«Nach der Rückgabe kommen die Bücher für 72 Stunden in Quarantäne»: Die Thurgauer Kantonsbibliothek hat nach zehn Wochen wieder ihre Türen geöffnet

Thurgauer Leseratten haben Grund zur Freude: Die Kantonsbibliothek in Frauenfeld ist seit Montag wieder offen. Allerdings dürfen sich maximal 60 Personen gleichzeitig in der Bibliothek aufhalten. «Die Atmosphäre ist nicht dieselbe wie vor Corona», sagt Kantonsbibliothekar Bernhard Bertelmann.

Rahel Haag
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Endlich wieder geöffnet: Vor der Kantonsbibliothek in Frauenfeld stehen die ersten Kunden Schlange.

Endlich wieder geöffnet: Vor der Kantonsbibliothek in Frauenfeld stehen die ersten Kunden Schlange.

Bild: Rahel Haag

Dario und sein Bruder Ramon sind schwer bepackt. Jeder der Buben trägt einen Sack, gefüllt mit Büchern. «Sie freuen sich auf neuen Lesestoff», sagt ihre Betreuerin Dominique Ender. Was sie ausleihen wollen, wissen der Neun- und der Zwölfjährige noch nicht so recht. Vielleicht einen Lucky-Luke-Comic oder ein Buch übers Fischen.

«Ich möchte ein Buch über Meerschweinchen», sagt ihre fünfjährige Schwester Lorena, «Ich habe nämlich zwei.» Die vier warten vor der Kantonsbibliothek geduldig auf Einlass. Nach zehn Wochen werden sie die ersten Kunden sein.

Umfunktionierte Cafeteria und Einbahnverkehr

«Wir sind parat», sagt Kantonsbibliothekar Bernhard Bertelmann. Im Innern weisen grüne Pfeile den Weg. Mitarbeiterin Maria Solovey nimmt die Kunden in Empfang und erklärt den Ablauf. Bertelmann sagt:

«Wir haben ein Schutzkonzept erarbeitet.»
Bernhard Bertelmann, Kantonsbibliothekar.

Bernhard Bertelmann, Kantonsbibliothekar.

Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld, 18. Januar 2018)

Es herrsche Einbahnverkehr. Wer Bücher zurückgeben will, biegt nach rechts ab – in die umfunktionierte Cafeteria. Wer etwas Neues ausleihen möchte, nimmt die Treppe nach oben.

Insgesamt dürfen sich in der Bibliothek 60 Personen gleichzeitig aufhalten. Die klare Weisung ist draussen zu lesen: «Halten Sie Ihren Bibliotheksbesuch aus Rücksicht auf nachfolgende Kundinnen und Kunden so kurz wie möglich ab.»

Lesesaal bleibt geschlossen, die Tische sind ausgeräumt

Bertelmann geht voraus die Treppe hoch. «Die Atmosphäre ist nicht dieselbe wie vor Corona.» Er freue sich darauf, wenn die Kinder wieder herumrennen und die Studenten in der Cafeteria wieder einen Kaffee trinken.

Davon, dass die Bibliothek aktuell kein Aufenthaltsort ist, zeugen die leeren Flächen. Bertelmann sagt:

«Wir haben alle Tische ausgeräumt.»

Er zückt einen Schlüssel und schliesst die Tür zum Lesesaal auf. Hier stehen mehrere Kisten, gefüllt mit Büchern.

«Nach der Rückgabe kommen sie für 72 Stunden in Quarantäne.»

Auch die 27-jährige Alessandra Biondi gehört zu den ersten Kundinnen. «Ich habe online ein Buch bestellt, das ich jetzt abhole.» Aktuell lernt sie für die Anwaltsprüfung. Sie sagt:

«Ich bin froh, dass die Bibliothek wieder offen ist, aber ich plange darauf, dass der Lesesaal wieder aufgeht.»

Mit der Wiedereröffnung geht zugleich die Zeit des Lieferservice zu Ende. «Die Kunden konnten online Bücher bestellen, die wir dann nach Hause lieferten», sagt Bertelmann. Das hätten viele geschätzt. «Jetzt können sie die Bücher dafür wieder vor Ort auswählen.»