Nach der Schliessung Ende August gibt es wieder Hoffnung für die Aadorfer Buchhandlung Büecher-Chorb

Ein guter Businessplan und viel Sachverstand: Eine Gruppe von Aadorfern und Bücherfreunden präsentierte am Samstagvormittag einem interessierten die Wiederbelebungspläne für den Buchladen, der erst kürzlich schliessen musste.

Kurt Lichtensteiger
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Die Projektgruppe: Paul Lüthi, Cornelia Hasler-Roost, Michael Haldemann, Peter Bühler, Patrick Neuenschwander, Anschi Inauen sowie Sabina Peter Köstli.

Die Projektgruppe: Paul Lüthi, Cornelia Hasler-Roost, Michael Haldemann, Peter Bühler, Patrick Neuenschwander, Anschi Inauen sowie Sabina Peter Köstli.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)

Die Schliessung der Buchhandlung Büecher-Chorb per Ende August war für die Aadorfer Bevölkerung eine Hiobsbotschaft (unsere Zeitung berichtete). Doch nun gibt es wieder Hoffnung. Mag das definitive Aus noch nicht gekommen sein. Was nährt den Glauben daran? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen weckt eine klug zusammengesetzte siebenköpfige Initiantengruppe, ausgestattet mit fundiertem Sachverstand, ein grosses Mass an Vertrauen. Zum andern geniesst die bisherige Geschäftsführerin Anschi Inauen viel Goodwill bei der treuen Kundschaft.

Anschi Inauen, designierte Geschäftsführerin.

Anschi Inauen, designierte Geschäftsführerin.

(Bild: Kurt Lichtensteiger)

Kommt dazu, dass nicht nur der Gewerbeverein hinter einem Neustart steht, sondern offenbar auch eine grosse Anzahl von Aadorferinnen und Aadorfern, die am Samstagvormittag mit coronakonformem Abstand den Gemeindesaal und gar dessen Galerie füllten. Die gefühlte Stimmung war so gut, dass einem erfolgreichen Neustart eigentlich nichts mehr entgegenzustehen scheint. Weil jedoch Emotionen weniger entscheidend sind als Fakten, mussten vor allem Letztere ein Sprachrohr haben.

Als die Buchhandlung noch offen war.

Als die Buchhandlung noch offen war.

(Bild: Olaf Kühne)

Bereits im dritten Jahr ein kleiner Gewinn geplant

«Ich bin als Initiant eines Bücherladens hier und nicht als Standortförderer der Gemeinde», sagte Peter Bühler, bekanntlich ein überzeugter Anhänger der Genossenschaftsform.

«Jeder hat unabhängig von der Anzahl Anteilsscheinen eine Stimme, kann mitbestimmen, hat keine Nachschusspflicht und ist nicht persönlich haftbar bei Misslingen. Das ist die demokratischste Gesellschaftsform.»

Das sagte der Ettenhauser. Aber wie genügend Kapital beschaffen? Dazu legte Bühler einen Finanzplan vor: Das erste Betriebsjahr soll einen Umsatz von 285'000 Franken und ein Minus von 50'000 Franken ausweisen, im zweiten Jahr 326'000 Franken Umsatz und 16'000 Franken Verlust. Im dritten Jahr soll mit einem Umsatz von 389'000 Franken ein Gewinn von gut 2000 Franken erwirtschaftet werden. «Vorsichtig kalkuliert», wie es hiess.

Ende September sollen genügend Absichtserklärungen für Anteilscheine in der Höhe von je 500 Franken zusammen sein. Viele davon wurden gleich vor Ort ausgefüllt und sinnigerweise in einen Korb gelegt. Anfang Oktober soll der Entscheid über ein Für oder Wider fallen. Die vorgesehene Eröffnung soll Mitte November sein, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Um die Liquidität zu gewährleisten, ist ein Startkapital von rund 100'000 Franken nötig.

Als die Buchhandlung noch offen war.

Als die Buchhandlung noch offen war.

(Bild: Olaf Kühne)

Mitinitiant Michael Haldemann wies auf den Mehrwert hin, der durch die Integration eines Online-Shops entsteht. Reichweite, Öffnungszeiten, Sortiment und Lieferung sind Trümpfe. Gewerbepräsident Paul Lüthi, mit 153 Gewerbetreibenden im Rücken, kann auf deren Unterstützung zählen.

«Das Gewerbe braucht den ‹Büecher-Chorb› und umgekehrt.»

Das meinte er. Das Lokal, wofür eine Monatsmiete von 1500 Franken zu Buche steht, werde in der kurzen Zeit noch leicht modernisiert.

Gleich zweimal erhielt die 35-jährige Anschi Inauen nach ihren rührenden Worten spontanen Beifall, nämlich einerseits für ihren Mut und ihre grossartige Arbeit, andererseits für ihre Zusage, weitere Jahre im Dienste des «Büecher-Chorb» tätig zu sein. «Mein Herzblut schlägt für diesen Buchladen», versicherte die Frauenfelderin. Ein Versprechen, das auf die Aadorfer Bevölkerung ausstrahlen dürfte. Die Gründung einer Genossenschaft rückt dank dem grossen Interesse näher.

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