Nach Rücktritt im Stadtrat von Steckborn: Gregor Rominger und Stadtpräsident Roman Pulfer erklären «unterschiedliche Auffassung der Amtsführung»

Dezenter Knall am Untersee: Gregor Rominger tritt als Stadtrat von Steckborn zurück. Er darf aber nicht wie geplant per sofort abtreten.

Samuel Koch
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Die Hafenanlage des historischen Unterseestädtchens Steckborn.

Die Hafenanlage des historischen Unterseestädtchens Steckborn.

Bild: Donato Caspari

«Mit unterschiedlichen Auffassungen der Amtsführung». Diese Begründung steht in einer sec verfassten Mitteilung zum Rücktritt von Gregor Rominger als Steckborner Stadtrat, die Stadtpräsident Roman Pulfer am Dienstagabend um 19.26 Uhr verschickt hat.

Gregor Rominger, der als Parteiloser seit seiner Wahl 2013 für das Ressort Bauten, Werke, Raumordnung verantwortlich zeichnet, wollte das siebenköpfige Gremium ursprünglich mit sofortiger Wirkung verlassen. «Der Rat hat diesen Wunsch einstimmig abgelehnt und Rominger gebeten, seine Funktion noch bis Ende Juni 2020 wahrzunehmen», sagt Stadtpräsident Pulfer zum Entscheid des Stadtrates vom Montag.

Baldpensionär kümmert sich um Wohnbaugenossenschaft Linde

Gregor Rominger (Jahrgang 1956) gibt auf Anfrage nicht detaillierter Auskunft über seine Beweggründe:

Gregor Rominger, Stadtrat von Steckborn (von April 2013 bis Juni 2020)

Gregor Rominger, Stadtrat von Steckborn (von April 2013 bis Juni 2020)

Bild: Rahel Haag
«Mein Entscheid erfolgt nicht Knall auf Fall.»

Es sei von Anfang an sein Ziel gewesen, nach acht Jahren im Stadtrat zurückzutreten. «Das habe ich fast erreicht», sagt der Baldpensionär, der sich auch nach seinem Rücktritt weiter um die Geschicke der Wohnbaugenossenschaft Linde kümmert.

Stadtrat als Macher vs. Stadtpräsident mit juristischem Fokus

«Es gibt keinen Krach und keinen Scherbenhaufen», sagt auch Roman Pulfer und betont, dass die Beteiligten nichts zu verstecken hätten. Der Stadtpräsident macht aber auch kein Geheimnis daraus, dass die «unterschiedlichen Auffassungen der Amtsführung» seit seinem Amtsantritt im Juni 2019 vermehrt für Spannungen gesorgt haben. Pulfer sagt:

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn seit Juni 2019.

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn seit Juni 2019.

Bild: Andrea Stalder
«Die Arbeit hat sich für alle verändert.»

Gregor Rominger sei ein Macher, ein Mann der Taten, der stets vorwärts machen wolle. Pulfer hingegen seien die Beachtung der korrekten Abläufe und die demokratische Legitimation der Entscheide sehr wichtig. Zu Belastungen hätten nicht einzelne Projekte geführt, von denen in Steckborn derzeit einige heisse Eisen sind, wie die Revision der Ortsplanung, der Sportplatz oder der Umbau des Schützenhauses. Rominger und Pulfer sagen unisono:

«Es gab nicht das eine Projekt als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.»

Den sofortigen Rücktritt ausgeschlagen hat der Stadtrat wegen der Vorbereitungen für eine geordnete Übergabe. Zudem will der Stadtrat bei der Reorganisation von Romingers Erfahrung profitieren. «Wir alle möchten eine saubere Amtsübergabe», sagt Pulfer.

Ersatzwahl im Herbst

Wer nicht mehr wolle, könne nicht zur Ausübung eines Amtes gezwungen werden. Das zeige auch der Blick seeabwärts nach Eschenz, wo der Gemeinderat wegen mehrerer Rücktritte plötzlich nicht mehr beschlussfähig war. So weit kommt es in Steckborn indes nicht. Das Bauressort dürfte ab Juli Stadtrat Jonas Füllemann als bisheriger Stellvertreter Romingers übernehmen.

Die Ersatzwahl findet am Sonntag, 27.  September, statt.

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