Nach dem überraschenden Abgang der Sirnacher Gemeindeschreiberin sollen es Externe richten

Ein Organisationsberater erhält vom Sirnacher Gemeinderat den Auftrag, die Kündigung der Gemeindeschreiberin aufzuarbeiten. Der Fall beschäftigt auch die Ortsparteien. Nach einem Gespräch mit dem Gemeinderat zeigen sie sich aber zufrieden.

Olaf Kühne
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Ins Sirnacher Gemeindehaus soll wieder Ruhe einkehren.

Ins Sirnacher Gemeindehaus soll wieder Ruhe einkehren.

(Bild: Nana do Carmo)

Von den fünf Sirnacher Ortsparteien sind SP und Grüne nicht im Gemeinderat vertreten. Der überraschende Abgang von Gemeindeschreiberin und Verwaltungsleiterin nach nur gerade zwei Jahren scheuchte indes alle fünf Parteipräsidenten auf.

Schliesslich sei es seit der Pensionierung von Peter Rüesch vor fünf Jahren bereits die dritte Kündigung «in dieser Schlüsselfunktion», schreiben Roger Piberauer (FDP), Fredi Kuhn (SP), August Eisenbart (CVP), Andreas Schmidt (Grüne) und Christof Stutz (SVP) in einer gemeinsamen Stellungnahme. Man sei besorgt, weil bei jeder Kündigung viel Know-how verloren gehe, und jeder Wechsel auch mit Kosten für den Steuerzahler verbunden sei, so der Tenor.

Die Parteivorsteher hatten sich deshalb mit einem Brief an den Gemeinderat gewandt. Mitauslöser war nicht zuletzt die offizielle Begründung von Kesselrings Kündigung, die Zusammenarbeit zwischen ihr und dem Gemeinderat sei unbefriedigend. «Das wirft ein suboptimales Licht auf den Gemeinderat, erweckt es doch beim Lesen den Eindruck eines Zerwürfnisses, das die Verwaltung substanziell betrifft», sind die Parteipräsidenten überzeugt.

Kündigung nicht weiter erörtert

Mit dem Verlauf des Gespräches, welches jüngst zwischen ihnen und dem Gemeinderat stattgefunden hat, zeigen sie sich nun aber zufrieden. Zwar habe das Gremium die Kündigung aufgrund des Persönlichkeitsschutzes nicht weiter erörtern können.

Hingegen habe die Behörde alle weiteren Fragen bezüglich Verwaltungsmodell, Bürgernähe der Verwaltung, Umgang mit Differenzen, Stellenbeschrieb und nicht zuletzt der Aufarbeitung der Kündigung offen beantwortet. «Der Austausch war konstruktiv, und Befürchtungen eines Attraktivitätsverlustes des Arbeitsplatzes Gemeinde Sirnach konnten aus dem Weg geräumt werden», ist denn auch der Stellungnahme zu entnehmen. «Auch sind keine offensichtlichen organisatorischen Mängel zu Tage getreten.»

Organisationsberater mit Aufklärung beauftragt

Dennoch gibt der Sirnacher Gemeinderat in den aktuellen Gemeindenachrichten seinen Beschluss bekannt, «den Umständen des Weggangs umfassender auf den Grund zu gehen». Hierfür hat die Behörde mit Organisationsberater Othmar Fries einen externen Fachmann beauftragt.

Bei aller Harmonie, einen kleinen Fingerzeig können sich die Parteipräsidenten zum Schluss ihrer Stellungnahme dann doch nicht verkneifen:

«Im Hinblick auf die Behördenwahlen 2023 sind sich die Ortsparteien ihrer Rolle sehr wohl bewusst.»

Stellen interimistisch besetzt


Für die Nachfolge der Ende August abtretenden Sirnacher Gemeindeschreiberin und Verwaltungsleiterin sind laut Gemeindepräsident Kurt Baumann bereits Bewerbungen eingetroffen. Um dennoch einen Unterbruch in der Besetzung dieser beiden kommunalen Schlüsselfunktionen zu vermeiden, hat der Gemeinderat eine interimistische Lösung getroffen: Für die Verwaltung zeichnet vorübergehend Kanzleileiter Fabio Bottega verantwortlich.

Die Funktion des Gemeindeschreibers übernimmt in einem 50-Prozent-Pensum der ehemalige Diessenhofer Stadtschreiber und Verwaltungsleiter Armin Jungi. Er war nach seiner Pensionierung bereits ein Jahr lang für die Gemeinde Sirnach tätig – als Projektleiter Hochbau. (kuo)

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