Ob der unerwarteten Wahl kommt ein grüner Listenfüller aus dem Unterthurgau ins Staunen

Biobauer Simon Weilenmann aus Basadingen schafft für die Grünen überraschend den Sprung in den Grossen Rat.

Thomas Brack
Drucken
Teilen
Nichtsahnend von seiner Wahl in den Grossen Rat pflanzt Biobauer Simon Weilenmann mit seinen Kindern auf dem Guggenbühl einen Mirabellenbaum.

Nichtsahnend von seiner Wahl in den Grossen Rat pflanzt Biobauer Simon Weilenmann mit seinen Kindern auf dem Guggenbühl einen Mirabellenbaum.

(Bild: PD/Caroline Wenger)

Er kandidiert auf dem elften Platz der Grünen als Listenfüller und rechnet nicht damit, gewählt zu werden. Da die Wahlfeier am Sonntag abgesagt ist, erfährt er von der Wahl in den Grossen Rat erst um 18 Uhr von seinem Vater Hannes Weilenmann, der ihn anruft und ihm gratuliert. Simon Weilenmann ist Biobauer, 39-jährig, verheiratet und Vater von vier Kindern. Er bewirtschaftet den Bio-Bauernhof «Chalchofe» in Basadingen – ein Hof mit 21 Hektaren, Mischbetrieb von Ackerbau und Mutterkuhhaltung. Den Betrieb hat er 2010 von seinem Vater übernommen, einem Biopionier der ersten Stunde. Auf dem Guggenbühl gibt es neben einem Rebberg auch eine Mischung aus Weideland und Obstbau.

Guggenbühl mit Bio-Wein, Obst- und Weideland

Die Anhöhe befindet sich auf halber Höhe zwischen Basadingen und Willisdorf. Unübersehbar sind die zahlreichen, sorgfältig mit Holz umzäunten Stämme der jungen Hochstämmer auf einer Wiese. Momentan grasen dort Walliser Landschafe.

«Der Grund für die robusten Hage liegt darin, dass bald auch Mutterkühe mit ihren Kälbern hier weiden werden. Daher brauchen die Jungbäume diesen Schutz.»
Das Wahlbild von Simon Weilenmann.

Das Wahlbild von Simon Weilenmann.

(Bild: PD)

Das sagt Weilenmann. Es handelt sich zur Hauptsache um Apfelbäume alter Sorten wie Spartan und Boskoop. Aber er pflanzt auch Nuss- und Kastanienbäume, welche sich der Klimaerwärmung besser anpassen. Oft fressen Mäuse die Wurzeln der Jungbäume. Wenn dort aber Schafe und Kühe grasen, zertrampeln sie deren Gänge und schützen so die Wurzeln der Bäume. «Dies ist ein Beispiel für eine symbiotische Wechselwirkung», sagt der Biobauer.

Wahlfeier der Grünen im ganz kleinen Rahmen vor dem Eisenwerk in Frauenfeld.

Wahlfeier der Grünen im ganz kleinen Rahmen vor dem Eisenwerk in Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Ökologische Vielfalt für gesunde Nahrungsmittel

Weilenmann ist ein engagierter Vertreter der Permakultur. Diese will mit Mischkulturen das Wirtschaften vor Ort mit regionalen Ressourcen fördern. Er sagt:

«Um Insektensterben und Wasservergiftung durch Pestizide zu vermeiden, ist in der Landwirtschaft ein Wandel nötig: Weg von der intensiven Monokultur zur extensiven Mischkultur.»

Dass die Entwicklung in diese Richtung weitergeht, dafür kann sich der Biobauer nun im Grossen Rat einsetzen. «Ehrlich gesagt habe ich überhaupt nicht mit meiner Wahl gerechnet», sagt der frisch gebackene Kantonsrat. Der Betrieb und die junge Familie füllen seine Tage jetzt schon aus. Was könnte symbolischer sein als das Pflanzen eines Mirabellenbaumes am Tag seiner Wahl?

Mehr zum Thema: 

Magere Bioernte wegen Pilzbefall

Das bisherige Sommerhalbjahr bereitete den Biobauern im Thurgau wenig Freude. Durch die feuchtwarme Witterung machte den Landwirten der Pilzbefall Probleme. Es wird mit Ernteeinbussen gerechnet.
Mathias Frei