auf seiner Plantage ausgegraben

2014 hat der Landwirt Jürg Truninger eine Trüffelplantage gepflanzt. Jetzt, sechs Jahre danach, trägt seine Arbeit erstmals Früchte. Der Fund des ersten Trüffels ist überraschend – nicht nur, weil die Pilzsaison schon fast vorbei ist.

Stefan Marolf
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Jürg Truninger präsentiert den ersten Trüffel, den seine Plantage hervorgebracht hat. Für einmal war seine Hündin Nubia nicht am Fund beteiligt.

Jürg Truninger präsentiert den ersten Trüffel, den seine Plantage hervorgebracht hat. Für einmal war seine Hündin Nubia nicht am Fund beteiligt.

Bild: PD

Dunkelbraun, baumnussgross und knubbelig – so sieht Jürg Truningers erster Lohn für sechs Jahre Arbeit aus. Truninger, der in Hörhausen vor allem Erdbeeren und Kirschen anbaut, setzt seit 2014 auch auf Trüffel. Auf einer Fläche von etwa mehr als einem Hektare wachsen 700 Bäume, deren Wurzeln zuvor mit Pilzsporen geimpft worden waren.

«Ich habe Buchen, Eichen, Haslen und Schwarzkiefern gepflanzt und versucht, die natürlichen Bedingungen für die Trüffel nachzubilden», sagt Truninger. Jetzt trägt seine Arbeit Früchte: Am Donnerstag vor einer Woche hat der 40-jährige Landwirt den ersten Trüffel auf seiner Plantage ausgegraben.

«Er war etwa 50 Gramm schwer, ein schöner Knollen», sagt Truninger, der den Trüffel schon gegessen hat, und:

«Er wäre etwa 35 Franken wert gewesen und war vom Geschmack her sehr intensiv. Es hat alles gepasst.»

Ein Zufallsfund gegen Saisonende

Er sei eigentlich gar nicht auf Pilzsuche gewesen, sagt Truninger über den Tag seines grossen Fundes. «Ich habe zwei Gästen die Plantage gezeigt, als plötzlich einer ihrer beiden Hunde anfing zu buddeln. Es war nicht einmal mein Hund, der den Trüffel gefunden hat.» Das schmälerte Truningers Freude nicht.

«Es kam total unerwartet. Es ist schon relativ spät in der Saison, und ich habe nicht mehr daran geglaubt, vor dem Winter noch einen Pilz zu finden.»

Sein Ehrgeiz war trotzdem geweckt. «Ich habe danach mit meiner Hündin Nubia die Reihen noch mehrmals abgesucht – leider ohne Erfolg.» Auch wenn das Saisonende naht, gibt er noch nicht auf. «Wir gehen jetzt bis im Dezember noch einmal pro Woche auf die Suche.»

Sollte sie ergebnislos bleiben, hofft der Trüffelbauer schon jetzt auf den nächsten Herbst. Dann wird seine Plantage sieben Jahre alt sein. Ab dem fünften und bis zum zehnten Jahr rechnet Truninger mit steigenden Erträgen. «Es geht jetzt langsam los, nächstes Jahr werden es vielleicht schon ein bis zwei Kilo Trüffel sein, die meine Plantage hergibt.»

Weil es keine Garantie dafür gibt, dass Jürg Truninger je mit seinen Trüffeln Geld verdienen kann, ist das Interesse an seinem Projekt umso grösser.

«Alle sind gespannt, weil ich etwas Neues wage. Einige glauben, aus meiner Plantage werde nie etwas, andere fiebern mit mir mit.»

Als Truninger seinen ersten Fund auf Facebook postete, liessen die «Gefällt mir»-Angaben und Kommentare nicht lange auf sich warten.

Suche nach weiteren Paten für zweite Plantage

Für Trüffelbauer Truninger kommt die Aufmerksamkeit im besten Moment. Ende Oktober hat er rund 500 Bäume für eine zweite Plantage gepflanzt – weitere 150 sollen in den nächsten Tagen folgen. «Auf der neuen Anlage sollen Perigortrüffel wachsen. Sie gelten als die kulinarisch besten.»

Für sein neues Projekt sucht Truninger – wie schon bei der ersten Pilzanlage – 100 Trüffelpaten. An Interessenten dürfte es nicht mangeln.

«Es sind schon ein paar Anfragen reingekommen, weil die Leute jetzt sehen, dass meine Idee funktioniert.»