Nach dem Sitzverlust von Chrampfe&Hirne im Frauenfelder Stadtrat: «Waren uns der Risikokandidatur bewusst»

Eine böse Überraschung für Chrampfe&Hirne. Am Wahlsonntag verliert die Gruppierung den Stadtratssitz, den man sich 2005 erkämpft hatte. Der nicht gewählte Johannes Eiholzer erhofft sich mit Blick auf die Gemeinderatswahlen einen Jetzt-erst-recht-Effekt.

Mathias Frei
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Bekanntgabe der Resultate am Wahlsonntag: CH-Kandidat Johannes Eiholzer neben CH-Gemeinderätin Salome Scheiben. (Bild: Andrea Stalder)

Bekanntgabe der Resultate am Wahlsonntag: CH-Kandidat Johannes Eiholzer neben CH-Gemeinderätin Salome Scheiben. (Bild: Andrea Stalder)

Tag 1 nach der Nicht-Wahl: Johannes Eiholzer wirkt gefasst. «Während des Wahlkampfs haben wir bemerkt, dass ich nicht so wahnsinnig bekannt bin», sagt er und spricht von einer mutigen Kandidatur. Der 28-Jährige hätte für CH die Nachfolge von Urs Müller im Stadtrat übernehmen sollen. Müller war auch erst 32-jährig, als er 2005 sensationell gegen den SVP-Vertreter Bruno Diethelm in einer Ersatzwahl obsiegte und in den Stadtrat einzog. Damals hatte CH vier Mandate im Gemeinderat, mittlerweile sind es sieben. Sie machen CH zur zweitstärksten Partei im Stadtparlament, gleich stark wie die FDP.

Auf Kosten von CH zieht nun aber FDP-Vertreter Fabrizio Hugentobler in den Stadtrat ein. Eiholzer verpasst mit 2763 Stimmen das absolute Mehr zwar nur um 197 Stimmen, kommt damit aber nicht über den siebten und letzten Platz hinaus. Eiholzers Wählerinnen und Wähler hätten die vielversprechende Kandidatur auch als Chance begriffen, im Stadtrat neue Sichtweisen einzubringen, sagt CH-Präsident Charles Landert.

«Wer mich wählte, hat das mit Überzeugung gemacht»

Natürlich sei man sich der Risikokandidatur bewusst gewesen, sagt Landert. Und natürlich hätte man eine Wahl Eiholzers im ersten Wahlgang als Glücksfall erachtet. Aber: «Dieses Resultat hätte ich der Wählerschaft nicht zugetraut.»

Charles Landert, CH-Präsident. (Bild: Nana do Carmo)

Charles Landert, CH-Präsident. (Bild: Nana do Carmo)

«Was unseren Wahlkampf betrifft, haben wir uns nichts vorzuwerfen», sagt Eiholzer. Wer ihn letztlich gewählt habe, der habe das mit Überzeugung gemacht. Problematisch seien vielmehr nicht beeinflussbare Faktoren gewesen. Bereits mit der Ankündigung der GLP-Kandidatur vor allen anderen sei es gegen die CH-Kandidatur gelaufen, analysiert Eiholzer.

«Letztlich hat man sich fraktionsintern mit zwei Kandidaturen und auf der linken Seite mit gesamthaft drei Kandidaturen selber zerfleischt.»

Das meint Eiholzer rückblickend. Die weiteren Kandidaten aus den Reihen der FDP und der EVP hätten es später auch nicht einfacher gemacht.

Vor vier Jahren gingen mehr Stimmbürger an die Urne

Bei den Stadtrats-Gesamterneuerungswahlen 2015 betrug die Stimmbeteiligung bei der Stadtpräsidiumswahl über 51 Prozent – im Gegensatz zu den 44 Prozent von diesem Sonntag. Vor vier Jahren ging es aber zugegebenermassen auch um ein neues Präsidium: Andreas Wirth, Roland A. Huber oder der schliesslich erfolgreiche Anders Stokholm. Dagegen stand 2015 im Stadtrat keine Änderung an. Ein unbekannter fünfter Kandidat war chancenlos, obwohl er das absolute Mehr schaffte. Ein lockerer Wahlkampf für die vier bisherigen Stadtratsmitglieder. Gleichwohl gingen für ihre Wahl fast 48 Prozent der Stimmberechtigten an die Urne. Trotz der spannenden Ausgangslage betrug die Stimmbeteiligung diesen Sonntag nur 45 Prozent. (ma)

Auch Charles Landert ist schlecht auf die GLP-Kandidatur zu sprechen: «Der Ego-Trip des schwächsten Fraktionspartners und das Blabla betreffend Back-up der CH-Kandidatur war nichts anderes als eine Anbiederung an die FDP.» Nicht weniger hart geht Landert mit eben diesen Freisinnigen ins Gericht:

«Das Bekenntnis der FDP zur Konkordanz, als es 2015 um die erstmalige Wahl von Stokholm ging, ist heute als Falschheit entlarvt.»

Eiholzer pflichtet ihm bei: «Wer gegen die Konkordanz arbeitet, handelt unschweizerisch.» Aber nun sei es halt Fakt, dass die zweitstärkste Partei im Rat, welche die zweitgrösste Fraktion anführe, zukünftig Oppositionspolitik betreiben werde. Und Landert fügt an, man sei überzeugt, dass der Rechtsrutsch und der Ausschluss von CH aus der Exekutive nicht gut seien für Frauenfeld.

Eiholzers Wahlkampf politisierte viele Junge

Eiholzers Politkarriere ist mit der Nicht-Wahl zwar vorerst wieder beendet, weil er nicht auf der CH-Liste für den Gemeinderat fungiert. Seine Hoffnung ist aber, dass ein Jetzt-erst-recht-Effekt einsetzt und CH bei den Legislativwahlen am 31. März sitzmässig weiter zulegen kann.

«Mit meinem Wahlkampf konnten wir viele Junge politisieren. Das hilft uns für die Zukunft.»