Nach Schuss am Bahnhof Kreuzlingen: Das Protokoll einer Belästigungstour – ein Handgemenge, zwei Übergriffe, drei Täter

Drei junge Asylbewerber mit einer Waffe machten am Freitag die Kreuzlinger Innenstadt unsicher.

Urs Brüschweiler
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Am Freitag verbreiteten drei junge Asylbewerber in Kreuzlingen Angst und Schrecken.

Am Freitag verbreiteten drei junge Asylbewerber in Kreuzlingen Angst und Schrecken.

Getty

Mit einer Schussabgabe am Kreuzlinger Stadtbahnhof ging der nächtliche Aufruhr am Freitag zu Ende. Ein Polizist feuerte, weil ein 25-jähriger Albaner bei seiner Verhaftung zur mitgeführten Pistole griff. Verletzt wurde dabei niemand. Der junge Mann mit der Waffe und seine zwei Begleiter, ein 29-jähriger Albaner und ein 19-jähriger Algerier, machten zuvor die Kreuzlinger Innenstadt unsicher. Sie wohnen im nahegelegenen Ausschaffungszentrum für abgewiesene Asylbewerber, wie die Kantonspolizei am Montag bestätigte.

Wie Recherchen unserer Zeitung aufzeigen, haben die drei während der Stunden zuvor schon Angst verbreitet. Am frühen Abend sprachen sie vor einem Speiselokal im Stadtzentrum zwei Frauen an. «Sie waren recht aufdringlich», schreibt eine der beiden. Aber sie hätten sie abwimmeln können. Am Busbahnhof, wenige Meter weiter, belästigten die Männer – mutmasslich dieselben – ein 15-jähriges Mädchen in sexueller Absicht, wie die Polizei bestätigte. Das Mädchen und ihre vier Begleiterinnen flüchteten in der Folge in ein anderes Lokal. Der Wirt sagt:

«Sie waren ziemlich aufgelöst, ein Mädchen weinte.»

Die jungen Frauen suchten Schutz und berichteten, dass sie von drei Männern verfolgt würden. Einer habe eine Pistole dabei.

In der Tat tauchten diese wenige Minuten später ebenfalls auf. Der Wirt und ein anderer Gast verwehrten ihnen jedoch den Einlass ins Lokal.
«Sie rochen nach Alkohol», erzählt der Wirt. Im Gespräch – sie sprachen schlecht Englisch und teilweise auch andere Fremdsprachen – hätten sie gesagt, sie seien «notgeil, aber hätten kein Geld». Bevor sie abzogen, sei es zu einem Handgemenge gekommen. Eine Frau, die im Lokal zu Gast war, trug ein blaues Auge davon.

Das belästigte Mädchen liess sich später von seinem Vater abholen. Als dieser die Männer am Stadtbahnhof zur Rede Stellen wollte, kassierte er mehrere Schläge und wurde mit der Waffe bedroht. Als die Polizei anrückte, versuchten die Männer zu fliehen, erfolglos.


Das sagt die Kantonspolizei Thurgau: «Die drei befinden sich in Haft»

Am Freitagabend wurden in Kreuzlingen die drei jungen Männer verhaftet, die eine 15-Jährige belästigt haben sollen. Michael Roth, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, nimmt Stellung zum Vorfall.

Herr Roth, haben Sie auf den Zeugenaufruf Reaktionen erhalten?

Ja.

Wie «20 Minuten» berichtet, wurde eine Frau ebenfalls von den Männern angesprochen. Können Sie das bestätigen?

Die Frau hat sich telefonisch bei der Kantonspolizei Thurgau gemeldet. Die Befragung sowie weitere Abklärungen stehen noch aus.

Befinden sich die drei am Freitag festgenommenen Männer noch in Haft?

Ja, die drei befinden sich derzeit in Haft.

Es handelt sich um einen Algerier und zwei Albaner. Gemäss Recherchen leben diese im Ausschaffungszentrum. Können Sie das bestätigen?

Ja, das ist richtig.

Hat die Zahl der Vorfälle in Kreuzlingen zugenommen, seit das Empfangszentrum letzten Frühling zum Ausschaffungszentrum umfunktioniert wurde?

Nein, wir stellen keine Zunahme von Delikten fest, auch keine Häufung von Delikten wie diesen. (meg)

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