Nach 30 Jahren ist Schluss mit der Müllheimer Metzgerei Ebnöther

Rosi und Toni Ebnöther schliessen Ende Oktober ihre Dorfmetzgerei in Müllheim. Vergeblich haben die beiden während der vergangenen zehn Jahre nach einem Nachfolger gesucht.

Stefan Hilzinger
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Rosi und Toni Ebnöther richten in ihrer Metzgerei Ware zum Verkauf. (Bild: Donato Caspari)

Rosi und Toni Ebnöther richten in ihrer Metzgerei Ware zum Verkauf. (Bild: Donato Caspari)

Es hätte zwar nicht so kommen sollen. Doch nun, drei Monate bevor Rosi und Toni Ebnöther ihre Metzgerei in Müllheim für immer schliessen, überwiegt die Erleichterung der Enttäuschung. Denn sie wollen aufhören, bevor es zu spät ist. «Vergangene Weihnachten hatte ich plötzlich Herzflimmern, und meiner Frau geht es gesundheitlich auch nicht bestens», sagt Toni Ebnöther. Sie haben beide das 60. Lebensjahr überschritten und die Zeichen erkannt – und setzten den Schliessungstermin schon seit längerem auf diesen Herbst fest. Dreissig intensive Jahre als selbstständige Kleingewerbler fordern Tribut.

«Es gab Zeiten, da arbeiteten wir sechseinhalb Tage die Woche»

sagt Rosi Ebnöther. Da hiess es, sonntags das Geschirr vom Partyservice des Vorabends abzuwaschen. Seit einiger Zeit verteilen sie der Kundschaft tröstende Papiertaschentücher, dazu einen gelben Beipackzettel mit einem halb ernsten, halb humorvollen Nachruf auf die Metzgerei, verfasst vom Homburger Gemeindepräsidenten Thomas Wiget. Dessen Kommunikationsfirma hatte die Metzgersleute in den vergangenen Jahren in Sachen Werbung betreut. «Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei», steht als bitter-ironische Wahrheit darin.

Trotz Grossverteiler stimmt der Umsatz

Es sind nicht wirtschaftliche Gründe, die zur Aufgabe des Betriebs geführt haben. «Wir haben eine sehr treue Kundschaft. Die Zahlen stimmen», sagt Rosi Ebnöther. «Einen Coop haben wir hier bereits. Als vor einigen Jahren auch die Migros eine Filiale eröffnete, erwarteten wir einen Umsatzrückgang», sagt Toni Ebnöther. Doch das Gegenteil sei eingetreten.

«Bei den Wurstwaren ging der Verkauf zwar etwas zurück, doch beim Offenfleisch hat es angezogen.»

Der Hauptgrund ist die fehlende Nachfolge. Ebnöthers haben drei Kinder. Doch dass niemand aus der Familie den Betrieb übernehmen wird, wussten die beiden schon, als sie vor zwanzig Jahren den Neubau vollendeten und bezogen. Zuvor geschäfteten sie zehn Jahre in der Metzgerei im «Ochsen». Seit 2008 waren sie daran, einen Nachfolger aufzubauen. Sie sind deswegen sogar aus der Wohnung über der Metzgerei ausgezogen. «Zweimal meinten wir, jetzt haben wir jemanden», sagt Toni Ebnöther. Doch der eine habe sich im letzten Moment für einen anderen Betrieb entschieden, der zweite zügelte in die Westschweiz.

Der Branche fehlen die Nachfolger

«Gute Metzger sind Mangelware. Es fehlen Leute, die einen Betrieb übernehmen wollen», sagt Toni Ebnöther. Sie haben dennoch nicht damit gerechnet, keine Nachfolge zu finden. Im Gegensatz zu manch anderer Metzgerei sei ihr Geschäft noch jung, Gerätschaften und Einrichtungen modern und gut im Schuss.

Doch jetzt heisst es loslassen. Pläne für die Zeit nach Ladenschluss haben sie noch keine. «Wir wollen erst einmal zur Ruhe kommen und wieder Boden unter den Füssen spüren», sagt Rosi Ebnöther. Dabei hilft den beiden womöglich ihre Zeit als junge Familie in Afrika. Toni Ebnöther baute Mitte der 1980er-Jahre in Nigeria eine Grossmetzgerei auf – unter äussert abenteuerlichen Umständen. «Da habe ich wohl gelernt, nicht immer alles so eng zu sehen», sagt sie, und er meint: «Wo Strom und Wasser nicht selbstverständlich sind, musst Du improvisieren.» Bald schliessen sie ihr Müllheimer Abenteuer ab. Eines dürfen ihre Kunden bis Ende Oktober aber nicht vergessen, mahnt Rosi Ebnöther: «Bitte noch alle Gutscheine einlösen.»