Nach Einsturz geht’s langsam wieder aufwärts: Die Frauenfelder Tourismusbranche erholt sich

Trotz vielen Westschweizer Gästen verzeichnet die Frauenfelder Hotellerie im Juni nur halb so viele Logiernächte wie im Vorjahr. Coronabedingt fehlen vor allem die Geschäftsreisenden. Die Hotelchefin Simona Maier sagt: «In diesem Jahr ist alles anders.»

Amina Mvidie
Drucken
Teilen
Feriengefühle in der Stadt: Am Schlossberg essen Schleckmäuler ihr Glace.

Feriengefühle in der Stadt: Am Schlossberg essen Schleckmäuler ihr Glace.

Bild: Andrea Stalder

Das Open Air und die Tour de Suisse haben nicht stattgefunden. Veranstaltungen, die heuer viele Besuchende in die Stadt gelockt hätten. «Frauenfeld ist kein touristischer Hotspot», sagt Markus Hirt. Er führt das gleichnamige Hotel im Rhyhof, welches auf Geschäftsreisende ausgerichtet ist. Er ergänzt:

Markus Hirt führt das Hotel im Rhyhof.

Markus Hirt führt das Hotel im Rhyhof.

Bild: Donato Caspari
«Unsere internationale Klientel fehlt, da viele Firmen mit Videokonferenzen arbeiten, um Auslandsreisen zu vermeiden.»

Umso erfreuter zeigt er sich, dass während der Sommerferien viele inländische Touristen – vor allem aus der Westschweiz – ihren Weg in die Thurgauer Hauptstadt gefunden haben.

Die Zahlen steigen

Ein Blick auf die nackten Zahlen zeigt, dass die Frauenfelder Hotellerie vielversprechend ins neue Jahr gestartet ist. Während die Zahl der Logiernächte im Februar laut der Thurgauer Dienststelle für Statistik in den vergangenen Jahren unter 3000 lag, waren es heuer mit 3786 Übernachtungen mehr als in den Vorjahren.

Doch dann hat die Coronapandemie die Hotellerie fast ins Bodenlose gestürzt. Obwohl die Zahlen mittlerweile wieder steigen und sich die Branche erholt, verzeichneten die Hotels im Juni 2623 Logiernächte. Das entspricht etwas weniger als der Hälfte von 2019.

Frühstückszeiten bis 10 Uhr verlängert

«In diesem Jahr ist alles anders», sagt Simona Maier. Ihr Hotel Frauenfeld ist ebenfalls auf Berufsreisende ausgerichtet. Obschon sie nach wie vor Geschäftsleute aus dem nahen Ausland beherbergt, sei der Anteil an inländischen Touristen während der Ferien gestiegen.

Aufgefallen seien auch ihr die vielen Französisch sprechenden Gäste. Die Hotelschefin sagt:«Ändert sich die Klientel, ändern sich auch die Bedürfnisse», sagt die Hotelchefin. «Aufgrund der vielen Feriengäste haben wir unsere Frühstückszeiten bis 10 Uhr verlängert.»

Dass mehr Romands in Frauenfeld Ferien gemacht haben, ist der Inhaberin des Gasthofs zum Falken Carine De Steffani hingegen nicht aufgefallen. Sie sagt:

«Wir hatten schon immer viele Gäste aus der Westschweiz.»

Das liege an der dreisprachigen Website sowie am Personal, das teilweise Französisch spreche, vermutet sie. Laut De Steffani war der Gasthof Anfang August zu knapp zwei Drittel ausgelastet.

Zu den Gästen zählten nebst Geschäftsleuten vor allem Familien, Velorundreisende und Pensionäre. Frauenfeld erweise sich aufgrund der zentralen Lage als guter Ferienstandort. Sie sagt: «Von hier aus erreicht man rasch das ‹Conny Land›, die Bodenseeregion oder Schaffhausen.»

Prospektbehälter häufig aufgefüllt

Caroline Schwar, die Geschäftsführerin von Regio Frauenfeld Freizeit und Tourismus, hat schon rosigere Zeiten erlebt. Zwar habe sie die Prospekt­behälter mit Ausflugs- und Stadtkarten während der Ferien besonders häufig auffüllen müssen, aber dies ändere nichts am Rückgang der Anfragen. Sie sagt:

Caroline Schwar ist die Geschäftsführerin von Regio Frauenfeld Freizeit und Tourismus.

Caroline Schwar ist die Geschäftsführerin von Regio Frauenfeld Freizeit und Tourismus.

Bild: Andrea Stalder
«Wir haben nur noch einen Viertel der Kunden von zuvor.»

Nachdem das Tourismusbüro während zweier Monate komplett geschlossen war, hat das Team um Schwar den Betrieb Mitte Mai schrittweise wieder aufgenommen. Der Detektiv-Trail werde seither am meisten gebucht. «Diesen Sommer hatten wir viele Anfragen von auswärtigen Touristen, wo sonst eher Anfragen für Ausflüge oder Anlässe aus der Region kommen», sagt sie.

Auch sei ihr aufgefallen, dass mehr Leute aus weiter entfernten Kantonen in Frauenfeld unterwegs waren. Diese Entwicklung begrüsst sie. «Ich erhoffe mir, dass Schweizer auch in Zukunft vermehrt Ferien in ihrem eigenen Land machen.»

Mehr zum Thema

«Öpfel meets Rüebli»: Thurgauer können vergünstigt Ferien machen im Aargau und umgekehrt – der Schweizer Tourismuschef gratuliert zur Idee

Der Thurgau wird von inländischen Feriengästen überrannt. Campingplätze müssen gar Touristen abweisen. Dafür leiden Hotels, die auf Geschäftstourismus spezialisiert sind. Mit einer gemeinsamen Kampagne wollen Thurgau Tourismus und Aargau Tourismus die Bevölkerung in den jeweils anderen Kanton locken.
Larissa Flammer, Christian Kamm

Auf Entdeckungsreise mit dem Thurgauer Dachs

Im Thurgau eröffneten zuletzt mehrere Dachs-Trails. Ob auf Papier oder dem Smartphone, es geht um mehr als nur den Schatz am Ziel. Auf dem Weg dahin warten einige Rätsel und viele wissenswerte Infos.
Samuel Koch