«Nach dem Fang sofort töten»: Kanton Thurgau gibt deutliche Empfehlung im Umgang mit der Schwarzmeergrundel 

Noch hat die Schwarzmeergrundel die Thurgauer Seen und Flüsse nicht erreicht. Der Allesfresser soll ferngehalten werden. Als neuste Präventionsmassnahme hat der Kanton ein Merkblatt veröffentlicht.

Sebastian Keller
Drucken
Teilen
Die Kesslergrundel ist eine in der Schweiz unerwünschte Grundelart. Sie frisst Laich einheimischer Fische. (Bild: Piets Spaans)

Die Kesslergrundel ist eine in der Schweiz unerwünschte Grundelart. Sie frisst Laich einheimischer Fische. (Bild: Piets Spaans)

Eingeladen hat sie niemand. Dennoch dürfte die Schwarzmeergrundel dereinst in Thurgauer Gewässer einwandern. «Wir rechnen damit, dass sie auftaucht», sagt Christoph Maurer, Präsident des Thurgauer Fischereiverbandes. «Bis jetzt hatten wir Glück.» Das bestätigt Roman Kistler. Der Leiter der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung sagt:

«Aktuell ist uns keine Anwesenheit von invasiven Grundeln im Thurgau bekannt.»

Damit das so bleibt, hat sein Amt zusammen mit dem Amt für Umwelt das Merkblatt «Invasive Grundeln erkennen und richtig handeln» erarbeitet. Eine Anweisung im Umgang mit den Fischen ist so klar wie der Bodensee im Winter: «Nach dem Fang sofort töten.»

Explosionsartige Vermehrung in Basel

Um die Furcht vor dem Fisch zu verstehen, ist ein Blick rheinabwärts hilfreich. Im Herbst 2011 konnten bei Basel die ersten Kessler- und Schwarzmundgrundeln nachgewiesen werden. Sie vermehrten sich explosionsartig: 2017 machten sie rund 85 Prozent der im Kanton Basel-Stadt gemeldeten Fischfänge aus. Nicht zur Fischers Freude. Die Basler Behörden schreiben:

«Sie sind räuberische Allesfresser und können einheimische Fischarten allmählich verdrängen.»

Grundeln bedrohen gefährdete Arten wie Nase, Äsche, Groppe oder Barbe. In der Rheinmetropole ist deshalb auch die Uni im Boot. Das «Grundelteam» – interdisziplinär zusammengesetzt – erarbeitet Bekämpfungsmassnahmen. Doch die Grundeln sind nicht so treu wie die Fans des FC Basel: Auf dem Thurgauer Merkblatt heisst es, die invasiven Grundeln wandern rheinaufwärts.

Aktuell befinden sie sich zwischen den Staustufen der Kraftwerke Rheinfelden und Säckingen. Das schreibt die Thurgauer Regierung in der Antwort eines Vorstosses vom Februar. Dem Eindringen in den Bodensee steht der Schwarzmeergrundel ein natürliches Hindernis im Weg: «Der Rheinfall bildet eine natürliche Barriere, die die Grundeln aus eigner Kraft nicht überwinden können», heisst es auf dem Merkblatt.

Schwimmen sie bald die Thur hoch?

Der Präsident des Thurgauer Fischereiverbandes gibt zu bedenken, dass das für den Bodensee gelte. «Aber nicht für die Thur.» Diese fliesst bereits in Flaach in den Rhein. Es gilt war als eher unwahrscheinlich, dass die als schlechte Schwimmer geltende Grundel Fischtreppen oder Wehre überwinden. Die Gefahr geht von fahrlässigen Komplizen aus. «Das blödeste wäre», sagt Maurer, «wenn sie jemand in Basel fängt und dann im Thurgau aussetzt». Auch die Regierung schliesst diese Möglichkeit nicht aus. Ebenfalls die Verwendung von Grundeln als Köder – obwohl diese im Bodensee verboten sind.

Laut Regierung besteht das grösste Risiko eines unbeabsichtigten Verschleppens bei Booten. So könnten Fischlarven oder Eier mit Booten, die von einem zu einem anderen Gewässer versetzt werden, unabsichtlich in neue Gewässer verbreitet werden. So etwa durch Restwasser in Booten oder in deren Motorenraum.

Um diese Verschleppung zu verhindern, müssten Boote vor dem erneuten Einwassern gereinigt werden. Die Regierung schreibt: «Zu prüfen ist daher, bei jeder Einwasserungsstelle einen Hinweis auf die Problematik anzubringen sowie den Weg zur nächstgelegene Waschstelle aufzuzeigen.» So etwa zu Autowaschanlagen.

Aus dem Schwarzen Meer eingeschleppt

Schwarzmeergrundel ist ein Sammelbegriff für verschiedene Grundelarten. Gemein ist den räuberischen Allesfressern eine saugnapfähnliche Bauchflosse. Die Kesslergrundel und die Schwarzmundgrundel wurden hierzulande bereits nachgewiesen. Weitere Arten sind die Flussgrundel, die Nachthalsgrundel sowie die Marmorierte Grundel. Sie stammen ursprünglich aus dem Schwarzen Meer. Seit der Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals breiten sie sich auch in Mitteleuropa aus. Die Aufnahme von Ballastwasser bei Schiffen begünstigt ihre Verbreitung. (seb.)

Hinweis
Das neue Merkblatt auf der Seite des Kantons. 

Invasion von Schwarzmeergrundeln im Bodensee befürchtet

Nur ein Flusskraftwerk bei Basel stoppte bisher die Ausbreitung der gefürchteten Schwarzmeergrundeln bis in den Bodensee. Aus dem Thurgauer Grossen Rat werden Abwehrmassnahmen verlangt. In Basel stellte man zuletzt einen Einbruch der Bestände fest.

EINWANDERER: Ein gar gefährliches Fischlein

Die Schwarzmeergrundel vermehrt sich explosionsartig in Schweizer Gewässern. Erreicht sie den Bodensee, dann ist es um Felchen und Egli schlecht bestellt. Denn sie frisst deren Laich.
Sabrina Bächi