Nach dem Schock: Lichtblick für Lehrlinge der konkursiten Frauenfelder Metallbaufirma Tuchschmid

Der Schock sitzt tief, nachdem 100 Angestellte wegen des Konkurses der Frauenfelder Tuchschmid AG ihren Arbeitsplatz verlieren. Die 16 Auszubildenden jedenfalls haben gute Chancen für neue Lehrverträge.

Stefan Hilzinger
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Beim Schleifen mit der Flex fliegen die Funken.

Beim Schleifen mit der Flex fliegen die Funken.

Benjamin Manser

Im November erst hatte der Drittsekschüler aus Felben seinen Lehrvertrag für Sommer 2020 bei der Tuchschmid AG in Frauenfeld unterschrieben und dann der Schock: Sein künftiger Lehrbetrieb geht kurz vor Weihnachten in Konkurs. Doch der Sekschüler kann aufatmen. Seine Mutter sagt auf Anfrage:

«Der Lehrbetrieb, bei dem er ebenfalls geschnuppert hatte, hat sich bei uns gemeldet. Unser Sohn kann nun die Lehre dort beginnen.»

Der Schüler aus Felben ist nur einer von 16 Auszubildenden, die mit dem Konkurs der Frauenfelder Stahl- und Metallbaufirma ihrer Perspektive beraubt wurde. Doch für viele von ihnen stehen die Chancen gut, kurzfristig einen neuen Lehrbetrieb zu finden. Zwei der bisherigen Tuchschmid-Lehrlinge etwa haben bereits bei der Frauenfelder Metallbaufirma Oppikofer Unterschlupf gefunden.

Ein Lehrling ist aus dem ersten und einer aus dem vierten und letzten Lehrjahr, wie Geschäftsführer Olivier Oppikofer erzählt. «Einer hat uns noch an besagtem Freitag, dem 13., angerufen. Beide haben die Woche danach bei uns angefangen», berichtet Oppikofer weiter. Man helfe gerne, schliesslich sei die Branche betroffen. «Es tut auch uns weh, wenn ein Betrieb wie Tuchschmid aufgeben muss», sagt Oppikofer.

Je schlanker eine Lösung, desto besser

Freude an solch schlanken, unkomplizierten Lösungen hat Stefan Curiger, der Leiter betriebliche Bildung beim Thurgauer Amt für Berufsbildung und Berufsberatung, wo die Fäden für die gestrandeten Lehrlinge zusammenlaufen. Curiger sagt:

«Die Chancen stehen gut für sie. Wir haben viele Anfragen von Metallbaufirmen erhalten, die Ausbildungsplätze anbieten.»

Anfang Januar lädt das Amt die Betroffenen und ihre Eltern zu einem Informationsanlass ein (siehe Kasten). «Umso besser, wenn sich schon vorher Lösungen ergeben», sagt Curiger. Dass Tuchschmid auch als Ausbildungsbetrieb einen guten Ruf genossen hatte, dürfte helfen.

Auch Jörg Hochuli hat ein gutes Gefühl, dass die Lehrlinge aus Frauenfeld bald in neuen Betrieben unterkommen. Der Unternehmer aus Wigoltingen ist Präsident der Thurgauer Metallbauer. «Berufsbildungsamt und Berufsschule haben toll reagiert und sofort Listen erstellt mit interessierten Lehrbetrieben», sagt Hochuli.

Intakte Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Im Thurgau würden pro Jahrgang zwischen 12 und 15 Metallbaufachleute ausgebildet, sagt Hochuli. Das genüge jeweils für eine Klasse in der Berufsschule. Allgemein sei das Angebot an Lehrstellen grösser als die Nachfrage. Das bestätigt Olivier Oppikofer. «Wer einen guten Schnupperstift hat, sollte ihn sofort anbinden», sagt er. Auf freie Lehrstellen gebe es deutlich weniger Bewerbungen als noch vor zehn Jahren.

Oppikofer geht zudem davon aus, dass auch ausgebildete Metallbaufachleute aktuell gute Chancen hätten, auf dem Arbeitsmarkt etwas Neues zu finden.

«Schwieriger wird es für Hilfskräfte ohne Ausbildung und für besondere Spezialisten.»

Die ehemaligen Tuchschmid-Angestellten werden seit dem Konkurs vom Arbeitsvermittlungszentrum RAV in Frauenfelder betreut.

Hundert Stellen weg

Mit dem Konkurs der 170-jährigen Tuchschmid AG verlieren in Frauenfeld hundert Angestellte ihre Arbeit, darunter auch solche, die ihr ganzes Berufsleben für die renommierte Stahl- und Metallbaufirma tätig waren. Betroffen sind auch 16 Lehrlinge. Laut Stefan Curiger, Abteilungsleiter betriebliche Bildung beim Thurgauer Amt für Berufsbildung und Berufsberatung, sind zwei kaufmännische Lernende sowie acht Metallbauer, fünf Metallbaukonstrukteure und ein Metallbaupraktiker in Ausbildung vom Konkurs betroffen. Am 8. Januar findet für die betroffenen Jugendlichen und ihre Eltern ein Informationsanlass statt, wo letzte Fragen um die Fortführung der Ausbildung geklärt werden sollen. Sollten die Lernenden nicht alle bei Thurgauer Metallbaufirmen unterkommen, so werde man die Fühler auch in Nachbarkantone ausstrecken, sagt Curiger. (hil)

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