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Frauenfelder Musikgeschäft kommt in jüngere Hände

Sylvia und Marcel Meyer übergeben nach gut 30 Jahren ihr Lebenswerk und wandern nach Schottland aus. Nicole und Michel Gehring führen das Musikfachgeschäft H+Mmusic an der Frauenfelder Balierestrasse unter dem bisherigen Namen weiter.
Evi Biedermann
Marcel und Sylvia Meyer (hinten) wühlen mit ihren Nachfolgern Michel und Nicole Gehring im Vinylangebot von H+Mmusic. (Bild: Reto Martin)

Marcel und Sylvia Meyer (hinten) wühlen mit ihren Nachfolgern Michel und Nicole Gehring im Vinylangebot von H+Mmusic. (Bild: Reto Martin)

Sie werden weder Schafe züchten, noch ein Bed & Breakfast eröffnen und auch in keinen Dudelsack blasen, sondern sich in Schottland als erstes ihr Wohnhaus bauen. Denn auf dem 7,6 Hektaren grossen Grundstück, das Sylvia und Marcel Meyer auf der Isle of Skye gekauft haben steht – noch nichts. «Nach dem ersten Rundgang um unser Land habe ich mich schon gefragt, ob der Entscheid richtig war», sagt Marcel Meyer. Heute schmunzelt er darüber, denn längst sind die Zweifel verflogen. Und seit vor einem Monat die Baubewilligung eintraf, steht dem Abenteuer nichts mehr im Weg. Eine wichtige Aufgabe sei noch nicht ganz vollendet, hält Sylvia Meyer dagegen: die sorgfältige Geschäftsübergabe an Michel und Nicole Gehring. Bis zur Abreise in etwa zwei Monaten wollen die Auswanderer ihre Nachfolger unterstützen und ihnen noch möglichst viel von ihrem Fachwissen vermitteln. «H+Mmusic ist unser Lebenswerk», sagt Sylvia Meyer. Da sage man nicht einfach tschüss und ade.

Der Aufbruch kommt früher als geplant

Dass sie einmal auswandern wollen, haben Meyers schon früh entschieden. Vollzogen werden sollte der Schritt allerdings erst in ein paar Jahren. Mal lockte New Orleans, dann Südfrankreich, bis plötzlich Schottland attraktiv wurde. Dort befindet sich auch der Hauptsitz von Linn Products Ltd. Linn ist die wichtigste Marke von H+Mmusic und bringt Kunden aus der ganzen Schweiz nach Frauenfeld. So kam es nebst regelmässigen Firmen- und Schulungsbesuchen in Glasgow auch immer wieder zu Ferienreisen durch Schottland. Auf der Isle of Skye sind dann die Würfel gefallen. «Ich habe mich dort auf Anhieb heimisch gefühlt», erzählt Sylvia Meyer mit leuchtenden Augen. Dass die Auswanderung nun bereits jetzt erfolgt, ist einem Schicksalsschlag zuzuschreiben. Marcel Meyer erlitt vor drei Jahren seinen zweiten Schlaganfall, von dem er sich zwar erholt hat, weiterhin aber mit ungewissen motorischen Einschränkungen konfrontiert ist. «Für meine Frau war die Belastung sehr gross, das Geschäft mehrheitlich alleine zu führen», sagt Marcel Meyer. Ihr Plan war deshalb, die Ladenfläche zu verkleinern. Auch war man mit dem potenziellen Nachfolger bereits seit längerem im Gespräch.

«Wir teilen dieselbe Leidenschaft und zeigen den Leuten, wie Musik besser klingen kann.» Michel Gehring, Nachfolger H+Mmusic.

Eine glückliche Fügung, nennt Sylvia Meyer die Entwicklung der vergangenen Monate. Man kann es auch als Krönung einer langjährigen Kundenbeziehung betrachten – Michel Gehring hat als 15-Jähriger bei Marcel Meyer seine erste Stereoanlage gekauft – wonach sich die Kundenbeziehung allmählich zu einer Freundschaft zu viert entwickelte. «Wir teilen dieselbe Leidenschaft und zeigen den Leuten, wie Musik besser klingen kann», sagt Michel Gehring. Der gelernte Informatiker sieht sein Spezialgebiet in Technik und Support, während seine Frau, eine studierte Human-Biologin, mit Leidenschaft Plattenspieler zusammenbaut. Die Nachfolger haben das Geschäft bereits Anfang Mai übernommen. Die Liegenschaft an der Balierestrasse bleibt in Teilbesitz von Sylvia und Marcel Meyer. Zur Zeit werden die Räume umgebaut und neu gestaltet, der Laden ist bereits wieder geöffnet (siehe Kasten).

Das Abenteuer beginnt im Wohnwagen

«Wir sind nicht nur Musikfachleute, sondern mittlerweile auch Auswanderungsprofis», sagt Sylvia Meyer mit Blick auf die recherchenreiche und aufwendige Vorbereitungszeit. Weitere Spezialisierungen sind bereits vorprogrammiert oder angedacht. Allein die Tatsache, dass der Aufbruch nach Schottland auf Beginn der Bauphase geplant ist, spricht dafür. Bis zum Einzug ins neue Haus werden Meyers in einem Caravan auf dem Grundstück wohnen und die Bauarbeiten mitverfolgen. Hochaktuell ist auch das Thema Selbstversorgung. «Ein paar Hochlandrinder zu halten, würde dann schon dazugehören», sagt Marcel Meyer, der Bauernsohn. Und so ganz ohne Musik wird es wohl auch nicht gehen. Sylvia Meyer, die Tenorsaxofon, Streichpsalter und Akkordeon spielt, kann sich vorstellen, den Psalter in ihrer neuen Heimat zu unterrichten. Auch möchte sie Gälisch lernen, das nebst Englisch heute vorwiegend noch auf den Inneren und Äusseren Hebriden und in den Highlands gesprochen wird.

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