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Nach 40 Jahren schliesst in Basadingen die Metzgerei

Martin und Erika Fehr hören auf Ende September auf. Es findet sich kein Nachfolger für die Metzgerei und Wursterei in Basadingen.
Margrith Pfister-Kübler
Martin und Erika Fehr hören nach 40 Jahren auf. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Martin und Erika Fehr hören nach 40 Jahren auf. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

«Wir machen einen schönen Umsatz. Es wäre eine Existenz», sagen Metzgermeister Martin Fehr und Ehefrau Erika in ihrem Geschäftshaus an der Diessenhoferstrasse. Ende September schliessen sie nach 40 Berufsjahren ihre bio-zertifizierte Dorfmetzg in Basadingen. Die Liegenschaft steht zum Verkauf.

Dass keine Nachfolger für die Dorfmetzg gefunden wurden, entspreche dem aktuellen Zeitgeist: zu wenig Metzger und keine Kredite für junge Leute, die sich selbstständig machen wollen.

Den Metzgern geht der Nachwuchs aus

Laut Martin Fehr haben im Jahr 2019 in der Schweiz bisher nur 170 ausgebildete Metzger ihr Diplom erhalten. «Es gibt zu wenig gut ausgebildete Metzger», sagt Martin Fehr. Er zeigt Verständnis dafür, dass die jungen Leute heute nur bis 17 Uhr arbeiten und nicht abends noch im Einsatz für Party-Services stehen wollen. Auch am Samstag wird in der Branche «gschaffet». Man müsse eine Metzgerei zusammen mit seiner Frau führen als Team – und guten Mitarbeitern. Sie sagen:

«Wir haben immer gutes Personal gehabt.»

Sie loben ihre ehemalige Lehrlinge. Und um die beiden Verkäuferinnen in Teilzeit, die aktuell zum Team gehören, müssten sie sich keine Sorgen machen: «Das sind zwei Goldschätze, die finden schnell eine Anstellung», ergänzt Erika Fehr.

Alle Würste sind selbst gemacht

Das Fundament für den Erfolg der Metzgerei Fehr waren nebst dem Fleisch die Wurstspezialitäten. «Wir haben keine Würste zugekauft. Alle wurden selbst gemacht, von der FC-Bratwurst scharf und grob bis zur Tomaten- oder Chriesiwurst», sagt Martin Fehr. Alles bio und fernab von Massenware brachte Kundschaft von weither.

Was heisst bio-zertifiziert? «Do chasch nöd bschisse», sagt der Metzgermeister mit einem Lachen. Für den Bio-Inspektor muss alles belegt werden, jede Rechnung, jedes Gewicht, alles, selbst Gewürze – damit alles nachverfolgt werden kann. Zusammenarbeit mit Bio-Bauern genoss höchste Priorität, traditionell erzeugte Wurstwaren seien gefragt. Ein Widerspruch: Einerseits seien hochwertige Wurst- und Fleischspezialitäten gefraget, trotzdem würden kleinere Metzgereien mehr und mehr verschwinden.


Abschiedsfest eine Woche vor Ladenschluss

Martin und Erika Fehr hören aus Altersgründen auf. Martin Fehr wird kommenden Mai 66 Jahre alt. Am 28. September wird der Laden in Basadingen definitiv geschlossen. Eine Woche vor Schluss, am Samstag, 21. September, laden sie zum Abschiedsfest. Für die Bauern in der Umgebung werde er noch bis Ende Mai 2020 Fleisch für die Direktvermarktung portionieren und verpacken. «Verkaufen müssen es die Bauern selbst», sagt Martin Fehr. Geschlachtet wird im Schlachthaus Ramsen. (kü)

Martin Fehr ist ein Bauernsohn aus Flaach, seine Frau Erika, geborene Roth, stammt aus der Metzgerei und Gasthof Lamm in Diessenhofen. Martin Fehr wollte schon immer Metzger werden, aber ein Allrounder-Metzger. Schon Grossvater «Schaggie» war Metzger. «Du musst als Metzger Fleisch lieben», sagt er, und Ehefrau Erika ergänzt: «Bei uns kann man in der Metzgerei noch reden, lachen und Tipps holen.»

Bevor sie die Liegenschaft der Käserei-Genossenschaft Basadingen gekauft haben, war die heutige Metzgerei Del Grosso in Diessenhofen in Fehrs Besitz. Sie zogen nach Basadingen, weil sie die Wursterei in Diessenhofen nicht ausbauen konnten. Nachfolge durch die Kinder, war das keine Option? «Nein. Unsere Tochter Brigitte Vetsch-Fehr arbeitet als Gemeindeschreiberin in Wäldi, und unser Sohn Bruno Fehr als Elektriker in Diessenhofen.»

Jetzt mehr Zeit fürs Ruderboot

Herausforderungen liebt der Metzgermeister Martin Fehr immer noch: Wenn der Schlüssel der Metzgerei endgültig gedreht wird, rudert er am Starnberger See um Medaillen als Mitglied des Ruderclubs Steckborn. Auch Ehefrau Erika Fehr rudert. Neue Arbeit wartet auch schon: das Restaurieren eines alten Holzruderbootes.

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